Querschnittsaktivität Wissenstransfer
Einen lebendigen und für alle Seiten gewinnbringenden Wissensaustausch zwischen Forschung, Politik und Gesellschaft zu ermöglichen, ist eine zentrale Aufgabe der Technikfolgenabschätzung (TA). Forschende tragen dazu bei, Debatten zu versachlichen und auf Herausforderungen sowie Chancen und Risiken wissenschaftlicher Entwicklungen aufmerksam zu machen.
In Zeiten von Desinformation, Wissenschaftsskepsis und komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen wird die Frage, wie Wissenschaft und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen, immer drängender. Das ITAS nimmt diese Herausforderung seit über drei Jahrzehnten an – mit Formaten, die sich kontinuierlich weiterentwickeln.
Ziel ist es einerseits, die Wissenschaftsmündigkeit von Bürgerinnen und Bürgern zu stärken und sie – bzw. ihre politischen Vertreterinnen und Vertreter – in die Lage zu versetzen, Entscheidungen auf Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz zu treffen. Andererseits geht es darum, technologische Innovation verantwortlich zu gestalten, indem Wissen und Erfahrungen der Betroffenen berücksichtigt werden.
Unsere Forschung zeigt, dass die Bewertung von Technikfolgen möglichst vielfältige Perspektiven benötigt. Wissenstransfer ist für uns daher ein Lernprozess, in dem wissenschaftliches Wissen mit gesellschaftlichen Erfahrungen, Alltagswissen und politischen Rahmenbedingungen in Beziehung gesetzt wird. Seit Langem beziehen wir in unsere Untersuchungen nicht nur Forschende verschiedener Disziplinen ein, sondern auch Bürgerinnen und Bürger sowie Stakeholder aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. ITAS-Forschende entwickeln hierfür spezifische integrative Forschungsansätze und partizipative Formate und wenden diese in unterschiedlichen thematischen Kontexten an. Die Ergebnisse fließen wiederum in die Politik- und Gesellschaftsberatung sowie in den wissenschaftlichen Diskurs ein.
Unser Verständnis von Wissenstransfer haben wir 2024 im Wissenschaftsmanagement konkretisiert (Albiez et al. 2024). Es basiert auf den Prinzipien der Dialogorientierung, Perspektivenvielfalt und gesellschaftlichen Relevanz. Die Ergebnisse fließen zurück in die Politik- und Gesellschaftsberatung sowie in den wissenschaftlichen Diskurs.
Wissenstransfer am ITAS: Von der Forschung in die Gesellschaft und zurück
Die Spanne unserer Aktivitäten reicht von der Reallaborforschung vor Ort über themenspezifische Bürgerdialoge und die Politikberatung auf nationaler und europäischer Ebene bis hin zu Citizen-Science-Projekten, innovativen Ausstellungsformaten und institutseigenen Publikationen.
Wissenstransfer ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Mit neuen Formaten wie SPARK und der Internationalisierung von openTA gestalten wir die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aktiv weiter – im Dialog mit allen, die von technologischem Wandel betroffen sind oder ihn mitgestalten wollen.
Bürgerdialoge:
- Karlsruher Bürgerdialog „Autonome Technologien im europäischen Kontext“ (Öffentlicher Dialogprozess im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung)
- Bürgerdialog „Künstliche Intelligenz in unserem Alltag“ (Öffentlicher Dialogprozess im Rahmen der KIT-Science Week)
- Wenn Wissenschaft auf Krisen trifft (Erster jährlicher Bürgerdialog im Auftrag des KIT)
- Klimaschutz belohnen! Aber wie? (Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern anlässlich der KIT-Science Week 2023)
- Bürger:innendialog "Turbulenzen global, mitgestalten lokal" anlässlich der KIT-Science Week 2025
- Partizipationsverfahren in Forschungsorganisationen (PaFo)
Politikberatung:
- Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) (berät seit 1990 die Abgeordneten des Parlaments in allen Fragen des wissenschaftlich-technische Fortschritts)
- European Technology Assessment Group (ETAG) (vom ITAS koordiniertes Netzwerk europäischer TA-Institutionen zur Beratung des Panel for Scientific Technological Options Assessment (STOA) des Europäischen Parlamentes)
- Foresight und Technikfolgenabschätzung für das Österreichische Parlament (Erstellung von regelmäßigen Monitoringberichten als Partner des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung in Wien)
Wissenschaftskommunikation und Publikationsaktivitäten:
- technik.kontrovers (interaktive Themenabende zu aktuellen Themen an der Schnittstelle von Technik und Gesellschaft)
- TATuP - Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis (vom ITAS herausgegebene Zeitschrift, die Forschungsergebnisse für transdisziplinäre Stakeholder aufbereitet)
- openTA – Informationsplattform der deutschsprachigen TA-Community mit News, Veranstaltungen, Methoden und Datenbanken
- ITAS-Forschende in den Medien (eine Auswahl)
Neue Formen des Wissenstransfers:
- Interaktive Ausstellungen „Roboterhauptstadt Karlsruhe“ (Robotik und künstliche Intelligenz), „... sag du es mir" (Vertrauen in die Wissenschaft) und „Wer entscheidet denn sowas?“ (Endlager und Demokratie)
- SPARK – Space for human-centered transdisciplinary research and real-world-lab incubator (ab Sommer 2026)

Wie bewegen wir uns in der Stadt? Wie leben wir zusammen? Wie schützen wir die Umwelt? Bei immer mehr Fragen nutzen Forschende die Expertise von Bürgerinnen und Bürgern. Zur Wirkung dieser Beteiligung hat das Projekt PaFo jetzt ein Webangebot gestartet.
mehrSeit über zehn Jahren ist openTA die Informationsplattform der deutschsprachigen TA-Community. Optisch runderneuert, um zusätzliche Angebote und eine englische Fassung ergänzt, richtet sie sich nun auch an Forschung, Politik und TA-Interessierte weltweit.
mehrKontakt
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
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Tel.: 0721 608-26814
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