Long-term Governance: Konzeptionelle und empirische Weiterentwicklung einer Governance aus Langfristperspektive

Projektbeschreibung

Wie am besten umgehen mit substanziellen Langfristproblemen für Mensch und Umwelt? Wir stehen vor teils großen Herausforderungen, von denen wir bereits heute wissen, dass sie uns noch Jahrzehnte, Jahrhunderte und länger beschäftigen werden. Probleme wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, nukleare Entsorgung oder nicht nachhaltige Produktions- und Konsummuster haben etwas gemeinsam – sie werden uns unweigerlich für lange Zeit begleiten. Die Gründe dafür sind vielfältig und ergeben sich beispielsweise aus der Komplexität der Probleme, ihren potenziell schwerwiegenden Folgen, der vorhersehbar schwierigen, zeitaufwändigen und ungewissen Problemlösung oder der Notwendigkeit, heterogene und sich verändernde gesellschaftliche Ansprüche und Werte (auch zukünftiger Generationen) adäquat zu berücksichtigen.

Die wirksame Bewältigung dieser langfristigen Probleme erfordert einen Governance-Ansatz, der über kurzsichtige Orientierungen und Entscheidungsfindungsprozesse hinausgeht. Governance aus Langfristperspektive – oder Long-term Governance – ist daher die vorausschauende und angemessenste politische Handhabung von groß angelegten, zielgerichteten Veränderungsprozessen. Sie erfordert langfristige, integrierte, adaptiv-antizipatorische und umfassende Anstrengungen zur zielgerechten Durchführung sozio-technischer Veränderungsprozesse über direkte und indirekte Steuerungsmodi.

Im ITAS-Fokus-Projekt „Konzeptionelle und empirische Weiterentwicklung von Long-term Governance“ werden grundlegende Arbeiten zum Verständnis dieses politisch-gesellschaftlichen Umgangs mit Langfristproblemen geleistet.

Dazu gehören generische Arbeiten zu einem „Rahmenkonzept Long-term Governance“. In diesem Rahmenkonzept werden Fragen zur grundlegenden Architektur von Long-term Governance im Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Technik adressiert und aus der Perspektive der Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse betrachtet: institutionelles Lernen, die Rolle von Wissenschaft, Ethik und Technik, Antizipation und Vorausschau bei politischen Entscheidungsprozessen oder auch Wechselwirkungen zwischen Kurz- und Langfristigkeit sind hier wichtige Aspekte, die näher beleuchtet werden.

Daneben werden vertiefende Fallstudien zu ausgewählten Aspekten einer Long-term Governance durchgeführt. Hierzu zählen bspw. eine systematische Literaturanalyse zu den thematischen Bezügen von Long-term Governance innerhalb der Risikoforschung und der nachhaltigkeitsorientierten Transformationsforschung (Transition Studies, Earth System Governance u. a.). Das Konzept der vergleichenden Transformationspfade („pathway approach“) wird als heuristisches und analytisches Konzept entwickelt. Und auch die Wechselwirkung von Pfadabhängigkeiten und notwendigen Disruptionen wird über Fallstudien zu Exnovationen erforscht.

Kontakt

Dr. Sophie Kuppler
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-28007
E-Mail

und

PD Dr. Dirk Scheer
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22994
E-Mail