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Zukunftsperspektiven der Technikfolgenabschätzung

Zukunftsperspektiven der Technikfolgenabschätzung
Projektteam:

Grunwald, Armin (Projektleitung); Gotthard Bechmann; Knud Böhle; Christian Büscher; Michael Decker; Torsten Fleischer; Fritz Gloede; Bettina-Johanna Krings; Carsten Orwat

Starttermin:

2004

Forschungsbereich:

Wissensgesellschaft und Wissenspolitik

Beschreibung des Projekts

Inhalt und Zielsetzung

Konzeptioneller Kern der TA

Technikfolgenabschätzung (TA) ist als wissenschaftliche und gesellschaftliche Reaktion auf das Problem entstanden, wie mit komplexen Nebenfolgen und Unsicherheiten in Wissenschaft und Technik umgegangen werden kann. Die Erfahrung, dass in der Moderne die nicht intendierten Nebenfolgen von Wissenschaft, Technik und Technisierung erhebliche Dimensionen annehmen können, die Herausforderung, ob und wie Wissen um Nebenfolgen bereits in Entscheidungsprozesse integriert werden kann sowie das Problem des Umgangs mit den dabei unweigerlich auftretenden Unsicherheiten des Wissens markieren die Fragen, auf die TA Antworten geben soll. Das "Assessment" als eine als rational auszuzeichnende und prozesshaft organisierte Vorgehensweise zur Beantwortung dieser Herausforderung gerät auf diese Weise in den Mittelpunkt der konzeptionellen Überlegungen zur TA. In diesem Sinne werden Technikfolgen im Rahmen eines Assessments von Policy-Optionen zur Technikgestaltung behandelt, die dem komplexen Umgang mit Technikfolgenproblemen Genüge leisten können. Welche konzeptionellen Angebote TA hierzu an Gesellschaft und Politik TA unterbreitet, ist stark kontextabhängig - und bedarf, wenn in einer sich dynamisch entwickelnden Weltgesellschaft sich diese Kontexte rasch ändern, der ständigen Modernisierung.

Der ständige Modernisierungsbedarf der TA

TA als eine spezifische Form interdisziplinärer Technikforschung und wissenschaftlicher Politikberatung ist, wie problemorientierte Forschungsansätze im Allgemeinen, zweckgebunden, kontextabhängig und adressatenbezogen. In den Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen, für die TA Wissen und Orientierungen bereitstellt, spielen die situationsspezifischen Kontexte und die Erwartungen der jeweiligen Adressaten eine wichtige Rolle. Änderungen im gesellschaftlichen Umfeld der TA (gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, Rollen und Konstellationen der relevanten Akteure, Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse) wirken sich daher direkt auf die Formen des Assessment im o.g. Sinne aus. Eine TA, die ihrem Auftrag gerecht werden will, muss daher in der Lage sein, die Veränderungen in ihrem Umfeld zu beobachten und konzeptionell darauf zu reagieren bzw. pro-aktiv diese Veränderungen in ihrem eigenen konzeptionellen Selbstverständnis zu reflektieren.

Gegenwärtige Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld

TA hat sich in den 60iger und 70iger Jahre vor dem Hintergrund einer planungsoptimistischen und staatszentrierten Ausrichtung etabliert. Politikberatung als "Frühwarnung vor technikbedingten Gefahren", die Unterstützung der Legislative gegenüber der Exekutive und die Anfänge einer Stakeholder-Beteiligung kennzeichnen diesen Beginn. In der Zwischenzeit haben sich weit reichende Veränderungen ergeben: die mehr oder weniger ständige Krise des repräsentativen Demokratiemodells mit jeweils verschiedenen Ausprägungen, die wirtschaftliche Globalisierung, die aktuelle Diskussion über die Unsicherheit des Wissens, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, Überlegungen zu neuen gesellschaftlichen Governance-Strukturen unter stärkerer Berücksichtigung partizipativer Elemente, die Innovationsschwäche vieler Volkswirtschaften, ethische Diskussionen, vor allem im biomedizinischen Kontext, und neue Strukturen im Wissenschaftssystem. Aktuelle Themen im gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Kontext der TA sind:

  • die Entwicklung hin zu einer global vernetzten 'Wissensgesellschaft'
  • die abnehmende Steuerungsfähigkeit von Nationalstaaten angesichts supranationaler Institutionen und global agierender Konzerne
  • das international verankerte Leitbild der Nachhaltigkeit mit seinen sozialen Implikationen (z.B. Chancengleichheit im Zugang zu Wissen, Partizipation, Selbstorganisation, Reflexivität)
  • die starke Nachfrage nach Foresight seit den späten 90iger Jahren - Konkurrenz zur, Ergänzung oder Erweiterung der TA?
  • die Betonung von marktnahen Innovationsprozessen und der Rolle der Wirtschaft für die Technikentwicklung
  • der zunehmende Evaluationsdruck in der Forschung, u.a. mit seinen bislang unbeantworteten Fragen nach Qualitätskriterien der TA.

Zielsetzungen

Diese Entwicklungen haben in der einen oder anderen Weise bereits zu neuen bzw. modifizierten TA-Konzepten geführt. Eine konzeptionelle Neubestimmung des gesellschaftlichen Ortes der TA steht jedoch bislang aus. Aus diesem Grunde verfolgt das Projekt folgende Ziele:

  • systematische Aufarbeitung des gegenwärtigen konzeptionellen Standes der TA und ihrer Einbettung in politisch-gesellschaftliche Prozesse;
  • Präzisierung der stichwortartig genannten Diagnosen eines sich verändernden gesellschaftlichen Umfeldes der TA und Ableitung von Konsequenzen für die TA;
  • Formulierung eines adäquaten zukunftsorientierten TA-Paradigmas unter Berücksichtigung der Aspekte Produktion und Distribution des TA-Wissens im Rahmen institutioneller Veränderungen;
  • Untersuchung der Konsequenzen der konzeptionellen Überlegungen für die TA-Praxis.

Vorgehen

Die Erarbeitung der Ergebnisse erfolgt im Rahmen einer offenen "Projektwerkstatt" (TA-Labor) im ITAS. Thesenpapiere und Impulsreferate, vorgelegt bzw. vorgetragen von Mitgliedern des Projektteams sollen hierbei die Diskussion an stoßen. Die Arbeitsschwerpunkte sind:

  • Definitionsmöglichkeiten der TA und Bestimmung des konzeptionellen Kerns sowie Festlegung eines Kriterienrasters zur Einordnung von TA-Konzepten
  • Rekonstruktion einschlägiger TA-Konzeptionen vor dem Hintergrund der Kriterien in Bezug auf ihre Prämissen, ihre Problemlösepotentiale und ihre Grenzen
  • Untersuchung der sich verändernden Anforderungen an TA in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik
  • Konzeptualisierung von TA als Element einer neuen Wissenspolitik
  • Analyse der Konsequenzen für Wissensproduktion und -distribution in der TA (Konzepte und Verfahren, Inter- und Transdisziplinarität, neue Formen der Politikberatung und des gesellschaftlichen Diskurses, TA im Innovationsprozess)
  • Konsequenzen für die TA-Praxis anhand von Beispielfeldern aus dem TA-Alltag.

Publikationen

Kontakt

Prof. Dr. Armin Grunwald
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22500
E-Mail