Home | english  | Sitemap | Impressum | Datenschutz | KIT

FUTUREBODY – Die Zukunft des menschlichen Körpers im Lichte neurotechnologischen Fortschritts

FUTUREBODY – Die Zukunft des menschlichen Körpers im Lichte neurotechnologischen Fortschritts
Projektteam:

Coenen, Christopher (Gesamtprojektkoordinator; Projektleiter ITAS); Silvia Woll (Projektkoordinatorin ITAS); Martina Baumann; Armin Grunwald; Reinhard Heil; Maria Maia; Klaus Wiegerling

Förderung:

EU ERANET NEURON-ELSA (Deutschland: BMBF)

Starttermin:

2018

Endtermin:

2021

Projektpartner:

University of Calgary, Kanada; Universität Freiburg, Deutschland; Biofaction KG, Wien, Österreich

Forschungsbereich:

Innovationsprozesse und Technikfolgen

Projektbeschreibung

Das öffentliche Interesse an den Neurowissenschaften ist stark und erstreckt sich in besonderem Maße auch auf das Thema der Verschmelzung menschlicher Körperlichkeit mit Technik. Neurotechnologien (NT) erscheinen oft als Vorboten einer Zukunft des menschlichen Körpers, in der dieser in einem Prozess ständig zunehmender ‚Technisierung‘ auf zumindest drei Weisen transformiert wird: durch (1) technische Modifikationen, bei denen durch chirurgische Eingriffe (z. B. Implantate) die Ersetzung oder Erweiterung körperlicher Funktionen ermöglicht werden, (2) nicht invasive Neurostimulationstechnologien und (3) Gehirn-Maschine-Schnittstellentechnologien, mit der Menschen und Artefakte verkoppelt werden.

NT stehen im Zentrum vieler aktueller Visionen zur Technisierung des menschlichen Körpers, z. B. des Transhumanismus. Diese Visionen sowie auch verschiedene gegenwärtige Praktiken diesseits und jenseits der Grenzen des medizinischen Bereichs wecken nicht nur Hoffnungen und weitreichende Erwartungen, sondern erzeugen auch Ängste und Unbehagen. Philosophische, sozial- und rechtswissenschaftliche und andere nicht-naturwissenschaftliche Forschung zu den Neurowissenschaften sind weitentwickelt, wofür die Neuroethik ein herausragendes Beispiel ist. Hierbei werden auch spezifisch einzelne NT sowie das Thema ‚human enhancement‘ untersucht.

Zudem werden ‚Cyborg‘- und ähnliche Konzepte zunehmend in verschiedenen kulturwissenschaftlichen Feldern (z. B. in den Medienwissenschaften, den ‚posthumanistischen Studien‘ und der Sciencefiction-Forschung) verwendet, um womöglich grundlegende Wandlungsprozesse in den Mensch-Technik-Beziehungen und insbesondere die Körper-Technik-Verschmelzung zu untersuchen. Das Feld der ‚disability studies‘ ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, u.a. weil es der Thematik angemessene theoretische und empirische Herangehensweisen sowie die frühzeitige Einbeziehung der Perspektiven von ‚early adopters‘ wie auch von Menschen, die sich gegen die Nutzung von NT entscheiden, ermöglicht.

Trotz alldem besteht jedoch ein Mangel an Untersuchungen mit einem umfassenden Ansatz sowie an breitem interdisziplinären Austausch zum Thema der Mensch-Technik-Verschmelzung. Das Projekt FUTUREBODY möchte einen Beitrag dazu leisten, diese Situation zu verändern und dazu folgende Aspekte integrieren:

  • (i) die philosophische Analyse von Verkörperlichung und Agency als Kernkonzepte der mechanisierten Körperlichkeit,
  • (ii) eine Visionenanalyse zum Verständnis der sozialen und kulturellen Bedeutung von NT und von umfassenderen Visionen der Zukunft des menschlichen Körpers,
  • (iii) empirische sozialwissenschaftliche Forschung unter Verwendung quantitativer und qualitativer Methoden zum besseren Verständnis der Praktiken und Standpunkte der tatsächlichen oder potenziellen Nutzer und Nutzerinnen von NT und der mit ihnen eng zusammenarbeitenden Personen,
  • (iv) partizipative Reflektion zu NT einschließlich kunstwissenschaftlicher Interaktionen und insbesondere der Nutzung von Filmen sowie verschiedener (anderer) experimenteller Praktiken
  • und (v) einen sozio-theoretischen Ansatz, der sich auf ‚ability expectations‘ konzentriert.

Das Gesamtvorhaben, in dem das ITAS mit institutionellen Partnern aus Calgary, Freiburg und Wien zusammenarbeitet, soll so eine neue Grundlage für ethische Überlegungen in der ELSA-Forschung schaffen und dazu beitragen, dass Innovationen im Bereich der NT verantwortungsvoll gesteuert werden können.

Innerhalb von FUTUREBODY obliegen dem ITAS die Koordination des Gesamtvorhabens und die Durchführung eines Teilvorhabens zu ethischen und gesellschaftlichen Aspekten, in dem das ITAS auch mit Enno Park (Berlin), Romy Rasper (München) und Vera Borrmann (Wien) eng zusammenarbeitet. Das Teilvorhaben besteht aus einer Analyse des Stands der Forschung (wissenschaftlich-technisch und ELSA), einer Visionenanalyse, zwei Fallstudien (zu Cochlear-Implantaten und Neurostimulationstechnologien sowie einer Analyse zur Bedeutung von Zukunftsvisionen und aktuellen Praktiken für neurotechnische Innovationen und deren Governance.

Publikationen

Kontakt

Dipl.-Pol. Christopher Coenen
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-24559
E-Mail