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Schwerpunkte des Forschungsbereiches "Innovationsprozesse und Technikfolgen"

DIGIT: Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien
Die Informatisierung der Gesellschaft ist aktuell durch drei parallele Entwicklungen gekennzeichnet: erstens durch den Aufbau einer IKT-Infrastruktur, die zugleich omnipräsent, unauffällig und situationsgerecht sein soll; zweitens durch den Ausbau und die Zunahme komplexer, autonomer technischer Systeme (z.B. Produktionssysteme, Verkehrssysteme, Waffensysteme), und drittens durch die zunehmende Verbreitung von so genannten "intelligenten Artefakten" in der Alltagswelt und speziell auch in der Arbeitswelt, die z.B. als humanoide Roboter und Softwareagenten auf Interaktion und Kooperation mit Menschen angelegt sind. Die Reflexion der Folgen dieser Technisierungsprozesse kann auf der Mikroebene sozialer Beziehungen, auf der Organisations- und sektoralen Ebene sowie der gesellschaftlichen Ebene moderner Gesellschaften ansetzen. Technikfolgenabschätzung in diesem Feld analysiert darüber hinaus den politischen Handlungsbedarf, der aus den Chancen, Risiken und nicht intendierten Folgen dieser Technikentwicklungen und ihres Einsatzes erwachsen kann. Schwerpunkte der Forschung liegen bei der Entwicklung des Internet und digitaler Medien, dem Potenzial des Internet, politische Prozesse zu verändern und der Analyse von Leitbildern, die Forschungsförderung und Medienwahrnehmung orientieren, wie z.B. "convergence", "enhancement" oder "intelligent artefacts".

NANO: Nanotechnologie
Nanotechnologie gilt als "enabling technology", als Plattform-Technologie, deren Konzepte mehrheitlich erst durch ihre Umsetzung in anderen Technikfeldern zum Tragen kommen werden. Die Arbeiten konzentrieren sich dabei insbesondere auf die Chancen und unintendierten Folgen von Anwendungen der Nanotechnologie in den Bereichen Energietechnik und biomedizinische Techniken. Ein weiteres Forschungsthema ist die Abschätzung der Gesundheits- und Umweltrisiken gezielt hergestellter partikulärer Nanomaterialien und die daraus resultierenden Herausforderungen und Probleme für die Risiko-Governance. Maßnahmen und Instrumente einer möglichen Risikoregulierung unter wissenschaftlicher Unsicherheit stehen ebenso im Mittelpunkt wie neue Ansätze für eine evidenzbasierte Risikoabschätzung. Darüber hinaus werden Fragen der (internationalen) Forschungspolitik zu Nanowissenschaften und Nanotechnologie sowie der öffentlichen Wahrnehmung von und Kommunikation über Nanotechnologie untersucht.

NEST: Neue und entstehende Technowissenschaften
Neue und entstehende Technowissenschaften (New & Emerging Science and Technology; NEST) stellen besondere Anforderungen an TA. Sie unterscheiden sich von anderen Themen insofern als TA hier Orientierungswissen sehr früh bereitstellen soll, nämlich wenn die Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt, zugleich aber schon weit reichende Folgendiskurse, Technikvisionen und politische wie gesellschaftliche Erwartungen bestehen. Zu den NEST zählen zum einen spezifische Technologien (derzeit z.B. Service-Robotik und Neurotechnologien), zum anderen noch nicht klar umrissene Felder (aktuell z.B. die Synthetische Biologie und ‚Human-Enhancement’-Technologien), bei denen umstritten ist, ob sie sich tatsächlich zu Schlüsselfeldern oder relevanten Bereichen entwickeln werden. Gleichzeitig leistet TA hier Beiträge zur Themenfrüherkennung, also die Identifikation wissenschaftlich-technischer Entwicklungen, die mittel- bis langfristig die Gesellschaft erheblich verändern könnten.

MOVE: Schlüsseltechnologien für zukünftige Mobilitäts- und Verkehrskonzepte
Die wechselseitige Beeinflussung von technischen Innovationen, Leitbildern, Nachfragemustern und Geschäftsmodellen, auch „Ko-Evolution“ genannt, tritt im Mobilitätsbereich besonders deutlich zu Tage. So sind heutige Mobilitätsmuster erst durch moderne Technik-Infrastruktur-Systeme ermöglicht worden, gleichzeitig sind Präferenzen und Nachfragelagen wichtige Treiber für die Entwicklung von technischen und organisatorischen Innovationen. Vor diesem Hintergrund schauen die Arbeiten in diesem Cluster auf technische Entwicklungen sowie auf ihre Potentiale, etablierte Mobilitätsmuster zu verändern bzw. um neue Mobilitätskonzepte zu ermöglichen. Auf der technischen Seite kommt dabei der Entwicklung neuer Antriebstechnologien (z.B. Elektromobilität), der Entwicklung von IuK-Anwendungen sowie der Entwicklung neuer Technik-Infrastruktursysteme besondere Bedeutung zu. Besonders die Speicherung von Energie wird als Schlüsseltechnologie für zukünftige Mobilitätskonzepte angesehen. Systemanalytische und ökobilanzielle Arbeiten unterstützen die Identifizierung von aussichtsreichen Entwicklungskorridoren verschiedener Speichertechnologien. Methodische Herausforderungen einer prospektiven Systemperspektive auf Schlüsseltechnologien sowie Fragen der Übertragbarkeit von erkennbaren Strukturmustern auf andere sozio-technische Kontexte (besonders auf den Energiesektor) sind ebenfalls Gegenstand dieses Clusters.