Forschung zu und Lehren aus der Covid-Krise (FOCO)

Projektbeschreibung

Das Projekt „Forschung zu und Lehren aus der Covid-Krise“ (FOCO) dient als Dach für eine Reihe von ITAS-Aktivitäten, die von Mitgliedern der Forschungsgruppen „Gesundheit und Technisierung des Lebens“ und „Soziotechnische Zukünfte und Policies“ zur Covid-Pandemie und zu möglichen Lehren aus dieser Krise durchgeführt werden. Dies schließt Kooperationen mit externen Partnern sowie innerhalb des KIT und des ITAS ein, was sich bereits in den FOCO-Arbeitsbereichen niedergeschlagen hat. Auch die Ergebnisse anderer Forschungsprojekte des ITAS wie z. B. des neuen Projekts „Luftgetragene Übertragung des SARS-Coronavirus – von der Grundlagenforschung zu effizienten Luftreinigungssystemen (CORAERO)“ werden hier berücksichtigt.

Zum Hintergrund des FOCO-Projekts gehört, dass angesichts der globalen Krise durch die Covid-Pandemie im März 2020 aus dem ITAS heraus die Initiative „Research for orientation and cooperation after the COVID-19 crisis“ (Rococo) entstand. Im Einklang mit dem Gründungsaufruf des Rococo-Netzwerks hat FOCO das übergeordnete Ziel, zur Bündelung von Kräften in der Technikfolgenabschätzung (TA) und benachbarten prospektiven Forschungsfeldern (wie z. B. der Zukunftsforschung) beizutragen, um Orientierungswissen insbesondere auch für die Zeit nach der Krise zu erarbeiten sowie für mögliche zukünftige Krisen. Diese Forschungsfelder sind derzeit besonders gefragt, der Gesellschaft dabei zu helfen, über den aktuellen außergewöhnlichen Herausforderungen nicht mittel- und langfristige Zukunftsperspektiven zu vernachlässigen.

Das Projekt umfasst derzeit sieben Arbeitsbereiche (AB):

  1. Kooperation „Technikfolgenabschätzung für eine Welt im Wandel“ mit dem Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
  2. Kooperation mit dem ITAS-Projekt „Gesellschaftliche Folgen der Corona-Krise – eine Zeitstudie
  3. Fortführung der Vernetzung und der Bündelung von Wissensressourcen
  4. International vergleichende Forschung zur Governance der Covid-Pandemie
  5. Forschung und Dialog zu Verschwörungsdenken und Wissenschaftsskepsis
  6. Postpandemische Zukünfte: Bedarfe und Chancen für systemischen Wandel

(1) Die erste größere Kooperation, in der das ITAS aus der Rococo-Initiative heraus mit einem externen Partner zusammenarbeitet, ist eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum Thema „Technikfolgenabschätzung für eine Welt im Wandel“. Vonseiten des ITAS ist hier auch Julia Hahn maßgeblich aktiv, und in der Kooperation wirkt das gesamte FOCO-Team mit.

(2) In einer weiteren laufenden, ITAS internen Kooperation, wirkt das FOCO-Team am ITAS-Projekt „Gesellschaftliche Folgen der Corona-Krise – eine Zeitstudie“ mit, einer weiteren größeren Aktivität des ITAS zur Krise. Ansprechpartner im FOCO-Team für den AB 2 ist Nora Weinberger.

(3) Aktuelles Ziel der Tätigkeiten im AB 3 ist die Fortführung der mit der Rococo-Initiative begonnenen Vernetzung thematisch einschlägig Interessierter innerhalb der TA und benachbarter Felder, in denen prospektiv gearbeitet wird. Hierbei geht es sowohl um Austausch und Vernetzungsmöglichkeiten hinsichtlich bestimmter Vorhaben und Themen als auch um die Sammlung vorhandener Wissensressourcen zur Schaffung resilienterer Gesellschaften im Lichte der Krise. Ansprechpartner im FOCO-Team für AB 3 ist Christopher Coenen.

(4) Ziel im vierten FOCO-Arbeitsbereich ist international vergleichende Forschung zum Umgang mit der Covid-Pandemie. Hier erfolgte unter anderem bereits eine Zusammenarbeit mit dem Orient-Institut Istanbul (OII) der Max-Weber-Stiftung, wobei der Schwerpunkt der Aktivitäten – u. a. ein Workshop – auf den Länder Deutschland, Iran und Türkei und Themen wie z. B. Tracing Apps lag. Solche international vergleichenden Betrachtungen der Covid-Governance, einschließlich ethischer Aspekte und der Einbindung von Stakeholder*innen und Bürger*innen, sollen u. a. im Rahmen von EU-Kooperationen in den FOCO-Projektaktivitäten fortgeführt werden. Ansprechpartner im FOCO-Team für den AB 4 sind Martina Baumann, Christopher Coenen und Silvia Woll.

(5) Zum Zeitpunkt des Starts der Rococo-Initiative zeichnete sich ab, dass im Zuge der Krise zumindest in Teilen der Bevölkerung neben der Politikverdrossenheit auch die Wissenschaftsskepsis zunimmt. Mittlerweile ist Pandemie-Governance ins Zentrum weitverbreiteter Verschwörungsideologien gerückt, die nicht nur Gegenstand und Treibstoff oft hitziger gesellschaftlicher Kontroversen sind, gespickt mit einer Fülle von Fake News, sondern teilweise auch im Zentrum des politischen Systems (z. B. in Regierungen und Parlamenten) angekommen sind. Es ist fraglich, ob der Boom dieses Verschwörungsdenkens nach der Überwindung der Krise abflauen wird. Der FOCO-Arbeitsbereich zu dieser Thematik befasst sich u. a. mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der Zukunftsfähigkeit politischer Systeme und der gesellschaftlichen Rolle und des Ansehens von Wissenschaft und Technik. Ansprechpartner im FOCO-Team für den AB 5 sind Christopher Coenen und Silvia Woll.

(6) Der Bedarf an Orientierungswissen im Zusammenhang mit der Pandemie geht auch insofern über Fragen des Umgangs mit Epidemien oder Pandemien und das Gesundheitssystem hinaus, als in der Krise eine Vielzahl „systemrelevanter“ Verbesserungsbedarfe deutlich geworden ist und sozusagen große gesellschaftliche „Realexperimente“ stattfinden. Durch die Covid-Pandemie wurden so auch dramatische Schlaglichter auf andere globale Krisenphänomene geworfen, wie die die Krisen von Demokratie und des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik, die verschiedenen ökologischen Krisen, politische und Armutsmigration, die Ausbreitung von Verschwörungsdenken sowie allgemein die Schwächung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in vielen Ländern aufgrund sozioökonomisch-kultureller Verwerfungen oder Zuspitzungen. Im FOCO-Arbeitsbereich zu dieser weitreichenden Thematik geht es um Analysen und Entwürfe postpandemischer Zukünfte, in denen die deutlich gewordenen Bedarfe und Chancen für systemischen Wandel auch hinsichtlich neuer Formen der Kooperation und gesellschaftlichen Reflektion soziotechnischen Wandels adressiert werden. Ansprechpartner im FOCO-Team für den AB 6 sind Christopher Coenen und Christoph Schneider.

Kontakt

Für die Forschungsgruppe „Gesundheit und Technisierung des Lebens“: Christopher Coenen
Für die Forschungsgruppe „Soziotechnische Zukünfte und Policies“: Dr. Christoph Schneider

Publikationen


2021
Buchaufsätze
Coenen, C.
Breaking the Spell of TINA – An Integrative Notion of Technical Progress.
2021. Konfigurationen der Zeitlichkeit. Ed.: A. Friedrich, 318–323, Nomos Verlagsgesellschaft 
Vorträge
Weinberger, N.; Winkelmann, M.; Schmieder, L.; Ruff, S.; Pfeiffer, J.; Parodi, O.; Albiez, M.
Gesellschaft im Umschwung: Folgen der Corona-Krise – eine Zeitstudie.
2021. Hüttenakademietage "Studium, Beruf und Leben gestalten im Umschwung" (2021), Online, 19.–20. März 2021 
2020
Zeitschriftenaufsätze
Hahn, J.; Schneider, C.; Baumann, M. F.; Coenen, C.; Gazsó, A.; Sinozic, T.; Sotoudeh, M.; Weinberger, N.; Woll, S.
Technology assessment for a changing world.
2020. Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis, 29 (3), 74–75. doi:10.14512/tatup.29.3.74VolltextVolltext der Publikation als PDF-Dokument
Vorträge
Parodi, O.; Weinberger, N.; Ruff, S.; Pfeiffer, J.; Albiez, M.; Schmieder, L.; Hager, H.
Gesellschaftliche Folgen der Corona-Krise – eine Zeitstudie. Zwischenergebnisse – Stand November 2020.
2020. Jahrestreffen des Netzwerk TA (2020), Online, 10. Dezember 2020 

Kontakt

Dipl.-Pol. Christopher Coenen
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-24559
E-Mail