Verschobene Grenzen: Wie digitale Technologien Wahrnehmungen affektiver Zustände und gesellschaftliche Normen prägen (ShiftAffect)

  • Projektteam:

    Weinberger, Nora (Projektleitung ITAS); Jérémy Lefint (Koordination ITAS), Martina Baumann, Christopher Coenen

  • Förderung:

    BMFTR

  • Starttermin:

    2026

  • Endtermin:

    2029

  • Projektpartner:

    Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Medizinische Fakultät, Universität zu Köln; Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Hertie Institute for AI in Brain Health, Tübingen; Institut für Ethik, Geschichte, und Theorie der Medizin, Universität Münster

  • Forschungsgruppe:

    Gesundheit und Technisierung des Lebens

Projektbeschreibung

Digitale Technologien, die affektive Zustände wie Traurigkeit, Angst und Schmerz erkennen, analysieren und gezielt beeinflussen, verändern das gesellschaftliche Verständnis von Normalität und Pathologie und werfen grundlegende Fragen zu Autonomie und Selbstwahrnehmung auf. Mit Technologien wie Affective Computing, Virtual Reality, Neuromodulation und Smartphone-basierter Echtzeit-Selbstbeobachtung im Alltag (Ecological Momentary Assessment) eröffnen sich neue Möglichkeiten für Prävention, Diagnostik und Therapie, gleichzeitig stellen sich aber auch weitreichende ethische und gesellschaftliche Fragen.

Um diese Entwicklungen zu untersuchen, verbindet das Forschungsprojekt ShiftAffect philosophisch-ethische Konzeptanalyse und empirische Erhebungen unter Entwickler*innen, Kliniker*innen und Patient*innen mit partizipativen Workshops zu einem integrativen Forschungsdesign. Im Mittelpunkt stehen die affektiven Zustände Traurigkeit, Angst und Schmerz, die alle in einem Kontinuum zwischen alltäglicher Erfahrung und klinischer Pathologie auftreten und sich damit besonders dafür eignen, die Verschiebung normativer Schwellenwerte in Medizin und Gesellschaft durch den Einsatz von Technologie zu untersuchen.

ShiftAffect wird im Rahmen der BMFTR-Förderrichtlinie ELSA über drei Jahre gefördert und von einem interdisziplinären Konsortium aus vier Institutionen durchgeführt. Die Universität zu Köln (Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Orsolya Friedrich) und die Universität Münster (Prof. Dr. Claudia Bozzaro) sind für die philosophisch-ethischen Analysen verantwortlich. Die Universität Tübingen (Prof. Dr. Kerstin Ritter, Prof. Dr. Andreas Fallgatter) führt die technischen und klinisch-empirischen Erhebungen durch. ITAS ist zuständig für die partizipativen Formate und die Synthese der Ergebnisse zu gesellschaftlich wirksamen Empfehlungen.

In diesem Rahmen übernimmt ITAS die inhaltliche und methodische Leitung zweier zentraler Arbeitspakete. Für die partizipative Szenarienentwicklung führt ITAS explorative Interviews und Fokusgruppengespräche mit Entwickler*innen, Kliniker*innen, Patient*innen und Jurist*innen durch und moderiert drei aufeinander aufbauende Workshops, in denen kontrastierende Zukunftsszenarien gemeinsam erarbeitet und bewertet werden. Dabei sollen Machtasymmetrien zwischen professionellen Akteuren und Betroffenen systematisch reflektiert werden, um eine dialogische Szenarienarbeit zu gewährleisten, die unterschiedliche Wertvorstellungen und Konfliktlinien sichtbar macht. In der abschließenden Synthese- und Kommunikationsphase koordiniert ITAS die Integration der Projektergebnisse in Policy Briefs, ethische Leitlinien und Wissenschaftskommunikationsformate, darunter Podcasts, Kurzvideos und eine interaktive Ausstellung. Diese Kombination aus partizipativer Technikfolgenabschätzung und translationaler Wissenschaftskommunikation ist der spezifische Beitrag, den ITAS in das Konsortium einbringt.

Die in ShiftAffect entwickelten Bewertungsrahmen, Leitlinien und Kommunikationsformate richten sich an Politik, Technologieentwicklung, Gesundheitsversorgung und die interessierte Öffentlichkeit. Das Projekt zielt darauf ab, die ethischen und gesellschaftlichen Grundlagen für einen verantwortungsvollen Umgang mit affektiven Technologien in Medizin und Alltag zu schaffen.

Kontakt

Dipl.-Ing. Nora Weinberger
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-23972
E-Mail