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Systemanalyse zu den Zielen, Visionen, Wertschöpfungsketten und Implementierungsschritten einer Bioökonomie in Baden-Württemberg

Systemanalyse zu den Zielen, Visionen, Wertschöpfungsketten und Implementierungsschritten einer Bioökonomie in Baden-Württemberg
Projektteam:

Meyer, Rolf (Projektleitung), Carmen Priefer, Juliane Jörissen

Förderung:

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK)

Starttermin:

2015

Endtermin:

2017

Forschungsbereich:

Nachhaltigkeit und Umwelt

Projektbeschreibung

Die mit der europäischen und den deutschen Bioökonomie-Strategien angestrebte Umstellung der wirtschaftlichen Produktionsbasis von fossilen auf biogene Rohstoffe, Reststoffe und regenerative Energiequellen betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Ein so grundlegender Transformationsprozess, mit dem weitreichende Veränderungen der heute vorherrschenden Produktionssysteme und Stoffflüsse verbunden sind, bedarf einer umfassenden Analyse der möglichen gesellschaftlichen, ökologischen, ökonomischen und politischen Folgen auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen. Das Begleitforschungsprojekt „Bioökonomie in Baden-Württemberg – Systemanalytische Betrachtungen zu den Zielen, Visionen, Wirkungszusammenhängen und Umsetzungsschritten bezogen auf die drei Nutzungspfade Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen“ (Projekt Nr. 145) im Rahmen des Forschungsprogramms „Bioökonomie Baden-Württemberg“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg verfolgte die Zielsetzung, einige Bausteine zu einer solchen systematischen Analyse von Bioökonomie-Transformationen beizutragen und das Systemverständnis zu stärken.

Eine Leitbilddiskussion, d.h. die Analyse von Visionen, Zielen und Erwartungen zur Bioökonomie, war der erste Untersuchungsschritt. Im Mittelpunkt stand dabei eine vergleichende Analyse von offiziellen Bioökonomie-Strategien. Darauf aufbauend wurde eine Befragung von Forschern in den baden-württembergischen Forschungsverbünden Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen durchgeführt mit dem Ziel, deren Einstellung zu Zielen ausgewählter Bioökonomie-Strategien, Einschätzungen zu bestimmten Problemlagen und Informationen zu den Projektansätzen zu erfassen.

Als nächster Untersuchungsschritt wurde eine Akteursanalyse durchgeführt. Die systematische Erfassung der Akteure beinhaltet zunächst diejenige Akteure, die Wertschöpfungsketten in den drei Bereichen Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen entwickeln, realisieren und potentiell in diese direkt involviert sind. Neben den unmittelbar an den neuen Wertschöpfungsketten Beteiligten werden weiterhin die Akteure aus der klassischen Bioökonomie (und anderen Wirtschaftssektoren) betrachtet, die von den innovativen bioökonomischen Wertschöpfungsketten betroffen sind, beispielsweise durch Landnutzungskonkurrenzen, neue Konkurrenzprodukte oder eine sich verändernde Verbrauchernachfrage. Weiterhin wurde eine Systematik potentieller Interessenkonflikte erstellt, um ein Verständnis für die Interessen und Motivationen der in der Bioökonomie in Baden-Württemberg präsenten Akteure sowie die potentiell daraus resultierenden Konflikte zu entwickeln. Im Rahmen des Projektes wurde im Juni 2016 ein Stakeholder-Workshop durchgeführt, an dem Interessenvertreter aus den drei Nutzungspfaden Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen, die außerdem verschiedene Stufen der Wertschöpfungsketten repräsentierten, sowie Vertreter der Landesregierung und Umweltverbände teilnahmen.

Anschließend wurde ein systematischer Überblick über die Wertschöpfungsketten in den drei Nutzungsfeldern Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen, insbesondere im Hinblick auf bestehende und sich in der Entwicklung befindliche relevante Wertschöpfungsketten in Baden-Württemberg, erarbeitet. Darauf aufbauend wurde eine Systematik der potentiellen Konkurrenzbeziehungen sowohl zwischen als auch innerhalb der grundsätzlichen Nutzungsbereiche stoffliche Nutzung, energetische Nutzung und Nutzung als Nahrungsmittel entwickelt. Im Rahmen der Analyse der Wertschöpfungsketten wurde schließlich der Wissensstand zur Kaskadennutzung aufgearbeitet.

Im nächsten Arbeitsschritt Wirkungsanalyse wurde untersucht, welche potentiellen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft mit dem Ausbau der Bioökonomie bezogen auf die drei Nutzungspfade verknüpft sein können. Zielsetzungen der Untersuchungen zu Wirkungsanalysen waren:

  • eine Systematik der potentiell relevanten Wirkungen, die in Wirkungsanalysen ggf. zu betrachten sind, zu entwickeln;
  • einen Überblick über wichtige Ansätze der Nachhaltigkeitsbewertung zu geben sowie ihre Möglichkeiten und Grenzen zu diskutieren;
  • wichtige Aspekte der mit den drei Nutzungspfaden Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen potentiell verbundenen ökologische, soziale und ökonomische Wirkungen zu identifizieren;
  • sowie wichtige offene Fragestellungen der Wirkungsanalyse für die drei Nutzungspfade herauszuarbeiten, unter Berücksichtigung der bereits durchgeführten Teilprojekte im baden-württembergischen Forschungsprogramm Bioökonomie.

Schließlich wurden in einer Politikfeldanalyse die politischen Rahmenbedingungen der Bioökonomie untersucht. Zielsetzung war, für die Bioökonomie wichtige Politikfelder systematisch zu identifizieren sowie die Wirkung wichtiger gesetzlicher Bestimmungen auf EU-, nationaler und Landesebene auf die Entwicklung und Ausprägung der Bioökonomie zu diskutieren. Dabei wurden förderliche, hemmende und gestaltende Rahmenbedingungen des geltenden Rechts herausgearbeitet, wichtige Modifikationen und Anpassungen der letzten Jahre dargestellt sowie kontroverse Debatten zur Weiterentwicklung der Gesetzgebung und Anpassungsnotwendigkeiten analysiert. Ausgehend von allen Untersuchungsschritten im Projekt wurden abschließend Handlungsoptionen für die Bioökonomie-Politik abgeleitet. Die identifizierten Handlungsoptionen adressieren die Politikgestaltung in Baden-Württemberg, sie sind aber auch grundsätzlich für die Bioökonomie-Politik auf nationaler und EU-Ebene relevant.

Stakeholder-Workshop

Im Rahmen des Projektes hat ITAS am 20. Juni 2016 den Workshop „Stakeholder-Perspektiven auf Bioökonomie als gesellschaftlicher Transformationsprozess“ in Stuttgart durchgeführt, der zugleich Teil des gemeinsam mit der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH organisierten „Beteiligungsworkshop Bioökonomie“ zur Bioökonomieforschung Baden-Württemberg war (siehe auch https://www.biooekonomie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/rueckblick-zweiter-beteiligungsworkshop-biooekonomie). Dazu sind folgende Dokumente verfügbar:

Publikationen

Ausgewählte Publikationen

Meyer, R.; Priefer, C.
Bioökonomie in Baden-Württemberg. Systemanalytische Betrachtungen zu den Zielen, Visionen, Wirkungszusammenhängen und Umsetzungsschritten bezogen auf die drei Nutzungspfade Biogas, Lignozellulose und Mikroalgen. Endbericht Projektergebnisse. Karlsruhe: ITAS 2018
Volltext/pdf

Meyer, R.
Bioeconomy strategies: Contexts, visions, guiding implementation principles and resulting debates. Sustainability 9(2017)6, publ. online, DOI: 10.3390/su9061031
Volltext/pdf

Priefer, C.; Jörissen, J.; Frör, O.
Pathways to shape the bioeconomy. Resources 6(2017)1, publ. online, DOI: 10.3390/resources6010010
Volltext/pdf

Kontakt

PD Dr. Rolf Meyer
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-24868
E-Mail