CLIMOS – Klimaüberwachungs- und Entscheidungsunterstützungssystem für die Erkennung und Eindämmung von durch Sandfliegen übertragenen Krankheiten mit Kosten-Nutzen- und Klimapolitischen Maßnahmen

  • Projektteam:

    Maia, Maria João (Projektleitung), Nora Weinberger, Armin Grunwald

  • Förderung:

    Europäische Kommission, Horizon Europe

  • Starttermin:

    2022

  • Endtermin:

    2025

  • Projektpartner:

    Universidade Nova de Lisboa (UNL) (Koordinator), Department of Infectious Diseases, Istituto Superiore di Sanità (ISS), Charles University (CUNI), Universität Wageningen (WUR), University of Belgrade, Institute for Medical Research (IMR), University of Warwick (UoW), Faculty of Mathematics, Natural Sciences and Information Technologies, University of Primorska (UP), Universidad de Murcia (UM), Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und 19 weitere Partner

  • Forschungsgruppe:

    Gesundheit und Technisierung des Lebens

Projektbeschreibung

Drei aufeinanderfolgende Forschungskonsortien (EDEN, EDENext und VectorNet) haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten zum Ziel gesetzt, das Wissen über vektorübertragene Krankheiten, deren Überwachung und Bekämpfung in Europa und den Nachbarländern zu verbessern. Zu diesen Krankheiten gehören durch Phlebotomus-Sandfliegen übertragene Krankheiten (sand fly-borne diseases – SFBDs) wie Leishmaniose und Phleboviren, die für das Gesundheitswesen und die Tiermedizin ein großes Problem darstellen.

CLIMOS – Klimaüberwachungs- und Entscheidungsunterstützungssystem für die Erkennung und Eindämmung von durch Sandfliegen übertragenen Krankheiten mit Kosten-Nutzen- und klimapolitischen Maßnahmen zielt darauf ab, frühere Bemühungen zu ergänzen und darauf aufzubauen. Hierfür sollen Forscher, Gesundheits- und Veterinärmediziner, Entwickler von Technologieplattformen und gefährdete Gemeinschaften zusammengebracht werden, um innovative und angewandte Forschung zu betreiben, die eine bessere Vorbereitung auf aktuelle und künftige Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier ermöglicht. Sandfliegen und die von ihnen übertragenen Krankheiten dienen dabei als Modellsystem.

Die Hauptziele von CLIMOS sind:

  • Entwicklung des CLIMOS-Rahmens für Vorhersage, schnelles Screening, wirtschaftliche Bewertung, Entscheidungsunterstützung und Sandfliegenüberwachung auf der Grundlage des aktuellen Ökosystems sowie der Bedürfnisse und Anforderungen der Interessengruppen.
  • Datenerhebung aus laborübergreifenden Feldstudien in zehn Ländern, qualitative Datenerhebung, Datenanalyse und Risikobewertung als Beitrag zu politischen Entscheidungs- und Kommunikationsmaßnahmen.
  • Entwicklung von Modellen zur Entscheidungsunterstützung bei der Bewertung der gesundheitlichen und sozioökonomischen Folgen von SFBDs, bessere Quantifizierung der mit SFBDs verbundenen Verluste und besseres Verständnis der kumulativen Auswirkungen der durch Klimaschwankungen und Umweltveränderungen verursachten Stressfaktoren auf die Entwicklung und Verbreitung von SFBDs.
  • Systematische Validierung der entwickelten Modelle, Instrumente und des Überwachungssystems in zehn Ländern unter Verwendung der vorgeschlagenen Methode zur allgemeinen Risikobewertung für politisch relevante Anwendungsfälle.
  • Umsetzung einer umfassenden wissenschaftlichen und öffentlichen Verbreitungspolitik und eines Outreach-Programms, um die Projektergebnisse einem breiten Publikum zu vermitteln, nach Möglichkeit Standardisierung der Vektor- und Erregerforschung und ‑identifizierung und Entwicklung neuer Daten-Ontologien.

Im Projekt CLIMOS ist ITAS der federführende Partner für das Arbeitspaket „Health Impact Assessment and Policy Making“ (Gesundheitsfolgenabschätzung und Politikgestaltung).

Hauptziel dieses Arbeitspakets ist es, plausible Auswirkungen des CLIMOS-Frühwarnsystems (FWS) für Folgen des Klimawandels auf die Ausbreitung von SFBDs zu identifizieren. Wichtige Interessengruppen und Bürger werden dabei einbezogen, um Diskussionen anzuregen und gemeinsam Zukunftsszenarien für gesundheitliche und andere Auswirkungen zu entwickeln. Darüber hinaus soll eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt und eine sozioökonomische Analyse für Individuen und Gesellschaft erstellten werden. Schließlich wird das ITAS Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge und ‑kontrolle für die von SFBDs ausgehenden Gefahren bewerten und Vorschläge erarbeiten, die auch in die Politikgestaltung einfließen können.

Konkret wird das ITAS für die Analyse der Folgen künftiger Entwicklungen im Hinblick auf das FWS für SFBDs und die gemeinsame Erarbeitung von Szenarien für gesundheitliche Auswirkungen zuständig sein.

Die erste Phase dieses Prozesses beinhaltet die Analyse der Auswirkungen künftiger Trends im Hinblick auf das in CLIMOS entwickelte FWS. Sie umfasst eine Literaturrecherche und die Bewertung potenzieller Gesundheitsauswirkungen. Berücksichtigt werden dabei auch die STEEPED-Dimensionen (sozial, technologisch, ökonomisch, ökologisch, politisch/rechtlich, ethisch, demografisch), um die Auswirkungen künftiger Trends (Klima- und Umweltveränderungen) zu untersuchen. Darüber hinaus werden qualitative Interviews mit ausgewählten Akteuren (CLIMOS-Partner, Überwachungsorganisationen, Versicherungs- und Landwirtschaftssektor und andere) durchgeführt, um die Lücken in der Literatur zu schließen und Erfahrungen, Insiderwissen und gewonnene Erkenntnisse zu integrieren. Im nächsten Schritt werden vier Szenarien in einem mehrstufigen Prozess und in einer Interaktionsschleife mit verschiedenen Interessengruppen und Experten, einschließlich Bürgerverbänden und NRO, gemeinsam entwickelt. Auch die Bedürfnisse von gefährdeten Gruppen und Minderheiten, deren Stimmen oft nicht gehört werden, sollen berücksichtigt werden. Die Szenarien werden auf der CLIMOS-Website zur Verfügung gestellt und ggf. über soziale Medienkanäle verbreitet, um weiteres Feedback zu sammeln.

Kontakt

Dr. Maria João Maia
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22249
E-Mail