Politik im Wandel durch generative KI

Projektbeschreibung

Wie verändert generative künstliche Intelligenz (KI) die Erstellung und Verbreitung politischer Botschaften und die politische Kommunikation? Welchen Einfluss haben KI-generierte Artefakte auf politisch wirksame Überzeugungen, auf die politische Meinungs- und die demokratische Willensbildung? Wie nutzen Politiker die Technologie in der alltäglichen Arbeit?

In parlamentarischen Demokratien findet die politische Willensbildung im Rahmen von Wahlen statt, wobei generative KI eine zunehmende Rolle in der medienvermittelten Kommunikation sowie im halböffentlichen und öffentlichen Diskurs spielt. Die einfache Generierung von Inhalten in Verbindung mit ihrer schnellen Verbreitung über soziale Medien und der gezielten und personalisierten Informationsvermittlung ermöglicht es neuen Akteuren, traditionelle Kommunikationsprozesse zu erweitern. Diese neuen Praktiken des Austauschs und Diskurses beeinflussen nicht nur demokratische Prozesse, sondern können auch zu Machtverschiebungen und strukturellen Veränderungen in staatlichen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Foren führen.

Der Einsatz von KI-basierten Systemen für politische Zwecke und Zielsetzungen bietet einerseits Potenziale zur Demokratisierung und verbesserten Bürgerbeteiligung, zur Effizienzsteigerung, zum Bürokratieabbau und zur erweiterten daten- und evidenzbasierten Wissensanalyse. Andererseits sind aber auch Risiken zu berücksichtigen. Dazu gehört vor allem der Missbrauch der Technologie für Fehl- und Desinformation sowie für die Erstellung und Verstärkung diskreditierender oder diskriminierender Inhalte (Hassrede, toxische Sprache) und der damit verbundene Vertrauensverlust in gesellschaftliche und politische Strukturen. Weitere relevante Herausforderungen in politischen Kontexten bestehen in der mangelnden Erklärbarkeit und Transparenz von KI-Systemen, den Artefakten in der Wissensbasis von Systemen der generativen KI, den inhaltlichen „Erfindungen“ bzw. Halluzinationen/Konfabulationen sowie den Verzerrungen, die durch problematische Datengrundlagen zustande kommen können. Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und Urheberrechts sowie Herausforderungen im Zusammenhang mit einer unzureichenden digitalpolitischen und ‑technologischen Souveränität.

Die vielfältigen potenziellen Chancen und Risiken von generativer KI werden in verschiedenen Feldern der politischen Gestaltung und Steuerung für unterschiedliche politische Akteure kartiert. Hieraus sollen exemplarische Best Practices zur Stärkung demokratischer Prozesse und Werte identifiziert werden.

Diese Untersuchungen erfolgen in der Fortsetzungsphase des interdisziplinären Projekts „Systemische und existenzielle Risiken der KI“. In dieser Projektphase sollen Fragestellungen zu den konkreten Folgen von generativer KI für Prozesse, Strukturen und Akteure in verschiedenen Anwendungskontexten bearbeitet werden.

Kontakt

Dr. Jutta Jahnel
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-26133
E-Mail