Ethikkodex für Reallabore

Projektbeschreibung

Ethikkodizes und ethische Richtlinien sollen die wissenschaftliche Praxis in Forschung und Lehre anleiten – auf allgemeiner Ebene (etwa der DFG-Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis), auf der Ebene einzelner Disziplinen (z. B. die ethischen Grundsätze des Ingenieurberufs des VDI) oder in Bezug auf spezifische Forschungstypen (z. B. „Nürnberger Kodex“ zu Experimenten am Menschen).

Neue Arten der Forschung und Entwicklung machen neue Richtlinien und Kodizes erforderlich. Hierzu zählen Reallabore: transdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, die zur gesellschaftlichen Nachhaltigkeitstransformation beitragen sollen. Seit ihren Anfängen vor etwa zehn Jahren haben sie erheblich an Bedeutung gewonnen und zählen nunmehr zu den exponiertesten transformativen Ansätzen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Die partizipative sowie insbesondere transformative Natur von Reallaborforschung unterscheidet diese von tradierten Arten der Forschung und wirft andere ethische Fragen für die Beteiligten auf. So begeben sich beispielsweise Wissenschaftler*innen direkt in Transformationsprozesse, begleiten und erforschen diese aus der Innenperspektive oder initiieren und gestalten sie mitunter – und werden so selbst zu Akteuren der Transformation. Reallaborforschung erfolgt zudem transdisziplinär in enger Zusammenarbeit mit Praxispartnern. Co-Design, Kooperation und Co-Evaluation sind probate Mittel. Wer aber profitiert (wie) von den gemeinsam erarbeiteten Ergebnissen? Der vorherrschende Modus der Reallaborforschung ist das Experiment. Dies findet aber nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern in einem „realweltlichen“, gesellschaftlichen Kontext, im Alltag. Was gilt es hierbei zu beachten? Wie geht man in einem solchen Setting mit Scheitern um?

Diese und andere Fragen zu explizieren und Ansätze für den Umgang mit ihnen aufzuzeigen, ist Gegenstand des Projekts „Ethikkodex für Reallabore“, das in enger Kooperation zwischen der Academy for Responsible Research, Teaching, and Innovation (ARRTI) und dem Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel (KAT) durchgeführt wird. Grundlage für die Projektarbeit ist die langjährige Erfahrung des KAT als Pionier der Reallaborentwicklung. So können die ethischen Implikationen der Reallaborarbeit praxisnah in den Blick genommen werden, ohne die philosophisch-ethische Reflexion zu vernachlässigen. Ziel des Projekts ist es, einen Ethikkodex für Reallabore zu erarbeiten – beginnend mit einem KIT-internen Entwurf, der in einem zweiten Schritt im Netzwerk Reallabore der Nachhaltigkeit und dann international zur Diskussion gestellt und partizipativ weiterentwickelt werden soll.

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-26450
E-Mail

Dr. Oliver Parodi
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-26816
E-Mail