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Visionen von In-vitro-Fleisch. Analyse der technischen und gesamtgesellschaftlichen Aspekte und Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF)

Visionen von In-vitro-Fleisch. Analyse der technischen und gesamtgesellschaftlichen Aspekte und Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF)
Projektteam:

Ferrari, Arianna (Projektleitung); Inge Böhm, Silvia Woll

Förderung:

BMBF

Starttermin:

2015

Endtermin:

2017

Forschungsbereich:

Innovationsprozesse und Technikfolgen

Projektbeschreibung

Logo VIF

Die heutige und zukünftige Ernährung steht vor neuen Herausforderungen. Mit zunehmender wissenschaftlicher Evidenz zeigt sich, dass die landwirtschaftliche Nutzung von Tieren in ihrer heutigen Form nicht nachhaltig gestaltet werden kann. Die Fleischproduktion wirkt sich negativ nicht nur auf die Umwelt (Boden- und Wasserverschmutzung, hohe Emission von Treibhausgasen und ineffiziente Energiekonversion), sondern auch auf die menschliche Gesundheit aus (Hawkesworth et al. 2010). Das Bewusstsein für die ethische Bedenklichkeit hinsichtlich der Haltung und der Beeinträchtigung des Wohlbefindens von Tieren in der Landwirtschaft wächst und alternative Ernährungsformen wie Vegetarismus und Veganismus erfahren in westlichen Gesellschaften, insbesondere in Deutschland, ein stetiges Wachstum (VEBU 2014). Eine Änderung beim Konsum tierischer Produkte erscheint erforderlich (u.a. FAO 2014; UNEP 2010; Westhoek et al. 2014).

In den letzten Jahren ist die Herstellung von In-vitro-Fleisch aus tierischen Muskelstammzellen, die durch eine Muskelbiopsie gewonnen werden, möglich geworden. Der Durchbruch innerhalb der Forschung gelang im August 2013: Mark Post und seine Forschungsgruppe an der Universität Maastricht stellten in einer Pressekonferenz den ersten In-vitro-Fleisch-Burger vor, welcher aus Rinder-Stammzellen hergestellt wurde (Post 2014).

Obwohl In-vitro-Fleisch heutzutage noch nicht für eine Produktion in großem Umfang geeignet ist, wird sie in den letzten Jahren von einer wachsenden wissenschaftlichen Gemeinschaft als Lösung für die ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Probleme der traditionellen Fleischproduktion vorgeschlagen. Trotz der Dringlichkeit von Veränderungen unserer Ernährungsgewohnheiten und des Optimismus einiger WissenschaftlerInnen hinsichtlich der Möglichkeit, konventionelles Fleisch durch In-vitro-Fleisch zu ersetzen, bleiben viele Aspekte unklar. So sind etwa die tatsächlichen ökologischen Vorteile eines solchen Wechsels, die gesellschaftlichen Bedingungen der Akzeptanz dieser Innovation und die kulturellen Auswirkungen auf Landwirtschaft und Ernährung sowie auf das Mensch/Tier-Verhältnis nicht bekannt. Da es sich bei In-vitro-Fleisch um eine neue und emergierende Technologie in einer sehr frühen Phase eines Innovationsprozesses handelt, kommt den mit In-vitro-Fleisch verbundenen Leitbildern und Visionen eine hohe Bedeutung für die Forschungspolitik im engeren und die „technology governance“ im weiteren Sinne zu.

Die Leitbilder und Visionen von In-vitro-Fleisch werden in diesem Projekt mittels einer Literaturanalyse untersucht sowie mithilfe von Experteninterviews und partizipativen Verfahren unter Einbezug der Öffentlichkeit und relevanten Stakeholdern erarbeitet.

Projekt-Website: http://www.invitrofleisch.info

Literatur

FAO – Food and Agricultural Organization of the United Nations (2014): "Food outlook. Biennal Report on global food markets", http://www.fao.org/docrep/019/I3751E/I3751E.pdf [Zugriff 20.07.2014].

Hawkesworth S. et al. (2010): "Feeding the world healthily: the challenge of measuring the effects of agriculture on health", in: Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences, 365 (2010), pp. 3083–3097

Post M.J. (2014): "Cultured Beef: A Medical Technology to Produce Food", in: Journal of the Science of Food and Agriculture 94(6), S.1039-1041.

UNEP – United Nations Environment Programme (2010): "2009 Annual Report. Seizing the Green Opportunity", United Nations Environment Programme.

Westhoek H. et al. (2014): "Nitrogen on the Table: The influence of Food Choices on Nitrogen Emissions and the European Environment, Executive Summary", http://www.clrtap-tfrn.org/webfm_send/555 [Zugriff 23.10.2014].

VEBU – Vegetarierbund Deutschland (2014): "Anzahl der Vegetarier in Deutschland", https://www.vebu.de/themen/lifestyle/anzahl-der-vegetarierinnen [Zugriff 23.10.2014].


Publikationen

Kontakt

Dr. Arianna Ferrari
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22705
E-Mail