Q-Narrative – Analyse und Gestaltung europäischer Zukunftsbilder in den Quantentechnologien und verwandten Technologien

Projektbeschreibung

Narrative prägen technologische Entwicklungsrichtungen, Innovationspfade sowie gesellschaftliche Erwartungen. Sie beeinflussen, welche Technologien politisch gefördert, ökonomisch priorisiert und kulturell verankert werden. Dies gilt in besonderer Weise für die Quantentechnologien (QT): Zwar werden technologische Roadmaps weitgehend erfüllt und technische Realisierungen erscheinen mittelfristig realistisch, doch konkrete Anwendungen, gesellschaftliche Bedeutung und Akzeptanz bleiben weiterhin unsicher. In dieser Phase der Erwartungsbildung entscheidet die Deutung von Technologien maßgeblich darüber, wie Zukunft gestaltet wird und welche Innovationspfade sich stabilisieren.

Gegenwärtig dominieren im internationalen QT-Diskurs Narrative, die auf Wettbewerb, Sicherheit und technologische Dominanz ausgerichtet sind – insbesondere außerhalb Europas. Diese Deutungen legitimieren hohe Investitionen, betonen geopolitische Führungsansprüche und prägen damit technologische Prioritäten. Europäische (und deutsche) Narrative setzen dem oftmals Leitbilder von Verantwortung, Sicherheit und technologischer Souveränität entgegen, wirken jedoch bislang vorwiegend normativ-administrativ: Sie strukturieren Governance- und Förderlogiken, können aber nur begrenzte gesellschaftliche Resonanz oder ökonomische Dynamik entfalten. In der medialen und kulturellen Öffentlichkeit fehlen emotional anschlussfähige Erzählungen, was die Sichtbarkeit von QT beeinträchtigt und private Investitionen und die Begeisterung junger Talente hemmt.

Gleichzeitig entstehen Weak Signals neuer Narrative an den Schnittstellen von QT mit KI, Biologie oder Brain-Computer-Interfaces („QT+x“). Diese emergenten Deutungsmuster, häufig aus außereuropäischen Kontexten, können zukünftige Forschungs-, Markt- und Talententwicklungen prägen. Deutschland und Europa reagieren bislang nicht systematisch auf diese Dynamiken. Daraus ergibt sich die zentrale Herausforderung des Projekts: Wie können Deutschland und Europa narrative Souveränität im Feld der QT gewinnen, also die Fähigkeit, gesellschaftlich anschlussfähige und Governance-relevante Zukunftsbilder eigenständig zu entwickeln, kritisch zu reflektieren und in Forschung, Förderung und kulturelle Praktiken zu überführen?

Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt Q-Narrative, gefördert durch das BMFTR im Rahmen von „INSIGHT II – Interdisziplinäre Perspektiven auf disruptive Innovationen“, zwei miteinander verbundene Hauptziele:

  1. Analyse: Kartierung, Analyse und Bewertung der Wirkungslogik bestehender und sich entwickelnder Narrative in den Quantentechnologien und angrenzenden Feldern. Aufbauend auf der hermeneutischen Technikfolgenabschätzung werden Narrative als Frühformen gesellschaftlicher Technikfolgen und Frühindikatoren möglicher Innovationsdynamiken verstanden. Ziel ist die Entwicklung hermeneutischer Kriterien und Indikatoren, mit denen gesellschaftliche Anschlussfähigkeit, Governance-Relevanz und Innovationswirksamkeit bewertet werden können.
  2. Gestaltung: Entwicklung gesellschaftlich anschlussfähiger europäischer Zukunftsnarrative für die Quantentechnologien, die Motivation, Verantwortung und Innovationsdynamik verbinden. In partizipativen und künstlerischen Formaten werden Narrative entworfen und reflektiert, die europäische Leitbilder konkretisieren und in wissenschaftliche, politische und öffentliche Diskurse eingebracht werden. Ziel sind alternative europäische Zukunftsnarrative („European Quantum Futures“), die technologische Entwicklung, gesellschaftliche Werte und innovationspolitische Perspektiven miteinander verbinden.

Das Projekt schlägt damit eine Brücke zwischen wissenschaftlich-technischer Erkenntnis, politischer Steuerung und kultureller Sinnbildung. Es wird ein Beitrag zur vorausschauenden Innovationspolitik und zur langfristigen Stärkung narrativer und technologischer Souveränität Deutschlands und Europas in einem Bereich disruptiver Technologien geleistet.

Kontakt

Adrian Schmidt, M.Sc.
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-23004
E-Mail