Handlungswirksamkeit erfahren – Das Verhältnis von Individuum und System in der transformativen Nachhaltigkeitsforschung
- Projektteam:
Steinbrügge, Franziska (Dissertation)
- Starttermin:
2021
- Endtermin:
2027
- Forschungsgruppe:
Projektbeschreibung
Die transformative Nachhaltigkeitswissenschaft zielt darauf ab, wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftlichem Wandel zu verknüpfen, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Die Rolle von Individuen in diesem Forschungsfeld wurde bisher jedoch nur unzureichend untersucht. Aspekte wie Agency, also die Handlungswirksamkeit von Akteuren, finden zwar zunehmend Beachtung, doch die individuelle Ebene wird oft nur am Rande thematisiert. Die kumulative Dissertation soll diese Forschungslücke schließen und verfolgt dabei drei zentrale Forschungsziele:
- Analyse der Beziehung zwischen individueller und systemischer Ebene in Transformationstheorien wie z. B. der Multi-Level-Perspektive oder Resilienzansätzen und Synthese soziologischer und philosophischer Theorien, die dieses Verhältnis konzeptualisieren.
- Untersuchung der Rolle von Individuen und deren Erfahrungen in transformativen Forschungskontexten, insbesondere in Reallaboren und -experimenten.
- Darstellung, dass und wie transformative Forschungsformate Räume schaffen können, in denen individuelle Handlungswirksamkeit erlebt wird, um so zu einer nachhaltigen Transformation beizutragen.
Basierend auf einer Literaturanalyse werden Agency-Aspekte und deren Verhältnis zur systemischen Ebene in Transformationskonzepten und ‑theorien der Nachhaltigkeitsforschung untersucht. Diese theoretischen Grundlagen dienen als Rahmen für die empirischen Untersuchungen im Fallbeispiel des Reallabors „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“. Zwischen 2020 und 2023 wurden in Lüneburg 15 Experimente in Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft und Leuphana Universität Lüneburg umgesetzt. Unter anderem wurden Beratungsstellen für Wohnprojekte oder ehrenamtliche Initiativen geschaffen, Begegnungsorte in der Innenstadt gestaltet und lokale Lieferdienste per Lastenrad eingeführt. Die Veränderungen infolge dieser temporären Transformationen wurden dokumentiert und die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in Förderprogramme, Forschungsvorhaben und das Stadtentwicklungskonzept der Hansestadt ein.
Bei der Evaluation dieses Reallabors wurde unter anderem die Rolle von beteiligten Individuen und deren Erfahrungen untersucht und in Zusammenhang mit den Ergebnissen und Wirkungen des Labors und der Realexperimente betrachtet. Dafür wurden semistrukturierte Interviews mit beteiligten Praxispartner*innen, Wissenschaftler*innen, Student*innen und Verwaltungsangestellten geführt, um deren Rollen und Erfahrungen festzuhalten. Darüber hinaus wurde eine Prä-Post-Umfrage unter Studierenden der Leuphana Universität Lüneburg durchgeführt, um herauszufinden, ob Projektseminare mit Bezug zum Reallabor mehr Wirksamkeitserfahrungen ermöglichten als Projektseminare ohne Reallaborbezug. Die Experimente wurden in strukturierten Fallberichten aufbereitet. Darauf aufbauend werden nun Zusammenhänge zwischen den Eigenschaften und Wirkungen der Experimente mittels einer Qualitative Comparative Analysis (QCA) untersucht.
Diese Dissertation legt den Schwerpunkt auf das Individuum und beleuchtet dessen Rolle und Handeln in Nachhaltigkeitsprozessen, um zu einem besseren Verständnis von Transformationen beizutragen. Der Fokus auf das Erleben von Handlungswirksamkeit liefert praktische Hinweise für die Gestaltung von Reallaboren und anderen transformativen Forschungssettings, die aktive Beteiligung und Wirksamkeit von Individuen fördern sollen. Die Dissertation leistet somit einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Transformationskonzepten wie auch zur praktischen Gestaltung nachhaltiger Transformationsprozesse. Sie zeigt, wie Reallabore als Rahmen dienen können, der die Voraussetzungen für individuelle und systemische Veränderungen schafft – und damit sinnvolle Nachhaltigkeitstransformationen ermöglicht.
Administrative Daten
| Referent: | Prof. Dr. Daniel J. Lang |
| Korreferent: | Prof.in Dr.in Paula Maria Bögel (Universität Vechta) |
| Doktoranden bei ITAS: | siehe Promovieren am ITAS |
Kontakt
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
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