Wenn Technik Gefühle versteht

Neue Technologien können immer besser erkennen, wie wir uns fühlen, und darauf reagieren. Im Projekt ShiftAffect untersuchen Forschende des ITAS, was das für unseren Alltag, unsere Gesundheit und unser Verständnis von Emotionen bedeutet.
Frau schaut auf ihr Handy ChatGPT
Keine rein menschliche Domäne mehr: neue Technologien erschließen sich das Gefühlsleben ihrer Nutzerinnen und Nutzer. (Quelle: Chat GPT)

Das Erkennen von Affekten und Emotionen gilt als zutiefst menschliche Fähigkeit. Doch was, wenn auch Technik erkennen kann, ob wir traurig, gestresst oder überfordert sind – und darauf auch noch regieren soll? Diese Entwicklungen werden derzeit immer realistischer. Möglich wird dies durch Affective Computing, eine Technologie, die mittels künstlicher Intelligenz versucht, emotionale Zustände auf Basis von Daten zu erschließen. Anwendungen dieser neuen Technik analysieren etwa Gesichtsausdrücke, Stimme oder Verhalten und versuchen, daraus abzuleiten, wie es Menschen geht. Andere Anwendungen unterstützen dabei, mit Angst, Schmerz oder Belastung umzugehen.

Was passiert, wenn Emotionen mess- und steuerbar werden?

Das eröffnet neue Möglichkeiten: etwa für medizinische Anwendungen, die in emotionale Prozesse eingreifen, um Depressionen und chronische Schmerzen zu therapieren, oder im Alltag, wenn sich Menschen via Smartphone in Echtzeit selbst beobachten. Gleichzeitig wirft dies wichtige Fragen auf. Wer bestimmt, was als „normal“ oder „auffällig“ gilt? Was passiert, wenn Maschinen Gefühle anders bewerten als wir selbst? Und wie verändert sich unser Umgang mit Emotionen, wenn sie zunehmend als messbar und steuerbar verstanden werden?

Hier setzt das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Forschungsprojekt ShiftAffect an. Es untersucht, wie Technologien, die auf Auswertung emotionaler Zustände trainiert sind, in unserem Alltag eingesetzt werden und welche Auswirkungen sich daraus ergeben können. Dabei kommen nicht nur Forschende zu Wort, sondern auch Menschen, die solche Technologien entwickeln oder nutzen.

Gemeinsame Entwicklung von Zukunftsszenarien

Das Projektteam am ITAS bringt die unterschiedlichen Perspektiven gezielt zusammen. In Interviews und Workshops werden Entwicklerinnen, Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich und Betroffene einbezogen. Gemeinsam entwickeln sie dabei denkbare Zukunftsszenarien, um mögliche Anwendungen und deren Folgen systematisch zu durchdenken.

Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis zu entwickeln, wie diese Technologien in konkreten Lebenssituationen wirken und welche gesellschaftlichen Folgen sich daraus ergeben. Dabei helfen sollen auch Podcasts, Kurzvideos und eine interaktive Ausstellung zum Abschluss des Projekts. (22.04.2026)

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