ITAS-Kolloquium 2021

  • Veranstaltungsart:

    Vortragsreihe

  • Tagungsort:

    ITAS, Karlstr. 11, 76133 Karlsruhe

  • Datum:

    2021

  • Das Kolloquium findet in Raum 418 statt.

Montag, 21. Juni 2021, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Marianne Boenink / Radboud university medical center, Nijmegen

Valuing innovation: epistemological and methodological challenges for RRI

Responsible Research & Innovation, regardless of how it is defined, is supposed to be value-driven. To ensure the responsible development of an emerging technology, then, it should be clear which values are relevant to the projected innovation at hand. Methods to identify these values often suppose that values are stable entities. As Kudina and I have argued, however (Journal of Responsible Innovation, 2020), this assumption ignores the dynamic character of values. In our view, valuing is a process and ‘values’ relevant to an innovation are actually (re-)constructed during the RRI process. In this presentation I will first set out this view and then discuss its methodological implications for practicing RRI.

Der Vortrag wird nur ONLINE stattfinden, nicht vor Ort im ITAS. Wer Interesse an dem Online-Vortrag hat, meldet sich bitte bei Meike Hebich.

Montag, 31. Mai 2021, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben / TU Berlin, Fachgebiet Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in der Elektronik

Transdisziplinär zur nachhaltigen Elektronik? Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Technikforschung zwischen allen Stühlen

Kaum jemand zweifelt noch daran, dass der Weg in nachhaltige Produktions- und Konsumsysteme auch im vermeintlich harten Technologiebereich nur mittels transdisziplinärer Zusammenarbeit gestaltet werden kann. Innovative und nachhaltige Produkte und Verfahrensweisen allein treiben keinen sozial-ökologischen Wandel, dazu ist eine Beteiligung und Befähigung aller Beteiligten an der Wertschöpfung notwendig. Doch der Weg zum Ziel ist steinig: Interdisziplinäre Übersetzungsprobleme, Interessens- und Zielkonflikte und der erforderliche zeitliche, kognitive und organisatorische Mehraufwand sind nur einige der Herausforderungen transdisziplinärer Zusammenarbeit.

Sozialwissenschaftliche Technikforschung kann hier relevante Beiträge leisten, indem sie einerseits eine ganzheitliche Perspektive auf soziotechnische Systeme beisteuert, die die Erforderlichkeit transdisziplinärer Integration und Kollaboration immer wieder vor Augen führt. Anderseits kann sie Prozesswissen zur Transformation von Produktions- und Konsumsystemen beitragen, von der Ebene sozialer Praktiken bis hin zu Wertschöpfungsnetzwerken und übergreifenden Technologie- und Innovationspolitiken. Doch transformations-orientierte sozialwissenschaftliche Technikforschung agiert bisweilen zwischen allen Stühlen: Von den vermeintlich „objektiven“ Ingenieurswissenschaften manchmal nicht ernst genug genommen, scheitern ganzheitlich-systemische Perspektiven nicht zuletzt an der Pfadabhängigkeit und Pragmatik der politischen oder wirtschaftlichen Realität. Der Beitrag zeigt anhand praktischer Projektbeispiele und Erfahrungen der Vortragenden die Potentiale und Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Beteiligung an Forschung für nachhaltige Elektronik.

Donnerstag, 22. April 2021, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Jens Beckert / Max-Planck-Institut für Gesellschaftsförderung

Imagined Futures and Capitalist Dynamics

In a capitalist system, consumers, investors, and corporations orient their activities toward a future that contains opportunities and risks. How do actors assess the future if this future is open and uncertain? In the talk I attempt to add a new chapter to the theory of capitalism by demonstrating how fictional expectations drive modern economies-or throw them into crisis when the imagined futures fail to materialize. Collectively held images of how the future will unfold are critical because they free economic actors from paralyzing doubt, enabling them to commit resources and coordinate decisions even if those expectations prove inaccurate. Since they are not confined to empirical reality, fictional expectations are a source of creativity in the economy. The talk is based on my book "Imagined Futures. Fictional Expectations and Capitalist Dynamics" (HUP 2016).

Montag, 22. März 2021, 14:00 Uhr

Prof. Dr.-Ing. Christian Berg / TU Clausth, Institut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik (IFAD)

Ist Nachhaltigkeit utopisch? – Grundgedanken des aktuellen Club of Rome-Berichts als Beitrag zur Diskussion um eine systemische Transformation

Fast dreißig Jahre nachdem die Weltgemeinschaft sich erstmals darauf verständigt hat, sind wir vom Ziel einer nachhaltigen Entwicklung immer noch weit entfernt. Daran ändern auch die SDGs nichts. Denn mit den SDGs gehen nicht nur Zielkonflikte einher, sie beantworten auch nicht die Frage, wie nachhaltigeres Handeln konkret unterstützt werden kann. Der Vortrag schlägt angesichts dessen eine Doppelstrategie vor: in systemischer Hinsicht eine umfassende Analyse der „Barrieren der Nachhaltigkeit“ (sozusagen „top-down“), verbunden mit je konkreten Lösungsperspektiven zu deren Überwindung. In Bezug auf die Akteure hingegen konkrete Handlungsprinzipien, die für die Akteure Komplexität reduzieren, an überlieferte Traditionen anknüpfen und den Phasenübergang zu einer nachhaltigeren Gesellschaft „bottom up“ unterstützen.

Montag, 08. Februar 2021, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Elif Özmen / Institut für Philosophie - Uni Giessen - Praktische Philosophie

Ist der Transhumanismus ein Humanismus? Über die Grenzen einer „negativen Anthropologie“

Der Vortrag nimmt die ethische Debatte über die Manipulation und Modifikation der menschlichen Natur (Human Enhancement) zum Ausgangpunkt, um die Grundlagen, aber auch die Grenzen des transhumanistischen Programms zu reflektieren.

Zu den Grundlagen gehört eine „negative Anthropologie“. Die menschliche Natur wird als normativ „leer“ interpretiert; insbesondere ließen sich aus ihr keine Gründe ableiten, die natürlichen / naturgegebenen Merkmale und Fähigkeiten des Menschen zu bewahren. Daher befürwortet der Transhumanismus eine Post-Humanität, eine Überwindung der negativ beurteilten menschlichen Begrenzungen, aber gerade keinen Post- bzw. Anti-Humanismus im Sinne einer Umwertung aller Werte. Im Gegenteil, es geht ihm nach seinem eigenen Verständnis um die Präzisierung und Weiterentwicklung einer dezidiert humanistischen Agenda.

Eben hier liegen aber auch die Grenzen des Transhumanismus. Seinen Optimismus bezüglich der rationalen und moralischen Fähigkeiten des Menschen, solche transformativen Eingriffe in das Humanum normativ anzuleiten, kann er mit Bezug auf sein leeres Menschenbild gar nicht aufrechterhalten. Die Ethik des Transhumanismus läuft wortwörtlich ins Leere einer negativen Anthropologie.