Behinderung, Voreingenommenheit und inklusives Design in der künstlichen Intelligenz
- Projektteam:
Mital, Arjita (Dissertation)
- Förderung:
Karlsruhe House of Young Scientists (KHYS)
- Starttermin:
2023
- Endtermin:
2026
- Forschungsgruppe:
Projektbeschreibung
Fortschritte in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) haben auch Auswirkungen auf Menschen mit Behinderung – sowohl direkt, als potenzielle Nutzer von KI-/ML-Produkten, als auch indirekt in Form der umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen, die diese Technologien mit sich bringen. Trotz der rasanten Weiterentwicklung der Forschung zu KI und natürlicher Sprachverarbeitung ist die Darstellung von Menschen mit Behinderung in KI-Systemen nach wie vor weitgehend unerforscht, obwohl Menschen mit Behinderung mindestens 12,5 % der Weltbevölkerung ausmachen.
Obwohl KI-Technologien das Potenzial haben, in vielen Lebensbereichen inklusivere Umgebungen zu schaffen, können sie auch bestehende Vorurteile widerspiegeln und verstärken. KI-bedingte Benachteiligungen können Menschen mit Behinderung auf ganz konkrete Weise betreffen. So erkennen sprachgesteuerte Systeme beispielsweise häufig Eingaben von Nutzern mit Sprachbehinderung nicht. Gängige Ansätze zur Fairness in der KI reichen nicht aus, um diesen Schäden entgegenzuwirken. Sie befassen sich in der Regel jeweils nur mit einer marginalisierten Gruppe, stützen sich auf klar definierte Merkmalskategorien und betrachten Marginalisierung im Verhältnis zu bestimmten angenommenen Zielen (z. B. in Arbeitsverhältnissen). Dies führt zu Standards, die in vielen Lebensbereichen ungerecht sind.
Um diese Diskrepanzen zu überbrücken, bedarf es eines Ansatzes, der über technische Lösungen hinausgeht und Behinderung als strukturelles und intersektionales Phänomen betrachtet. Daher untersucht dieses Promotionsprojekt gezielt die ableistische Voreingenommenheit in großen Sprachmodellen (large language models, LLMs) aus einer interdisziplinären Perspektive, die TA, Mensch-Computer-Interaktion (human-computer interaction, HCI) und Behindertenstudien miteinander verbindet. Die Dissertation verbindet dabei empirische Untersuchungen mit konzeptioneller Entwicklung und hinterfragt, wie Behinderung in KI-Systemen und Benchmarking-Praktiken dargestellt wird, wie Menschen mit Behinderungen diese Systeme in der Praxis erleben und wie die Methodik der TA durch die Auseinandersetzung mit inklusivem Design und Behindertenforschung bereichert werden kann.
Das Projekt zielt darauf ab, die Chancen und Risiken der KI in die wissenschaftlichen Ansätze der Behindertenforschung zu integrieren. Dabei sollen technodeterministische Sichtweisen überwunden und konzeptionelle Perspektiven für KI-basierte Technologien entwickelt werden, die das Leben von Menschen mit Behinderungen wirklich unterstützen und verbessern können, wobei die Vielfalt der Erfahrungen mit Behinderung in den Mittelpunkt gestellt wird.
Administrative Daten
| Referent: | Prof. Dr. Armin Grunwald |
| Korreferent: | Dr. Linda Nierling |
| Doktoranden bei ITAS: | siehe Promovieren am ITAS |
Kontakt
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe
Tel.: 0721 608-26813
E-Mail
