Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

MOTRA-TM – Technologiemonitoring im Rahmen des Verbundprojektes „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“

  • Projektteam:

    Kusche, Isabel (Projektleitung); Christian Büscher, Alexandros Gazos, Julia Hahn, Miltos Ladikas, Tim Röller, Constanze Scherz

  • Förderung:

    Bundesministerium für Bildung und Forschung über das Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit

  • Starttermin:

    2019

  • Endtermin:

    2024

  • Projektpartner:

    Bundeskriminalamt, Wiesbaden; Berghof Foundation, Berlin; German Institute of Global and Area Studies (GIGA), Hamburg; Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, LMU München; Kriminologische Zentralstelle Wiesbaden; Lehrstuhl für Kriminologie an der Universität Hamburg; Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

  • Forschungsgruppe:

    Soziotechnische Zukünfte und Policies

Projektbeschreibung

Neue Technologien erweitern, insbesondere im Kontext der Digitalisierung, die Möglichkeiten, extremistisches Gedankengut zu verbreiten, können die Vernetzung extremistischer Akteure erleichtern und Radikalisierungsprozesse bis hin zu Gewalttaten fördern. Gleichzeitig schaffen sie aber auch für die Sicherheitsbehörden, die solche Gewalttaten verhindern wollen, neue Möglichkeiten der Kontrolle und Überwachung.

Der vom BMBF geförderte Forschungsverbund MOTRA zielt auf die Prävention und Bekämpfung gewaltaffiner Radikalisierung. Ziel des Gesamtvorhabens ist, Radikalisierungsprozesse zu analysieren, staatliche und nichtstaatliche Akteure miteinander zu vernetzen und die praktische Präventionsarbeit in Deutschland zu stärken.

In diesem Rahmen hat das vom ITAS verantwortete Teilprojekt Technologiemonitoring das Ziel, Entwicklungspotenziale und -trends neuer Technologien im Hinblick auf gewaltaffine Radikalisierungsprozesse und deren Bekämpfung abzuschätzen. Zum einen geht es darum, die Identifikation und Einordnung neuer Technologien zu erleichtern, die solche Radikalisierungsprozesse befeuern oder eindämmen können. Zum anderen werden sowohl Folgen extremistischer Vernetzung für Schutzgüter als auch gesellschaftliche Nebenfolgen und ethische Aspekte von technologiebasierten Präventionsmöglichkeiten in den Blick genommen.

Die Dimensionen des Technologiemonitorings analysiert das Projekt als Konstellation von System-Umwelt-Beziehungen, in der staatliche und nichtstaatliche Akteure mit unterschiedlichen Problemen umgehen müssen und dabei gegebenenfalls auf Technologien zurückgreifen.

Für die Sicherheitsbehörden ist das Problem der Beobachtung sich radikalisierender Akteure zentral, um extremistische Radikalisierungen und Gewalttaten verhindern zu können. Mögliche Lösungen dieses Problems werfen hinsichtlich gesamtgesellschaftlicher Folgen aber schnell rechtliche und ethische Fragen auf, nicht zuletzt, weil Radikalisierung nicht automatisch in Extremismus und Gewaltbereitschaft mündet.

Für extremistische Akteure ist das Problem des Schutzes von Kommunikation vor Beobachtung zentral. Im Falle der Verbreitung extremistischen Gedankenguts geht es ihnen darum, ihre Identität vor Entdeckung zu schützen, im Falle einer gemeinschaftlichen Planung von Gewalttaten darüber hinaus auch den Inhalt ihrer Kommunikation. Sofern solchen Akteuren, gegebenenfalls gestützt auf Technologien, Angriffe auf vulnerable Schutzgüter gelingen, können ihre Aktivitäten massive gesamtgesellschaftliche Folgen haben.

Diese Konzeption der Akteurskonstellation erlaubt es, für das Technologiemonitoring Anleihen bei der Innovationsforschung zu machen und in einem ersten Schritt Bedarfe der verschiedenen Akteure zu identifizieren, auf die neue Technologien möglicherweise eine Antwort bieten. Dabei werden verschiedene Grade von Neuheit unterschieden, die vom nicht-bestimmungsgemäßen Gebrauch einer vorhandenen Technologie über die Rekombination mehrerer Technologen bis hin zu genuin neuen Technologien reichen. Auf dieser Grundlage und unter Verwendung verschiedener Wissensquellen (Literatur, Internetdokumente, Datenbestände und Forschungsergebnisse anderer Partner des Verbundprojektes, Expertengespräche und -workshops) wird das Projekt Relevanzkriterien und Bewertungsschemata entwickeln, um ein Monitoring relevanter Technologien umzusetzen.

Kontakt

PD Dr. Isabel Kusche
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22549
E-Mail