FutureBioCity – Zusammenhänge zwischen der Baumartenvielfalt und strukturellen Diversität städtischer Wälder und dem menschlichen Wohlbefinden sowie der öffentlichen Gesundheit

Projektbeschreibung

Großstadtlärm, Hitze, grauer Beton, Stress. Nur wenige Meter weiter: Ruhe, frische Luft, grüne Blätter, Erholung. Diese Gegenüberstellung zeigt, dass städtische und stadtnahe Wälder für unser Wohlergehen und unsere Gesundheit von großer Bedeutung sind. Insbesondere während der COVID-19-Pandemie haben wir erkannt, welche Rolle städtische Wälder und Parks als kritische Infrastruktur für unsere physische und mentale Gesundheit und den Stressabbau spielen. Sie waren Treffpunkt, dienten als Ort zum Sporttreiben und zur Erholung, um dem Alltag zu entfliehen. Besonders in Städten sind diese für uns so wichtigen Orte aber durch den Klimawandel, Krankheiten und zunehmende Verstädterung bedroht. Eine Erhöhung der Baumartenvielfalt und der Biodiversität städtischer Grünflächen könnte eine Möglichkeit sein, sich an Klimaveränderungen und Extremwetterereignisse anzupassen. Aber wie wirkt sich diese Umgestaltung auf unser Wohlbefinden, die öffentliche Gesundheit und unseren Umgang mit städtischen Wäldern aus? Wie reagiert unser Gehirn auf städtische Wälder mit unterschiedlichem Grad an Diversität? Welchen Einfluss hat die Zusammensetzung der Baumarten und die Biodiversität in der Stadt auf deren Fähigkeit, Hitze zu mindern? Und welche negativen Auswirkungen, wie beispielsweise ein erhöhtes Allergierisiko, könnten mit einer Umgestaltung des städtischen Waldes einhergehen? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns im inter- und transdisziplinären Projekt FutureBioCity unter der Leitung der Forschungsgruppe Sylvanus des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT gemeinsam mit der Freien Universität Berlin, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim und dem Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe als Praxispartner.

Das neue Projekt zielt darauf ab, unsere allgemeine Arbeitshypothese – mehr Baumartenvielfalt kann die öffentliche Gesundheit und das menschliche Wohlbefinden in Städten verbessern – kritisch zu bewerten. Eine Vorstudie in vier interdisziplinären Arbeitspaketen zu den Auswirkungen von Biodiversität im Stadtwald auf das menschliche Wohlergehen erlaubt es uns, ein umfassendes Bild der geschilderten Problematik zu erlangen. Die Synthese der Ergebnisse ermöglicht uns so die Identifizierung disziplinübergreifender Fragestellungen, die in weitergehende Forschungsprojekte einfließen werden.

In der Forschungsgruppe Sylvanus am ITAS wollen wir untersuchen

  1. wie Stadtbewohner*innen städtische Wälder im Hinblick auf kulturelle Ökosystemleistungen wahrnehmen und nutzen;
  2. was Stadtbewohner*innen und Interessenvertreter*innen über den Einfluss der ökologischen Vielfalt auf die öffentliche Gesundheit denken;
  3. wie die Vielfalt der städtischen Wälder die Luft- und Oberflächentemperatur in Städten beeinflusst.

Dazu sollen eine kartenbasierte Umfrage und qualitative Interviews zur Rolle der Zusammensetzung und Struktur bestehender städtischer Wälder für die Bereitstellung kultureller Ökosystemleistungen durchgeführt werden. Es wird untersucht, wie sich die Umwandlung des bestehenden städtischen Waldes in artenreichere und strukturell vielfältigere städtische Wälder auf das Angebot kultureller Ökosystemleistungen und die Wahrnehmung durch die Bevölkerung auswirken würde. Dabei sollen unterschiedliche Meinungen der Öffentlichkeit und vielfältiger Interessengruppen zur Erhöhung der Artenvielfalt in städtischen Wäldern und deren Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit aufgegriffen werden.

Um den Einfluss der Straßenbaumbedeckung, der Diversität und der Baumgröße auf die Oberflächen- und Lufttemperatur zu bestimmen, werden wir bereits vorhandene Daten aus den Jahren 2019 und 2020 zur Oberflächen- und Lufttemperatur in der Stadt Karlsruhe nutzen. Diese Daten werden mit digitalen Zwillingsmodellen der Straßenbäume von Greehill verbunden. So können wir den Einfluss der Waldstruktur und -zusammensetzung entlang der Messrouten auf die Luft- und Oberflächentemperatur bestimmen.

Kontakt

Dr. rer. nat. Somidh Saha
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-24644
E-Mail