Nachhaltig wirken: Reallabore in der Transformation

  • type of event:

    Tagung

  • place:

    Südwerk Bürgerzentrum Südstadt, Henriette-Obermüller-Straße 10, 76137 Karlsruhe

  • date:

    02.06.22 - 03.06.22

Tagung „Nachhaltig wirken: Reallabore in der Transformation“

Poster "Nachhaltig wirken"

Der Call für Beiträge ist geöffnet.

Ihre Beiträge können Sie bis zum 15. März hier einreichen. Ausführlich Informationen finden Sie hier im Call.

Nach knapp 10 Jahren Reallabor-Forschung, -Praxis1 und -Diskurs soll die Tagung einen Zwischenstand abbilden („Wo stehen wir heute mit den Reallaboren?“) sowie aktuelle, drängende konzeptionelle, methodische wie ganz praktische Fragen aufwerfen und in unterschiedlichen Formaten beleuchten. Dabei ist es uns ein Anliegen, dass sowohl die Perspektiven und Erfahrungen der Wissenschaft als auch der Praxis in der Tagung Ausdruck finden.

Unsere Gesellschaften stehen am Anfang multipler und tiefgreifender Wandlungsprozesse. Im Zentrum steht dabei die „Große Transformation“2 unserer Lebens- und Wirtschaftsweisen: der umfassende und programmatische Umbau hin zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Gesellschaft. Diese Transformation unterscheidet sich von anderen3 darin, dass sie in höherem Maße intendiert ist, bewusst herbeigeführt wird und buchstäblich not-wendig erscheint. Bis dato ist diese Transformation allerdings eine ins Ungewisse: Zukünftige Zustände, auch im Rahmen erwünschter nachhaltiger Entwicklungen, sind – bei aller Vorausschau und Planung – in vielerlei Hinsicht offen und der Tiefe der zu erfolgenden Änderungen sowie der Komplexität unserer (globalen, globalisierten) Gesellschaft nach in Teilen kaum abseh- oder überhaupt vorstellbar. Die ersehnte Geschwindigkeit der Transformation trifft allenthalben auf Hürden, seien dies Bestandsschutz, Partikularinteressen, Kapazitätsgrenzen, Zielkonflikte oder auch Egoismen oder Angst vor Veränderung. Hinzu kommt, dass die Eigenzeiten organisatorischer, gesellschaftlicher und kultureller Wandlungsprozesse die Dringlichkeit der Transformation konterkarieren (s. Klimakrise). Wurden im Zuge der Nachhaltigkeitsforschung (-politiken und -praktiken) der letzten Jahrzehnte durchaus Schritte unternommen und fundiertes System-, Ziel- und Handlungswissen erarbeitet, so bleibt die methodische Frage: „Wie (gut) transformieren?“ im Konkreten, in der Praxis dann oft noch unbeantwortet. 

Reallabore, die im Kontext transformativer Nachhaltigkeitsforschung entstanden sind, zielen in ihrer originären Intention als Einrichtungen, Orte und Werkzeuge einer Nachhaltigkeitstransformation darauf ab, diesen tiefgreifenden Wandel konkret, vor Ort und ganz praktisch zu unterstützen – und zu beschleunigen. Wesentlicher Ansatzpunkt ist dabei, Wissenschaft und Praxis in transdisziplinären Settings und transformativen Prozessen eng miteinander zu verknüpfen. Die Wissenschaft, bzw. Forscherinnen begeben sich dabei selbst in Wandlungsprozesse, sind an diesen beteiligt. Praxisakteure setzen derweil Themen und forschen aktiv mit, so dass bestenfalls beide Akteure von den Ergebnissen profitieren.

An der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft operiert auch das Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel (KAT). Im Austausch mit dem Netzwerke Reallabore der Nachhaltigkeit organisiert es die Tagung. Aufbauend auf den Erfahrungen, Kompetenzen und Strukturen des Reallabors Quartier Zukunft – Labor Stadt ist das KAT eines der weltweit ersten seiner Art. Als Motor für zukunftsfähige Entwicklungen gestaltet, erforscht und begleitet das KAT die Transformation hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit.

Rahmen und Programm

Die zweitägige Tagung im Karlsruher „Südwerk“ wird – je nach Anzahl und Ausrichtung der eingereichten Beiträge – in etwa fünf parallelen Strängen entlang der Themenfelder organisiert und stellt zu diesen Angebote für Forscher und Praktikerinnen bereit. Neben klassisch diskursiven Konferenzformaten (Vorträge, Sessions) soll es Workshops zur Vertiefung von Themen oder auch zur Erarbeitung von Produkten geben. Ein „Transformationsatelier“ zeigt als ständige Ausstellung und Begegnungsort Spannendes und Buntes aus den Reallaboren. Und im Begleitprogramm können Aktionen und freie Formate rund um Transformation aus Kunst, Kultur oder Kontemplation im Südwerk und auf dem Außengelände stattfinden. Bei Bedarf kann dort auch das „MobiLab“ (Mobile Partizipationslabor) des KAT genutzt werden.

Die Tagung startet am Vormittag des 2. Juni mit einem Vorprogramm für Reallabor-Einsteiger und Interessierte mit Kennenlern- und Schulungsformaten. Eine Podiumsdiskussion wird die Tagung thematisch eröffnen. Zwischendurch und abends wird die Gründung des Karlsruher Transformationszentrums (coronabedingt physisch nach-)gefeiert. Im Anschluss an die Tagung findet am Nachmittag des 3. Juni das Netzwerktreffen „Reallabore der Nachhaltigkeit“ statt, zu dem Sie herzlich eingeladen sind.

Geplant ist eine Publikation ausgewählter Beiträge im Nachgang der Tagung.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Tagungswebseite.

 

Themenfelder

Die Tagung richtet sich an Forscherinnen und Praktiker, an Stadt- und Regionalentwicklerinnen, Transformateure, Visionäre und Interessierte und wird in mehreren parallelen Sessions folgende Themenfelder abbilden:

  1. Reallabor-Konzepte und Forschung
  2. Innovation und Aktion für Transformation
  3. Experimentierräume eröffnen und offen halten
  4. Bildung, Lernen und Lehre
  5. Verständigung und Vernetzung
  6. Reflexion, Kontemplation und innere Kultur der Nachhaltigkeit

Die Themenstränge sind sowohl offen für theoretische Erörterungen als auch für Berichte und Präsentationen aus der Reallaborpraxis und aus ähnlichen transdisziplinären Unternehmungen. Näheres zu den einzelnen Themenfeldern finden Sie hier. Bitte ordnen Sie Ihre Beiträge einem der Themenfelder zu (Wir behalten uns vor, Ihren Beitrag ggf. einem anderen Feld zuzuordnen.) 

1 Das Protoreallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ (www.quartierzukunft.de) eröffnete 2012 in Karlsruhe.
2 WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) (2011): Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation. Berlin.
3 vgl. z.B. Polanyi, K. (1944): The great transformation. New York/Toronto.