Von Digitalisierung bis Beteiligung: Empfehlungen für Gestaltung der Stromnetze
Die Energiewende verändert das Stromsystem grundlegend. Der zunehmende Anteil erneuerbarer Energien, neue Verbrauchsformen – etwa durch Elektromobilität und Wärmepumpen – sowie wachsende Anforderungen an Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit erfordern Veränderungen. Dies umfasst nicht nur die Technik, sondern auch die regulatorischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund haben die Forschenden des Projekts ENSURE zehn thematische Handlungsempfehlungen erarbeitet, die Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Stromnetzes in allen drei Bereichen bieten.
Flexiblere und digitalisierte Netze als Ziel
Ein Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der Netze. Die Forschenden empfehlen, die Erfassung des Netzzustands sowie die digitale Vernetzung zügig auszubauen. „Wir brauchen aber eine konsistente Datengrundlage, die wir auch intelligent nutzen. Das würde uns nicht nur helfen, Netze effizienter zu betreiben und damit Kosten zu sparen, es wäre auch die Voraussetzung, Erneuerbare besser zu integrieren“, erklärt Janine Gondolf, ENSURE-Projektleiterin am ITAS.
Zugleich betonen die Forschenden die Bedeutung eines flexiblen Stromsystems. Durch die gezielte Aktivierung und Koordination von Speicherlösungen, flexiblem Verbrauch oder steuerbarer Erzeugung lassen sich beispielsweise Netzengpässe reduzieren, Lastspitzen vermeiden und vorhandene Infrastrukturen effizienter nutzen. Hierzu gehöre auch, Verbraucher aktiv einzubeziehen. „Bürgerinnen und Bürger können einen großen Beitrag zur Flexibilisierung leisten, etwa wenn wir Ihnen beispielsweise ermöglichen, dynamische Tarife zu nutzen oder PV-Strom in einem Mehrfamilienhaus zu teilen“, so Gondolf.
Beteiligung vieler Akteure notwendig
Entsprechend unterstreichen die ENSURE-Handlungsempfehlung die Bedeutung einer partizipativen Prozessgestaltung. Die Energiewende ist eine Herausforderung, die auch bei den Stromnetzen die Beteiligung vieler Akteure erfordert. Geeignete Beteiligungs- und Dialogformate seien nötig, um Wissen zusammenzuführen, gemeinsames Handeln zu fördern und vor Ort tragfähige Lösungen für die notwendige Umsetzung zu entwickeln, so die Forschenden.
Die zehn Handlungsempfehlungen zeigen Wege zu einem nachhaltigen, resilienten und zukunftsfähigen Stromsystem auf. Gleichzeitig weisen sie nach, dass die Energiewende nur durch die Kombination vieler einzelner innovativer Lösungen, konsistenter Regulierungen und der konsequenten Einbindung aller Akteure im gesamten System gelingen kann. (10.2026)
Weiterführende Informationen:
- Die zehn Handlungsempfehlungen von ENSURE
- ITAS-Projektseite Neue EnergieNetzStruktURen für die Energiewende (ENSURE)
- Überblick zu den Kopernikus-Projekten des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

