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Governance zwischen Wissenschaft und öffentlichem Protest. ITAS-Arbeitspaket in der Forschungsplattform ENTRIA ("Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe")

Governance zwischen Wissenschaft und öffentlichem Protest. ITAS-Arbeitspaket in der Forschungsplattform ENTRIA ("Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe")
Projektteam:

Hocke, Peter (Projektleitung); Sophie Kuppler, Armin Grunwald, Elske Bechthold, Melanie Mbah, Nele Wulf

Förderung:BMBF
Starttermin:2013
Endtermin:2017
Projektpartner:Niedersächsische Technische Hochschule, FU Berlin, Universität Kiel, Risicare
Forschungsbereich:Wissensgesellschaft und Wissenspolitik

Projektbeschreibung

Die Auseinandersetzung um Fragen der nuklearen Entsorgung in Deutschland wird nicht nur durch unterschiedliche Perspektiven der politischen Parteien und die Auseinandersetzung zwischen der Antiatomkraftbewegung und der offiziellen Politik bestimmt. Auch Dissens unter Experten gehört bei einigen grundsätzlichen Fragen zur nuklearen Entsorgung zu den Merkmalen der fachpolitischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Gerade für die Wärme entwickelnden bzw. hochradioaktiven Abfälle fällt auf, dass die standortunabhängige interdisziplinäre Forschung noch bemerkenswerte Lücken hat. An dieser Stelle setzt das Projekt ENTRIA an, das vom BMBF gefördert wird und bei dem das ITAS eines der zentralen nichttechnischen Module verantwortet.

Das Akronym ENTRIA steht für „Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe. Interdisziplinäre Analysen und Entwicklung von Bewertungsgrundlagen.“ Das Projekt ist als „Forschungsplattform“ ausgelegt. D.h. neben der originären Forschung sind Dialog und Information der interessierten Öffentlichkeit von besonderer Bedeutung (www.entria.de). Das ENTRIA-Memorandum (2014) stellt die zentralen Spannungsfelder vor, die nach Ansicht der Forschungsplattform ENTRIA bei der Entsorgung radioaktiver Reststoffe besondere Aufmerksamkeit verdienen. (https://www.entria.de/fileadmin/entria/Dokumente/ENTRIA_Memorandum_140430.pdf)

ITAS bearbeitet selbstständig das Arbeitspaket 2.1 mit dem Titel „Governance zwischen Wissenschaft und öffentlichem Protest“. Dieses Arbeitspaket beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Expertise, öffentlichem Protest und Regierungshandeln. Dabei werden insbesondere die Konfliktlinien der damit verknüpften Entscheidungslagen und die Herausforderungen für die Suche nach einer robusten Entscheidung untersucht.

Gleichzeitig leitet ITAS das Transversalprojekt „Technikfolgenabschätzung und Governance“. In diesem Transversalprojekt werden neben Kernaspekten moderner Nuklearpolitik einerseits Themen moderner Wissenspolitik und Entscheidungsfindung unter Bedingungen unterschiedlicher Konfliktstrukturen und Entscheidungsblockaden bearbeitet. Andererseits werden auch Fragen der Umsetzung dieser Entwicklungen unter Bedingungen moderner Verwaltung und Regulierung diskutiert. Die „Nebenfolgen“-Diskussion ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung.

 

 

Die Dissertation von Nele Wulf (Arbeitstitel: „Die schwedische Endlagersuche: Zur Kommunikation von Wissen und Nichtwissen“) untersucht Nichtwissen und seine Kommunikation unter Bezugnahme auf das schwedische Endlagerungskonzept (KBS-3) und dessen Entwicklung im Spannungsfeld unterschiedlicher Akteure und Wissensperspektiven. Der Einschätzung folgend, dass der Umgang mit Nichtwissen für politische Entscheidungen immer bedeutsamer wird, liegt ein weiterer Fokus auf der Rolle der politischen Öffentlichkeit im Prozess der Entwicklung des schwedischen Endlagerungskonzepts.

Fragen des internationalen Vergleichs stehen im Zentrum einer Kooperation mit der FU Berlin (Leitung: Prof. Miranda Schreurs) [Arbeitspaket 2.2]. New Nuclear Governance und Randbedingungen für zivil hochwertige Problemlösungen, die Bürger und Stakeholder in fairen Verfahren angemessen berücksichtigen, stehen im Mittelpunkt des Vergleichs. Das ITAS-Team konzentriert sich dabei auf die Schweiz und Schweden, das Berliner Team wird eine größere Zahl weiterer Staaten (wie z.B. Japan) analysieren.

Weiterhin kooperiert ITAS mit

  • Prof. Konrad Ott und Team (Universität Kiel, Philosophisches Seminar, Lehrstuhl für Philosophie und Ethik der Umwelt)
  • Dr. Anne Eckhard und Team (RISICARE, Zollikerberg / Schweiz)
  • Prof. Edmund Brandt und Team (TU Braunschweig, Institut für Rechtswissenschaften, Lehrstuhl Staats- und Verwaltungsrecht sowie Verwaltungswissenschaften)
  • Prof. Klaus-Jürgen Röhlig und Team (TU Clausthal, Institut für Endlagerforschung, Lehrstuhl für Endlagersysteme)
  • Prof. Clemens Walther und Team (Leiter Institut für Radioökologie und Strahlenschutz, Leibniz-Universität Hannover)

und den weiteren Teams der Forschungsplattform.

Keywords

  • Governance
  • Expertenhandeln und Expertenkommunikation
  • Politikfeldanalyse
  • Massenmedien und Öffentlichkeit
  • Technikfolgenabschätzung
  • Sozialwissenschaftliche Endlager-Forschung

Aktuelles

Konferenz „Interdisciplinary Research on Radioactive Waste Management: Ethics - Society - Technology“

Mit einer fünftägigen internationalen Konferenz (26.-30.09.2017) stellt die Forschungsplattform ENTRIA die Ergebnisse ihrer über fünf Jahre angelegten interdisziplinären Zusammenarbeit vor.

ENTRIA-Weltkarte

Fact-sheet zu Schweiz und Schweden von ITAS-Mitarbeiterinnen Sophie Kuppler und Nele Wulf für die ENTRIA-Weltkarte entwickelt und überarbeitet. Zur aktuellen ENTRIA-Weltkarte: http://www.ibmb.tu-braunschweig.de/entria-weltkarte/

Workshop „Technical Monitoring and Long-term Governance 2016“

Die geplante Rückholbarkeit hochradioaktiver Abfälle aus einem tiefengeologischen Endlager stellt Wissenschaft und Gesellschaft vor erhebliche Herausforderungen. Neben dem technischen Monitoring, das über Jahrzehnte bis zu mehreren Jahrhunderten zuverlässige Messdaten liefern soll, bedarf es gesellschaftlicher Institutionen, die diese Daten interpretieren und auf einer geregelten Grundlage eine Entscheidung treffen können muss. Diese Entscheidung kann zum Beispiel sein, dass Abfälle zurückgeholt werden müssen. Auf dem zweitägigen interdisziplinären ENTRIA-Workshop widmeten sich 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus technischen und nicht-technischen Fachgebieten dieser Problemstellung. Weitgehende Einigkeit bestand darüber, dass die Ausgestaltung der Long-term Governance in einem „lernenden Prozess“ erfolgen muss, da angesichts zahlreicher Ungewissheiten wie u.a. die gesellschaftlich-politische Entwicklung in den nächsten Jahrhunderten Vorfestlegungen nur begrenzt möglich sind. Erfahrungen mit der Langzeit-Problematik aus den USA sowie mit Monitoring-Überlegungen anderer europäischer Länder bereicherten die Diskussion. Die Keynotes hielten Daniel Metlay (Senior Professional Staff of the US Nuclear Waste Technical Review Board) und Anne Bergmans (Universität Antwerpen).

weitere Informationen

Veranstaltungsinformation und Präsentationen

Foliensätze zu den Arbeitspaketen und Teilprojekten

Vorarbeiten

Ausgewählte Literatur

hier

In den Medien

Publikationen

Kontakt

Dr. Peter Hocke
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-26893
E-Mail