Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

Soziotechnische Zukünfte als sozio-epistemische Praktiken. Eine Analysematrix für die Technikfolgenabschätzung

Projektbeschreibung

In Prozessen der Technologieentwicklung, Innovation und Transformation spielen soziotechnische Zukünfte (z. B. in Form von Imaginaries, Visionen, Szenarien, Prototypen) eine zunehmend wichtige Rolle für die Orientierung von Kommunikation, Entscheidungen und Handlungen in Wissenschaft und Gesellschaft. Doch wie lässt sich diese Wirkmächtigkeit der Zukünfte in den Prozessen analysieren, bewerten und für die Governance der Prozesse mitgestalten?

Das grundfinanzierte Fokusprojekt entwickelt Konzepte und Methoden des Vision Assessment in systematischer Form weiter. Es schließt an die Forschungen des Projekts „Leitbilder und Visionen als sozio-epistemische Praktiken“ an und ist ein wesentlicher Bestandteil der konzeptionellen und methodologischen Grundlagenforschung des ITAS zu hermeneutischer TA und Vision Assessment von Technikzukünften.

Schwerpunkt der Forschung ist der systematische Ausbau der Vision-Assessment-Methodologie mit dem Ziel der Entwicklung einer Analysematrix für die Technikfolgenabschätzung (TA) und verwandte Forschungen der Science & Technology Studies (STS). Diese Matrix soll sich für die Analyse, Bewertung und Gestaltung unterschiedlichster Formen, Kontexte und Prozessdynamiken soziotechnischer Zukünfte anwenden lassen. Der im vorausgehenden Projekt etablierte analytische Forschungsfokus des Vision Assessment auf Visionen als sozio-epistemische Praktiken bildet den Ausgangspunkt. Dieser ermöglicht es, die soziale und epistemische Funktionalität und Wirkmächtigkeit von Zukünften in Innovations- und Transformationsprozessen empirisch-sozialwissenschaftlich zu analysieren und zu beurteilen. Die Forschungen verknüpfen damit Perspektiven der hermeneutischen TA mit STS-Perspektiven auf die Gestaltung von Wissenschaft und Gesellschaft durch gegenwärtige Zukünfte.

Im Projekt „Soziotechnische Zukünfte als sozio-epistemische Praktiken“ werden neben Theorie- und Methodenentwicklungen empirische Mikrofallstudien zu soziotechnischen Zukünften in unterschiedlichsten Themenfeldern (z. B. Mobilität, Energie, Digitalisierung) in Kooperation mit Forschenden aus verschiedenen Forschungsgruppen des ITAS sowie externen Partnern durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studien werden im weiteren Schritt zur empirischen Grundlage für die Entwicklung einer Analysematrix. Diese Analysematrix würde in TA-Projekten, sowohl im wie auch außerhalb des ITAS, eine methodische Handreichung bieten.

Die methodische und konzeptionelle Grundlagenforschung ermöglicht die Identifikation und Antizipation der gegenwärtigen Anzeichen und Möglichkeiten soziotechnischer Veränderungen in den jeweils untersuchten Konstellationen (z. B. Agenden der Wissenschafts- und Forschungspolitik, massenmediale, politische und wirtschaftliche Aufmerksamkeitsökonomien, Allianzen zwischen Innovatoren, Verbänden, NGOs und Zivilgesellschaft) eines Innovations- und Transformationsprozesses. Die auf diesem Wege generierten Erfahrungen und Wissen werden zur Grundlage für die Beratung über und Gestaltung von soziotechnischen Zukünften in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Der Analysefokus impliziert und ermöglicht darüber hinaus die Reflexion der TA über ihre eigene wissenspolitische Rolle in sozio-epistemischen Praktiken.

Projektphasen:

  1. Mikrofallstudien (z.B. zu Zukünften der Mobilität, Energie, Digitalisierung) und Entwicklung eines Prototyps der Analysematrix (1/2020-10/2021)
  2. Validierung und Optimierung des Prototyps und Fertigstellung der Analysematrix (11/2021-12/2022)

Kontakt

PD Dr. Andreas Lösch
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22505
E-Mail