Home | english  | Sitemap | Impressum | KIT

Leitbilder und Visionen als sozio-epistemische Praktiken - Theoretische Fundierung und praktische Anwendung des Vision Assessment in der Technikfolgenabschätzung

Leitbilder und Visionen als sozio-epistemische Praktiken - Theoretische Fundierung und praktische Anwendung des Vision Assessment in der Technikfolgenabschätzung
Projektteam:

Lösch, Andreas (Projektleitung); Knud Böhle; Christopher Coenen; Arianna Ferrari; Reinhard Heil; Martin Sand; Christoph Schneider; Philipp Frey

Starttermin:

2014

Endtermin:

2017

Forschungsbereich:

Innovationsprozesse und Technikfolgen sowie Wissensgesellschaft und Wissenspolitik

Projektbeschreibung

Die Erzeugung, Beeinflussung und Instrumentalisierung soziotechnischer Leitbilder und Visionen erweist sich zunehmend als ein wichtiges Element in Innovations- und Transformationsprozessen sowie der Governance solcher Prozesse. Dies gilt besonders für neue und emergierende Technologien (NEST) sowie für die Transformationen großer etablierter soziotechnischer Systeme. Die Genese, Funktionen und Wirkungen der Leitbilder und Visionen in den Prozessen bleiben jedoch häufig im Dunklen. Analytisch hat die Technikfolgenabschätzung (TA) darauf mit „Vision Assessment“ geantwortet. Doch offen bleibt in der Regel die Frage, wie sich durch ein Vision Assessment Wissen erzeugen lässt, das dann im Rahmen von TA beratungsrelevant werden kann.

Bislang hat sich das Vision Assessment auf die Analyse und Bewertung von Vorstellungs- und Medieninhalten konzentriert. Für die Analyse und Bewertung von Leitbildern und Visionen als konstitutiven Elementen in komplexen und vielschichtigen Innovations- und Transformationsprozessen reicht diese Sichtweise nicht aus. Theoretisches Ziel des Projekts ist es deshalb, die vorliegenden Positionen zum Vision Assessment in der TA und in den Science & Technology Studies (STS) (z.B. Grunwald; Jasanoff; Nordmann; van Lente; von Gleich) zu einem mehrdimensionalen theoretischen Konzept weiterzuentwickeln, das in der Praxis der TA anwendbar ist. Dieses Konzept begreift Leitbilder und Visionen als „sozio-epistemische Praktiken“. Mit ihm soll die Wechselseitigkeit von sozialen Prozessen und Wissensordnungen analytisch zugänglich werden. Leitbilder und Visionen werden somit als konstitutive Elemente in Diskursen und Praktiken begreifbar, die Kommunikationsprozesse, Handlungen und sachtechnische Hervorbringungen gleichermaßen ermöglichen und verändern.

Der analytische Blick auf Leitbilder und Visionen als sozio-epistemische Praktiken ist auch die Voraussetzung für die Beurteilung von Praktiken der bewussten Generierung und des strategischen Einsatzes von Leitbildern und Visionen in den NEST, Technowissenschaften und großen soziotechnischen Transformationen, auch als „Visioneering“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird auch die Beteiligung der TA an Prozessen der Gestaltung von Visionen reflektiert. Auch das Vision Assessment der TA ist Teil der zu untersuchenden sozio-epistemischer Praktiken. Zwar geht es dieser Praxis darum, Leitbilder und Visionen zu analysieren und zu bewerten, aber diese Praxis verändert (möglicherweise) selbst die Leitbilder und Visionen und modifiziert ihre Wirkungen im politischen System bzw. der politischen Öffentlichkeit. Praktisches Ziel ist es deshalb ein in Bezug auf seine Kontexte und Wirkungen reflektiertes Vision Assessment zu entwickeln, das sich in den unterschiedlichen Beratungskontexten der TA einsetzen lässt.

Daraus leiten sich vier Forschungsschwerpunkte ab:

  1. Die Entwicklung des theoretischen Konzepts von Leitbildern und Visionen als sozio-epistemische Praktiken;
  2. Fallspezifische Differenzierungen des Konzept für spezifische Innovations- und Transformationsprozesse und Typenbildung im Vergleich ausgewählter Beispiele, z.B. Robotik, synthetische Biologie, Human- und Animal-Enhancement, in-Vitro-Fleisch, Nanotechnologie, Big Data, SmartGrid/Energiesystem und Open Design;
  3. Anwendung des Konzeptes auf Praktiken des „Visioneering“;
  4. Entwicklung eines Anforderungsprofils an Vision Assessments für die Beratungskontexte der TA.

Zugehörige Promotionsprojekte

Ausgewählte Publikationen vor 2014

Publikationsliste: PDF

Publikationen ab 2014

Kontakt

PD Dr. Andreas Lösch
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22505
E-Mail