Home | english  | Sitemap | Impressum | Datenschutz | KIT

Die Facetten der Openness-Vision und ihre gesellschaftlichen Folgen. Eine diskurslinguistische Analyse des Open-Source-Konzeptes

Die Facetten der Openness-Vision und ihre gesellschaftlichen Folgen. Eine diskurslinguistische Analyse des Open-Source-Konzeptes
Projektteam:

Dobroc, Paulina (Dissertation)

Förderung:

Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung

Starttermin:

2016

Endtermin:

2020

Forschungsbereich:

Wissensgesellschaft und Wissenspolitik

Projektbeschreibung

Der Technikjournalist Glyn Moody merkt in seinem Artikel für das Open Source Jahrbuch an:

„Durch die allseits bekannten Erfolge freier Software beeinflussen[…] jetzt auch allmählich die artverwandten Formen des Open Access, Open Data, Open Content etc. das öffentliche Bewusstsein. […] Dabei verliert man jedoch das große Ganze aus den Augen, denn durch die gemeinsamen Anstrengungen aller dieser Bewegungen entsteht ein riesiges, vollkommen neues Digital Commons des Wissens“ (Moody 2008: 299).

Moody spricht an der Stelle ein bedeutendes Phänomen an: die Durchdringung verschiedener Lebensbereiche der Gesellschaft durch die Ideen der Free-/Open Source Software (F/OSS) und die gegenseitige Beeinflussung der F/OSS und der anderen Open Source-Konzepte. Ursprünglich war Openness eine Vision der IT-Community. Mittlerweile scheint sie sich in unterschiedlichste Branchen und Lebensbereiche der Gesellschaft auszubreiten.

Basierend auf einer diskurslinguistischen Untersuchung setzt sich das Dissertationsvorhaben mit dem Free/Open Source-Diskurs (F/OSS-Diskurs) und seiner Openness-Vision (die Zukunftsgesellschaft wird partizipativ, kollaborativ und transparent) auseinander. Im Dissertationsprojekt wird angenommen, dass Visionen „einen ‚Erwartungshorizont‘ [eröffnen], der je nach Perspektive ihrer Rezipienten unterschiedlich ausgedeutet werden kann“ (Lösch 2014: 23). Eine Vision kann einerseits innovationsfördernd wirken, aber andererseits können durch ihre Veränderung unerwünschte Folgen (Risiken) entstehen. Die Openness-Vision treibt die Technikentwicklung voran. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Folgen es hat, wenn verschiedene Interessensgruppen auf die Vision Einfluss nehmen und diese verändern. Ist sie danach immer noch innovationsfördernd oder wird sie zu einem Risiko für die Technikentwicklung und für die Gesellschaft? Diese Folgen sind „Diskursrisiken“ (vgl. Lösch/Müller 2014: 4-9). Sie sind Folgen von Diskursdynamiken.

Im Mittelpunkt des Dissertationsvorhabens steht die Frage, auf welchem Wege die Openness-Vision die Gesellschaft beeinflusst und welche Rolle die Perspektivierung unterschiedlicher Interessensgruppen im Diskurs spielt. Es wird davon ausgegangen, dass der Austausch zwischen unterschiedlichen DiskursteilnehmerInnen zu Veränderungen in dem ursprünglichen OS-Konzept führen kann. Eine im Rahmen des Projekts zu überprüfende Hypothese besagt, dass die Openness-Vision das Medium in Kommunikationsprozessen zwischen DiskursteilnehmerInnen ist und diese Kommunikation vorantreibt.

Die sprachorientierte Untersuchung soll das Aufzeigen des Einflusses der Openness-Vision auf die Gesellschaft ermöglichen. Es soll weiter zur Aufklärung der Akteure über die Vielfalt der Open-Domänen, ihre Differenzen und Gemeinsamkeiten und über die Relevanz der Heterogenität beitragen. Es sollen Risiken aufgezeigt werden, die sich daraus ergeben könnten, dass durch die Kommunikation veränderte Interpretationen der ursprünglichen Idee in die Gesetzgebung einfließen, dass übertriebene Erwartungen an OS-Konzepte gestellt werden oder dass die Konzepte in den Teildiskursen modifiziert werden.

Neben dem inhalts- und gegenstandsbezogenen Ziel verfolgt die Dissertation auch theoretisch-methodische Ziele: die Rolle der Sprachwissenschaften (unter Einbeziehung der Kultursemiotik) in Bezug auf sozialrelevante Themen zu diskutieren sowie die Position der sprachorientierten Forschung (wie der Diskurslinguistik) im Rahmen eines interdisziplinären Projektes im Bereich der Future Studies zu reflektieren. Nicht zuletzt wird in der Dissertation die sozialwissenschaftliche Visionen-Analyse am Beispiel erprobt und weiterentwickelt werden, unter der Einbeziehung der sprachwissenschaftlichen und kultursemiotischen Theorien. Vor diesem Hintergrund sollen Visionen neu definiert werden.

Administrative Daten

Referent: PD Andreas Lösch
Koreferent: Prof. Annette Leßmöllmann
Bezugnehmende Projekte: Leitbilder und Visionen als sozio-epistemische Praktiken
Doktoranden bei ITAS: siehe Promovieren am ITAS

Kontakt

Pauline Dobroc, M.A.
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-28090
E-Mail