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Konzepte und Maßnahmen zum Umgang mit sozio-technischen Herausforderungen bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle (SOTEC-radio)

Konzepte und Maßnahmen zum Umgang mit sozio-technischen Herausforderungen bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle (SOTEC-radio)
Projektteam:

Kuppler, Sophie (Projektleitung), Peter Hocke, Elske Bechthold (Projektassistenz)

Förderung:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Starttermin:

2017

Endtermin:

2020

Projektpartner:

Öko-Institut e.V., Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) der FU Berlin

Forschungsbereich:

Wissensgesellschaft und Wissenspolitik

Projektbeschreibung

Wie soll die Standortsuche, der Bau und Betrieb eines Endlagers insbesondere für hochradioaktive Abfälle ausgestaltet werden? Wie wird die langfristige Zwischenlagerung organisiert, die bis zum Bau eines solchen Endlagers erforderlich ist? Zur Beantwortung dieser Fragen leistet der naturwissenschaftlich-technische Sachverstand wesentliche Beiträge. Daneben braucht man jedoch zur Vorbereitung und Realisierung von Maßnahmen zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle auch sozialwissenschaftliche Erkenntnisse, z.B. über die sozialen Dynamiken bei der Standortauswahl.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass eine erfolgreiche Standortauswahl nicht nur eine Fortschreibung des naturwissenschaftlich-technischen Wissens, sondern auch die Berücksichtigung und den konstruktiven Umgang mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Erwartungen erfordert. Forschungen zeigen außerdem, dass Wechselwirkungen zwischen den technischen und sozialen Faktoren bestehen. Die Entsorgung radioaktiver Abfälle stellt vor diesem Hintergrund eine soziotechnische Aufgabe dar, die über die bekannten disziplinären Forschungsgrenzen hinweg adressiert und analysiert werden muss. Forschungsbedarf wurde zu folgenden Fragen identifiziert:

  • Wie wirken in Entscheidungsprozessen Technik und Gesellschaft zusammen?
  • Wie beeinflussen politische, rechtliche und soziale Rahmenbedingungen die für die Endlagerung ausgewählten Technologien bzw. Endlagerkonzepte?
  • Inwieweit werden Möglichkeiten eröffnet und Instrumente angeboten, damit betroffene wie interessierte Akteure sich an den technischen Debatten und Entscheidungen beteiligen können?
  • Wie können die für politische und gesellschaftliche Dynamiken und Prozesse relevanten Zeiträume Berücksichtigung finden?

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wird diesen Fragen nachgegangen. Dazu wird untersucht, wie soziotechnische Wechselwirkungen hinsichtlich der Endlagerung und der Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle zu identifizieren sind und vor allem wie diese erfasst, beschrieben und bewertet werden können.

Das Forschungsvorhaben verfolgt drei Hauptziele:

  1. Systematisierung
    Entwicklung und Fortschreibung eines differenzierten und systematisierten Verständnisses soziotechnischer Zusammenhänge und Herausforderungen bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle
  2. Konzeptentwicklung
    Entwicklung wissenschaftlicher Konzepte für die Analyse der soziotechnischen Herausforderungen
  3. Handlungsoptionen
    Entwicklung von Handlungsoptionen, mit denen die soziotechnischen Herausforderungen in Governance- und Management-Strukturen aufgegriffen werden können

Außerdem werden folgende weiterführende Ziele verfolgt:

  1. Beitrag zum Kompetenzerhalt und -entwicklung in der Wissenschaft/Endlagerforschung (Austausch mit interessierter Öffentlichkeit und Politik)
  2. Nachwuchsförderung im Hinblick auf die Langfristigkeit von F&E-Kapazitäten: durch Lehre, PhD-Kolloquien, Summer/Winter Schools etc.
  3. Ausbau und Pflege internationaler Kooperationen entlang der Entsorgungsproblematik
  4. Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die Politik.

Die Arbeitshypothesen lauten:

  1. Im Umgang mit radioaktiven Abfällen wird der Endlagerung eine verlängerte Zwischenlagerung vorgeschaltet. Dies führt zu neuen gesellschaftlichen Konflikten.
  2. Aufgrund der prozessualen Dauer sowie möglicher Änderungen der Entsorgungspolitik und -konzepte, die durch technische und soziale Einflüsse getrieben sind, sowie daraus resultierender Unsicherheiten müssen Institutionen geschaffen werden, die beständig und robust wie gleichermaßen flexibel ausgestaltet sind.
  3. Je zügiger mit konkreten Arbeitsschritten zum Umgang mit radioaktiven Abfällen begonnen wird, desto vorteilhafter ist dies in wissenschaftlich-technischer, politischer, wirtschaftlicher wie sozialer Hinsicht.

Das ITAS befasst sich in einem eigenen Arbeitspaket mit Fragen zu Planungs- und Langzeitprozessen („Long-term Governance“). Im Zentrum des Interesses steht die Herausforderung, zukünftige Entwicklungen und Handlungserfordernisse in heutigen Planungsprozessen mitzudenken. Dies ist angesichts der sehr langen Zeiträume notwendig, die vergehen, bis ein Endlager verschlossen wird. Vor diesem Hintergrund muss die Stabilität zukünftiger Institutionen so gut wie möglich vorbereitet werden, d. h. es muss verhindert werden, dass beispielsweise durch heutige Wissensverluste zukünftiges Handeln erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Das ITAS befasst sich mit Fragen, wie:

  • Welche Randbedingungen gelten für die Stabilität von Institutionen?
  • Wie kann gesellschaftliche und politische Handlungsfähigkeit auch in Zukunft sichergestellt werden?

Zu diesem Zweck werden bestehende Konzepte für und Erfahrungen mit Langzeit-Monitoring und Governance gesichtet. Basierend auf Literatur, Experteninterviews und den Ergebnissen zweier vom ITAS organisierter Fokusgruppen werden außerdem Schlussfolgerungen für Planungen zum Umgang mit sozio-technischen Herausforderungen auf sicherheitstechnischer, wissenschaftlich-administrativer und institutioneller Ebene abgeleitet.

Erste Vorarbeiten zum Thema „Long-term Governance“ wurden im Rahmen des Projekts „Governance zwischen Wissenschaft und öffentlichem Protest. ITAS-Arbeitspaket in der Forschungsplattform ENTRIA“durchgeführt: Workshop zu „Technical Monitoring and Long-term Governance

Workshop „Das Soziotechnische in der Endlagerung“, 27.02.2018

Wenn technische Großanlagen installiert werden sollen, treffen oft technische Lösungen und sozialer Widerspruch konflikthaft aufeinander. Wie dieses Zusammenwirken sozialer und technischer Prozesse wissenschaftlich zu verstehen ist, wird auf einem Workshop zum Thema nukleare Entsorgung in Frankfurt/Main besprochen. Am Dienstag, 27.02.2018 von 10:30 – 16:30 Uhr laden wir Sie zusammen mit dem Projekt SOTEC-radio daher zu einem Workshop zum Thema „Das Soziotechnische in der Endlagerung“ ein. Das Programm finden Sie hier. Wir freuen uns, dass wir

  • Dr. habil. Monika Müller vom Nationalen Begleitgremium,
  • Prof. Dr. Michael Stauffacher von der ETH Zürich,
  • Dr. Michael Mehnert, Autor von endlagerdialog.de

als Diskutanten gewinnen konnten.

Um Anmeldung per E-Mail an b.schulda∂oeko.de bis zum 24.01.2018 wird gebeten.

Der Workshop findet statt im Mainhaus Stadthotel, Lange Straße 26, 60311 Frankfurt/Main

Wir freuen uns auf spannende Diskussionen mit Ihnen.

Veröffentlichung

Kuppler, S.; Hocke, P.
"Enabling" public participation in a social conflict. The role of long-term planning in nuclear waste governance. In: Scherz, C.; Michalek, T.; Hennen, L.; Hebáková, L.; Hahn, J.; Seitz, S.B. (Hrsg.): The next horizon of technology assessment. Proceedings from the PACITA 2015 Conference in Berlin. Prag, Tschechien: Technology Centre ASCR 2015, S. 121-125

Kontakt

Dr. Sophie Kuppler
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-28007
E-Mail