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Wissensgesellschaft und Wissenspolitik

Wissen, Beraten, Entscheiden – entlang dieser Kerndimensionen hat sich Technikfolgenabschätzung (TA) profiliert und institutionalisiert. In allen drei Dimensionen werden jedoch zunehmend gesellschaftliche Wandlungsprozesse sichtbar, die deren Charakter, Relevanz und Zusammenspiel verändern. Der Forschungsbereich „Wissensgesellschaft und Wissenspolitik“ sieht in den Folgen dieses Wandels das übergreifende Referenzproblem. Deshalb macht er die Veränderungen in den Kerndimensionen zum Gegenstand seiner Forschungen.

Wissen

Wissen – und damit auch Nichtwissen – sind zentrale Determinanten sozialen Handelns: Welches Wissen wird bei der Entwicklung und Zulassung neuer Technologien berücksichtigt? Welche Selektionsprozesse wirken bei der Entscheidung für oder gegen technologische Entwicklungen in Politik oder Wirtschaft? Erwartungen an die Wissenschaft, eindeutige und zweifelsfreie Lösungsvorschläge im Hinblick auf relevante gesellschaftliche Fragen anzubieten, können aufgrund komplexer sozialer Kontexte vielfach nicht befriedigt werden: Wie lässt sich etwa ein Endlager für nukleare Abfälle realisieren, wenn sich selbst Expertinnen und Experten über angemessene Lösungen uneins sind? Welchen Einfluss hat das Wissenschaftssystem angesichts der zunehmenden Konkurrenz von Weltdeutungen beispielsweise im Internet? Welche Bedeutung kommt dem Erfahrungswissen von Pflegepersonal beim Design und Einsatz von Pflegerobotern zu? Die Konstruktion der verschiedenen Wissensarten, die Produktion von Evidenz sowie deren Relevanz für Beraten und Entscheiden werden deshalb systematisch untersucht.

Beraten

Die Beratung von Politik und Öffentlichkeit wird besonders dann nachgefragt, wenn technisch induzierte soziale Probleme auftreten. Der Forschungsbereich untersucht dabei sowohl die gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien – wie Big Data, Smart Grids, Pflegeroboter oder Nanotechnologie – als auch nach wie vor ungelöste Fragen etablierter Technologien, etwa bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Die Form politikberatenden Orientierungswissens verändert sich und erfordert eine zielgruppenspezifische Ausformulierung. Beratungsprozesse unterliegen u.a. aus diesem Grund einem erheblichen Wandel. Deshalb ist zu fragen: Wie verändern sich die Formen politischer Beratung in Zeiten politisch gewollter und wissensbasierter Transformationsprozesse, wie der Energiewende oder den Auswirkungen der Vision Industrie 4.0? Welche Bedeutung kommt technologischen Zukunftsvisionen in Beratungsprozessen zu? Wie verändert sich Beratung durch die Pluralisierung ihrer Adressaten, die sich nicht nur an Parlamente sondern auch an Stakeholder sowie Bürgerinnen und Bürger richtet? Beratung findet i.d.R. zu den Themen statt, zu denen bereits Ergebnisse unabhängiger Forschung am ITAS vorliegen. Phänomene der Beratungspraxis werden offengelegt und Beratungsmethoden reflektiert.

Entscheiden

Technologiepolitische Entscheidungen folgen mehr oder minder anerkannten, institutionalisierten Verfahren. Gleichwohl unterliegen Entscheidungsprozesse vielschichtigen Veränderungen: Organisationen wie etwa die WTO schaffen globale Standards, Bürgerinnen und Bürger fordern direktere Beteiligungsverfahren und die Wirtschaft delegiert Entscheidungen zunehmend mehr an standardisierte digitale Verfahren und Computer. Die TA beobachtet dabei insbesondere, welche Entscheidungsprämissen hier jeweils zugrunde liegen. Der Forschungsbereich bewertet einerseits potenzielle Folgen möglicher Entscheidungen, z.B. im Hinblick auf die Dezentralisierung der Energieversorgung oder der algorithmischen Verarbeitung komplexer Daten. Andererseits richtet er sein Interesse auf das Spektrum von Entscheidungsoptionen und zeigt alternative Wege des Entscheidens auf.