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Projekt Elektronisches Buch (PEB)

Projekt Elektronisches Buch (PEB)
Projektteam:

Böhle, Knud (Projektleitung); Monika Mäule; Ulrich Riehm; Bernd Wingert

Förderung:

BMFT

Starttermin:

1989

Endtermin:

1991

Forschungsbereich:

Innovationsprozesse und Technikfolgen

Projektbeschreibung

Es gibt im Bereich des Elektronischen Publizierens viele Formen die Informations- und Kommunikationstechniken für Rationalisierungszwecke einzusetzen, aber wenige Ansatzpunkte für innovative Informationsangebote. Der Begriff „elektronisches Buch“ markiert eine Stoßrichtung für solche neuen Präsentations- und Rezeptionsformen.

Die Ziele, Fragestellungen und Schwerpunkte des Projektes haben sich im Laufe der Projektbearbeitung und im Lichte neuer Erkenntnisse modifiziert.

  1. Wie müssen die Inhalte für elektronische Bücher neu aufbereitet und strukturiert werden?
  2. Wie können die Präsentationsqualitäten konventioneller Bücher im elektronischen Buch bewahrt und bereichert werden, bzw. Verluste gering gehalten werden?
  3. Welche Nutzungsqualitäten kann das elektronische Buch über das konventionelle Buch hinaus bieten?

 

Arbeiten 1989 - 1991

Befragung von Lesern eines Forschungsberichts

Im September 1989 führten wir eine Befragung von 120 Personen durch, die den dritten Zwischenbericht „Endnutzer und Volltextdatenbanken“ aus dem Vorgängerprojekt PEP erhalten hatten. 83 Fragebogen konnten ausgewertet werden. Im Fragebogen wurde nach der Intensität und Selektivität des Berichtslesens sowie nach den benutzten und gewünschten Lesehilfen gefragt.

Nicht überraschend ist, dass der Bericht in seinen einzelnen Abschnitten und Kapiteln sehr selektiv wahrgenommen wurde (geringste Lesehäufigkeit eines Abschnitts 19 %, häufigste 52 %). Nur ganz wenige Leser (5 %) lasen den ganzen, die meisten (61 %) rund ein Viertel oder weniger des Berichts. Erstaunlich war dagegen, dass die vorhandenen Lesergruppen (z. B. Mediziner und Juristen) sich zwar für bestimmte Abschnitte jeweils besonders interessierten, dass die Überlappungen der gelesenen Abschnitte zwischen unterscheidbaren Lesergruppen aber immer noch so hoch waren, dass sich lesergruppenspezifische „Lesepfade“ daraus nicht konstruieren ließen. Bei den orientierenden Berichtsteilen wurden Inhaltsverzeichnisse von 82 % und zusammenfassende Berichtsteile besonders stark genutzt (52 % bis 72 %). Eine überraschend geringe Nutzung erfuhren dagegen Fußnoten (22 % der Befragten hatten sie beachtet), Abbildungen (18 %) und Querverweise (17 %).

Evaluation von Hypertexten

Seit dem Hypertextboom Ende der 80er Jahre kommen immer mehr Hypertextanwendungen auf den Markt. So wurden die Beiträge der ACM Hypertextkonferenz 1987 in den USA und einer Hypertextkonferenz 1988 in Großbritannien nicht nur in den gedruckten Proceedings, sondern auch in (unterschiedlichen) Hypertextsystemen dokumentiert. Im Auftrag unseres Projekts führte eine Gruppe um Frieder Nake (Universität Bremen) eine softwareergonomische Beurteilung und empirische Evaluation dieser Anwendungen durch. Welchen Gebrauchswert haben solche elektronischen Tagungsbände wirklich?

Im Experiment wurden Studierende der Informatik eine Reihe von Aufgaben (Fragen) zu den Inhalten der Tagungsberichte vorgegeben. Die Bearbeitung der Aufgaben mit Hilfe der Hypertexte wurde begleitend beobachtet. Als zusammenfassendes Ergebnis dieser umfassenden und detaillierten Untersuchung kann man festhalten, dass die vorliegenden Hypertexte für den Publikationstypus Tagungsband oder Aufsatzsammlung noch wenig geeignet waren. Gewissen Vorteilen bezüglich des gezielten Zugriffs stehen deutliche Nachteile bei der Rezeption der Texte am Bildschirm entgegen. Um den Gebrauchswert solcher elektronischer Hypertexte zu steigern, müsste u. a. deutlich mehr Aufwand in die inhaltliche Aufbereitung und Erschließung solcher elektronischer Textsammlungen gesteckt werden.

Während es sich bei der Evaluation von Tagungsbänden als Hypertexte um rein textorientierte Dokumente handelte, wurden in einem weiteren Evaluationsauftrag der Projektgruppe auch anders geartete Dokumenttypen mit einbezogen, die im Kontext von Hypertextanwendungen, Stichwort Hypermedia, immer wichtiger werden. Es handelte sich dabei u. a. um „The Election of 1912“, ein Hypertextinformationssystem zum Präsidentschaftswahlkampf in den USA von 1912 mit einem integrierten Simulationsspiel (Software Hypergate), um Begleitmaterialien und Interpretationshilfen zur Neunten Symphonie von Beethoven, wobei die abrufbaren Informationssegmente direkt an den jeweils laufenden Ton der Musik-CD gekoppelt waren („CD Companion - Beethoven Symphonie No. 9“, Software Hypercard) oder um die „Guinness Disk of Records“ (auf CD-ROM mit der Software Hypercard), eine multimediale, elektronische Ausgabe des bekannten „Guinness Book of Records“.

Der Auftrag wurde von M. Klein-Magar durchgeführt. Kriterien der Bewertung waren u. a. der Vergleich mit ähnlichen gedruckten Publikationen, die Anpassung an eine Nutzungskonzeption und allgemeine Benutzbarkeits- und Gestaltungskriterien. Es ergab sich eine Fülle von Hinweisen auf Mängel der untersuchten Systeme.

Prototypentwicklungen

Bei der Prototypentwicklung „elektronischer Bücher“ ging es uns darum, unterschiedliche Textarten und Nutzungskonzeptionen mit vorliegender Hypertextsoftware beispielhaft umzusetzen. Dabei war uns klar, dass man in realistische Nutzungssituationen mit solchen Anwendungen nur dann vorstoßen kann, wenn man insbesondere die Inhalte und die inhaltliche Aufbereitung der jeweiligen Prototypen ernst nimmt. Denn mit „schönen“ Computeroberflächen allein kann man zwar einen ersten guten Eindruck bei potentiell Interessierten erwecken, an die realistischen Bedingungen und Wirkungen der Nutzung kommt man aber nur über ein gebrauchsfertiges inhaltliches Angebot heran. Diese Einsicht hatte zur Konsequenz, dass wir nicht nur erheblichen Aufwand in die Konzeption, funktionale Gestaltung und das Bildschirmdesign der jeweiligen Prototypen stecken mussten, sondern ebenfalls in die hypertextgerechte Transformierung vorliegender Texte bzw. in deren Neuerstellung.

In den verschiedenen Phasen der Prototypentwicklung (typographisches und Bildschirmdesign, Programmierung, inhaltliche Aufbereitung) wurden externe Kräfte mit herangezogen.

 

Kooperationspartner und Auftragnehmer des Projekts

Softwareergonomische Gutachten zu Hypertexten:

Prof. Dr. F. Nake, D. Heinze und W. Oeltjen, Universität Bremen
M. Klein-Magar, Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Softwareentwicklung am Prototyp 1 „Elektronisches Buch“

J. Behling, Wissenschaftliche und technische Fachkommunikation, Trier OWL Inc., Edingburgh

Arbeiten am Prototyp 2 „multimediales Studiersystem“

Prof. K. Bessau, Fachhochschule für Gestaltung Mannheim (visuelles Design)
Ch. Haertwig, Universität Konstanz (Softwarearbeiten)
F. Krüger, Universität des Saarlandes, Saarbrücken (Softwarearbeiten)
R. Scheuchenpflug, Universität Regensburg (Softwarearbeiten und Evaluation)
Team Fidelitas, Karlsruhe (Softwarearbeiten)
Dr. U. Köhler, Universität Mannheim (inhaltlich-redaktionelle Arbeiten)
G. Frederichs, FZK, ITAS (inhaltlich-redaktionelle Arbeiten)
M. Rader, FZK, ITAS (inhaltlich-redaktionelle Arbeiten)

Verständigung über das Konzept "elektronisches Buch"

Es gibt im Bereich des Elektronischen Publizierens viele Formen die Informations- und Kommunikationstechniken für Rationalisierungszwecke einzusetzen, aber wenige Ansatzpunkte für innovative Informationsangebote. Der Begriff "elektronisches Buch" markiert eine Stoßrichtung für solche neuen Präsentations- und Rezeptionsformen.

Das Losungswort der Stunde heißt allerdings Hypertext. Es bedarf einer kurzen Klärung dieses Konzepts, um den Diskussionskontext, in dem unser Projekt steht, zu umreißen, und um vor dem Hintergrund verständlich zu machen, warum unser Projekt es mit dem spezifischeren Gegenstand "elektronisches Buch" zu tun hat.

Geht man bis 1945 zu Vannevar Bush (As we may think, in: Atlantic Monthly 176, 1945, S.101-108) zurück, so findet man dort die grundlegenden Ideen,

  • dass das menschliche Gedächtnis der Ergänzung durch externe Wissensspeicher bedarf,
  • dass dieser Wissensspeicher nicht (nur) sequentiell, d.h. alphabetisch oder numerisch, organisiert und zugreifbar sein darf, sondern - dem assoziativem Denken des Menschen gemäß über Verknüpfungen von Informationseinheiten zu Wissenszügen netzwerkartig strukturiert sein muss,
  • dass das gesamte relevante Wissen vom Schreibtisch aus zugänglich sein muss,
  • dass das gesamte aufgezeichnete Wissen handhabbar wird, wenn es individualisierbar ist, d.h. wenn der Nutzer des Informationssystems aktiv Verknüpfungen vornehmen und eigene Kommentare und Dokumente einbinden kann.

Während Bush dafür noch keine elektronische Lösung im Auge hatte, schwebte genau dies Ted Nelson, dem "Erfinder" der Parole Hypertext, in den sechziger Jahren vor (vgl. Nelson, Th.: Literary Machines, Swarthmore 1981). Das Konzept beinhaltet einen Entwurf künftiger Publikationssysteme, zu Ende gedacht nicht mehr und nicht weniger als die elektronische Neuorganisation des gesellschaftlichen Publikationssystems: Elektronisches Publizieren.

Günstige Massenspeicher, bes. optische Speichermedien, hohe Verarbeitungskapazitäten von Workstations und Mikrocomputern, graphische Bildschirme und direkt-manipulative Bedienoberflächen verschaffen dem Konzept seit kurzem einen ungeahnten Aufschwung. Die hinter dem Begriff Hypertext stehende Vision Elektronischen Publizierens tritt allerdings erst einmal in den Hintergrund und ist in der allgemeinen "Hypertextdiskussion" oft gar nicht mehr präsent. Was dominiert sind eine wachsende Zahl von Programmen für Workstations und PCs (HyperCard, Guide, HyperTies, Toolbook etc.) für begrenzte, lokale Anwendungen.

Der kleinste gemeinsame Nenner des Hypertextkonzepts, die Abkehr von sequentiellem Text und sequentiellem Lesen, oder positiv ausgedrückt die Integration verschiedener "Textportionen" über Verweismechanismen zu einem strukturierten Gesamt (wobei von einer "Textportion" am Bildschirm ausgehend, weitere "Textportionen", auf die verwiesen wird, abgerufen werden können), bleibt jedoch erhalten.

Um ein Beispiel zu geben: Im Inhaltsverzeichnis des elektronischen Dokuments könnte der Leser (mit Hilfe einer Maus) eine Überschrift anklicken, um zu dem entsprechenden Kapitel zu springen; in dem Kapitel könnten Fremdwörter angeklickt werden und in einem Bildschirmfenster erschiene sodann die Erklärung; von einer Länderbezeichnung könnte zu einer Landkarte gesprungen werden; Orte auf der Landkarte könnten wieder angeklickt werden und zugehöriger Text würde erscheinen; von einer Fußnote könnte zur dort zitierten Quelle gesprungen werden, etc.

Wenn es nicht nur um Textformate, sondern um die Integration verschiedener Medien geht, spricht man von Hypermedia.

Die Möglichkeiten, benutzereigene Daten oder Texte (z.B. Kommentare) hinzuzufügen und selbst Verknüpfungen anzubringen, wurden schon erwähnt. Weitere Möglichkeiten, die sich mit elektronischen Medien eröffnen, aber nicht unbedingt zum Hypertextkonzept gehören, sind z.B. der Wechsel zwischen unterschiedlichen Darstellungsformen für einen Inhalt (z.B. Informationen einer Tabelle als Diagramm darzustellen) und das Rechnen mit Daten (z.B. könnten statistische Analysen mit den Daten unserer Befragungen durchgeführt werden). Beide Fälle illustrieren die Möglichkeit, in das elektronische Dokument spezifische Programme einzubinden.

Wie man dem obigen Beispiel schon entnehmen kann, unterscheidet sich die Informationssuche in Hypertextsystemen von der in herkömmlichen Datenbank-Retrievalsystemen. Das Aufsuchen von den Nutzer interessierenden Inhalten, erfolgt hier entlang den von "Autoren" bereits vorgedachten und strukturierten Verknüpfungsmöglichkeiten. In Retrievalsystemen dagegen werden Suchfragen formuliert, die dann mit dem Datenbankinhalt abgeglichen werden (match) und zu Texten führen, die den Suchbedingungen entsprechen. Während Hypertextdatenbanken als semantische Netze aufgefasst werden können, in denen man sich von Knoten zu Knoten hangelt, gleichen herkömmliche Retrievalsysteme eher einem Angelspiel - mit der Suchfrage als Köder.

Beide Verfahren sind bereits von konventionellen Büchern her bekannt. Gehe ich nämlich von einem Inhaltsverzeichnis zu einem bestimmten Kapitel, oder dem Verweis "s. Anhang A" nach, beschreite ich bereits nicht-sequentielle Pfade, folge ich semantischen Verbindungen. Steige ich dagegen über Indexbegriffe in ein Buch ein, folge ich dem Muster der Retrievalsysteme. Beide Prinzipien sind nicht exklusiv und konkrete Hypertextsysteme enthalten i.d.R. auch Suchfunktionen.

Wenn wir in unserem Projektzusammenhang lieber von "elektronischen Büchern" als von Hypertext sprechen wollen, dann aus drei Gründen:

  • Erstens machen wir damit deutlich, dass wir uns auf lokale (m.a.W. dezentral, offline) elektronische Informationsangebote beziehen wollen - nicht auf das Publikationssystem insgesamt.
  • Zweitens machen wir damit deutlich, dass wir uns wesentlich mit der Rezeptions- und Nutzungsseite befassen wollen, weniger mit den Aspekten von Autorensystemen.
  • Drittens beinhaltet die historische Präsentationsform "Buch" einen Kanon von ästhetischen Anforderungen, Handhabungstechniken und Rezeptionsgewohnheiten, der zunächst die Folie und den Maßstab abgibt, den elektronische Angebotsformen unausweichlich berücksichtigen müssen.

Natürlich ist ein "elektronisches Buch" kein Buch mehr - deshalb die Anführungszeichen -, aber wie bei den meisten technischen Innovationen streift die sich entwickelnde neue Form nur langsam die Bindung an ihre Vorbilder ab, bzw. erreicht auch nur nach und nach die Höhe der alten Form und schafft zudem neue Probleme.

Geräteabhängigkeit als Nutzungsvoraussetzung, "computer literacy" als geforderte Qualifikation und der gesamte Bereich des andersartigen "look and feel" stehen den Gewohnheiten, zumal eines mit der Buchkultur groß gewordenen Lesers, entgegen. Neben allgemeinen Barrieren, sich einem neuen Informationsmedium zuzuwenden, lassen sich noch spezifischere Problemfelder angeben: Lesen am Bildschirm und Orientierung in elektronischen Wissensspeichern sind als solche einschlägig bekannt. Noch grundsätzlicher ist aber vom Standpunkt der Wissensaufbereitung und -aneignung zu fragen, ob die Stringenz und Kohärenz linearer Texte ohne Verlust in ein Netz von bildschirmgerechten Informationsbrocken aufgelöst werden kann.

Wie man diese Frage beantwortet, hängt nicht zuletzt von den Strukturmerkmalen bestimmter Informationstypen und entsprechender Nutzungsformen ab. Derzeit favorisierte Einsatzfelder "elektronischer Bücher" sind der Erziehungs- und Schulungssektor, Online-Hilfesysteme und Anwendungsfelder, in denen es auf das Nachschlagen ankommt, wie bei Technischer Dokumentation (z.B. Reparaturanleitungen). Die Buchtypen, die sich für eine Umsetzung anbieten sind zunächst Handbücher, Lehrbücher, Enzyklopädien, Lexika u.ä. Gemeinsam ist ihnen die stark segmentierte Darbietung der Informationen.

Zu den Prototypen

Im Rahmen des Projektes wurden u.a. drei Prototypen elektronischer Bücher und Hypertexte entwickelt.

Prototyp 1: Forschungsergebnisse als elektronisches Buch

Dieser Prototyp hat zum Ausgangspunkt ein Buchkapitel zum Thema „Autoren - elektronische Manuskripte - Verlage“ (aus Riehm u.a.: Elektronisches Publizieren. Eine kritische Bestandsaufnahme. Heidelberg: Springer 1992).

Mit der Entwicklung dieses Prototyps wurden drei Ziele verfolgt:

  • Es sollte herausgefunden werden, inwieweit sich die Nutzungsfunktionalität eines „Buchmodells“ in einer Hypertextsoftware (konkret Guide) umsetzen lässt. Das Buchmodell beinhaltet u.a. ein stabiles „Seitenkonzept“ (keine variablen Textformate), den Zugriff auf den Text über Inhaltsverzeichnisse, Register und andere Meta- und Paratexte, das aktive Arbeiten am Buch mittels Markierungs- und Kommentierungsmöglichkeiten.
  • Der vorliegende, „sequentielle“ Buchtext sollte in zwei Leseschichten differenziert werden. Die erste Leseschicht sollte einen schnellen Überblick ermöglichen, die zweite Leseschicht vertiefende Informationen bieten. Unterschiedliche Publika und Leseinteressen sollen darüber besser befriedigt werden.
  • Das dritte Ziel betrifft die Entlastung des Textes durch „nicht-druckbare“ Informationen. Konkret handelt es sich darum, die Problematik der SGML (eine Norm für die Beschreibung von Dokumenttypdefinitionen und Dokumentauszeichnungsschemata), die in dem fraglichen Kapitel eine zentrale Rolle einnimmt und die textlich nur sehr schwierig darstellbar ist, durch die Integration eines SGML-Tutoriums und eines so genannten SGML-Editors besser darstellbar zu machen. Dem Leser des elektronischen Buchs erlaubt dies, durch praktisches Tun an einer Beispielsoftware ganz neuartige Erfahrungen zu machen.

Der Prototyp wurde unter Windows 3 mit der Software Guide 3 verwirklicht und mehrfach demonstriert. Aufgrund ungelöster Lizensfragen für den Vertrieb von Guide-Anwendungen ist eine Weitergabe dieser Anwendung nicht möglich.

Es stehen allerding zum Prototyp 1 „Elektronisches Buch (SGML-EB)“ zwei Demo-Versionen zur Verfügung:

Für das Abspielen dieser Demos ist keine Zusatzsoftware nötig!

Prototyp 2: Vortrag als multimediales Studiersystem

Ausgangspunkt dieser Prototypentwicklung ist ein Vortrag des Philosophen V. Flusser zum Thema „Schreiben für Publizieren“, den er 1989 im Rahmen einer Seminarreihe unserer Abteilung gehalten hatte. Das Transkript des Vortrages wurde interessierten Hörern und Nichthörern gegeben, mit der Bitte, ihre Fragen zu dem relativ schwierigen Text anzumerken, eigene Kommentierungen abzugeben und Wünsche an eine elektronische Version zu stellen.

Auf diesen Hörer- und Leseranforderungen aufbauend haben wir einen differenzierten Erläuterungs- und Kommentierungsapparat zum Vortrag entwickelt, der als Hypertext zur Verfügung gestellt wird. Dabei soll das multimediale Studiersystem, das sowohl das Transkript des Vortrages als Text am Bildschirm präsentiert wie auch den Originalvortrag als Ton hörbar macht, eine intensivere Rezeption und Erschließung des Vortrages ermöglichen. Bewusst wurde auf die in Hypertextsystemen häufig anzutreffende Vernetzung des Erläuterungsapparats verzichtet, um den Leser nicht vom Vortrag weg, sondern immer wieder zum Vortrag hin zu führen. Erste Evaluationen des Prototyps haben die Brauchbarkeit dieses Ansatzes gezeigt.

Der Prototyp wurde mit der Software Hypercard 2 für Macintosh Computer programmiert, die schon lange nicht mehr von Apple unterstützt wird.

Es steht aber zum Prototyp 2 „Flusser-Hypertext“ eine QuickTime-basierte in den Flusser-Hypertext einführende Demo zur Verfügung, die mit gängigen Video-Software (auf Windowsrechnern etwa Windows Media Player, VLC Media Player oder QuickTime Player) abspielbar ist.

Außerdem ist der eigentliche Flusser-Hypertext über eine vom Institut für Informatik, Freiburg, im Projekt „bw-fla“ erstellte Emulation online zugänglich und lauffähig. Bitte zum Start doppelklicken auf „Flusser Hypertext“ in der Mitte des Bildschirms.

Prototyp 3: Elektronische Projektkurzdarstellung

Die Hauptmerkmale einer Projektdarstellung sind: knappe Informationen zu den Zielen, Aktivitäten, Ergebnissen, Institutionen und Personen eines Projekts zu liefern und eine direkte Kontaktaufnahme mit der Projektgruppe zu fördern (was mit dem vorliegenden Exemplar ebenfalls beabsichtigt ist). Der Prototyp einer Elektronischen Projektkurzdarstellung versucht diesen Anforderungen gerecht zu werden und in der Umsetzung auf das neue Medium, dessen Nachteile (z.B. Lesen am Bildschirm) und Vorteile (z.B. Individualisierbarkeit, multimediale Komponenten) zu berücksichtigen.

Vergleicht man Textarten und Nutzungskonzepte der drei Prototypen, so handelt es sich beim Prototyp 1 und 2 um einen „langen“ Fachtext, beim Prototyp 3 aber um einen kurzen und stark modularisierten Informationstext. Während beim Prototyp 2 eine intensive Auseinandersetzung mit dem Text angestrebt wird (Studiersystem!), soll man mit der elektronischen Projektdarstellung in kurzer Zeit die wesentlichen Informationen aus dem Projekt erfassen können.

Die elektronische Projektdarstellung ist deshalb durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet:

  • knappe, stark modularisierte Texte,
  • mehr schematisch-graphische Darstellungen als textliche,
  • individuell abrufbare Kurzerläuterungen zu Fachbegriffen,
  • integrierter „Serviceteil“, z.B. für die direkte Bestellung von Projektpublikationen,
  • Verwendung von Ton als Aufmerksamkeit heischende Komponente.

Der Prototyp wurde wie der Flusser-Hypertext mit Hypercard 2 verwirklicht. Eine Windows-Version der Projektkurzdarstellung (mit der Software ToolBook) wurde in einer deutschen und einer englischen Fassung entwickelt.

Zum Prototyp 3 „Elektronische Projektdarstellung (PRODA)“ kann derzeit keine lauffähige Version angeboten werden.

Der Entwicklungsprozess der Prototypentwicklung wurde dokumentiert und analysiert und in der folgenden Publikation dargestellt, die seit dem 4. September 2015 als elektronische Fassung abrufbar ist:

Böhle, K.; Riehm, U.; Wingert, B.:
Vom allmählichen Verfertigen Elektronischer Bücher.
Ein Erfahrungsbericht
Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1997

mehr zum Buch

Riehm, Böhle, Wingert

Von links nach rechts: Ulrich Riehm, Knud Böhle, Bernd Wingert

Publikationen

Kontakt

Dipl.-Soz. Knud Böhle, M.A.
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22989
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