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Risikowahrnehmung zum Thema Nanotechnologie: Analyse von Internetforen

Risikowahrnehmung zum Thema Nanotechnologie: Analyse von Internetforen
Projektteam:

Albrecht, Steffen (Zebralog; Projektleiter); Christopher Coenen (ITAS; Stv. Projektleiter); Mundo Yang (Zebralog); Matthias Trénel (Zebralog)

Förderung:

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Starttermin:

2008

Endtermin:

2009

Projektpartner:

Zebralog, Berlin

Forschungsbereich:

Innovationsprozesse und Technikfolgen

Beschreibung des Projekts

Im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wurde von Zebralog (Berlin) und dem ITAS in den Jahren 2008 und 2009 eine Untersuchung zu Diskussionen über Nanotechnologie im deutschsprachigen Internet durchgeführt. Im August 2010 erschien die englische Übersetzung des zuvor bereits veröffentlichten Projektendberichts.

Bei der Untersuchung handelte es sich um eine inhaltlich und methodisch innovative Studie zum öffentlichen Bild und zur gesellschaftlichen Gestaltung der Nanotechnologie. Im Fokus der Inhaltsanalyse standen Beiträge in Onlineforen und Weblogs, in denen sich Verbraucher zu Nanoprodukten und zur Nanotechnologie allgemein äußern. Die Studie analysiert, wie Bürgerinnen und Bürger die Chancen und Risiken der Nanotechnologie und einzelner Nanoprodukte wahrnehmen, wie sich diese Wahrnehmung hinsichtlich diverser Anwendungsbereiche der Nanotechnologie (bspw. Automobile, Gesundheit und Kosmetik) unterscheidet und welche sprachlichen Bilder und Deutungsrahmen in Onlinediskussionen über Nanotechnologie verwendet werden. Mit der Untersuchung von alltagsweltlicher, interpersoneller Onlinekommunikation, in der sich Menschen aus eigener Initiative zum Thema Nanotechnologie äußern, schließt die Studie eine Lücke der Forschung zum öffentlichen Bild dieses Forschungs- und Technologiefeldes.

In der Untersuchung wurden in verschiedener Hinsicht neue Wege beschritten: Im Mittelpunkt standen deutschsprachige Onlinediskussionen, die eigeninitiativ von Bürgern und Bürgerinnen über Nanotechnologie und insbesondere auch über diverse nanotechnologiebasierte Produkte geführt wurden. Zur Untersuchung dieser Diskussionen im Internet war eine methodische Vorgehensweise zu konzipieren, die den Besonderheiten dieses Untersuchungsgegenstandes Rechnung trägt.

Die untersuchten Onlinediskussionen decken ein breites Spektrum von Themen und Produktgruppen ab, was den vielseitigen Charakter der Nanotechnologie als einer Querschnittstechnologie widerspiegelt. Quantitativ ragen dabei (mit Ausnahme der in der Studie nicht näher betrachteten Computerspiel- und Aktienforen) Foren zum Themenbereich Fahrzeuge heraus und dabei insbesondere Diskussionen zur Nanoversiegelung in der Fahrzeugpflege. Spezielle Themen wie zum Beispiel der Einsatz der Nanotechnologie in Lebensmitteln werden dagegen erst in der jüngsten Zeit intensiver diskutiert. Insgesamt entsteht der Eindruck eines Diskurses, der an zahlreichen Stellen im Internet geführt wird und in dem konkurrierende Verständnisse der Nanotechnologie und auch Wahrnehmungen ihrer Risiken öffentlich gemacht werden, in dem es jedoch nur in geringem Maß zu Berührungen zwischen den Teilbereichen kommt.

Die Ergebnisse der vertiefenden Inhaltanalyse der Diskussionen, die anhand von rund 500 Einzelbeiträgen erfolgte, bestätigen in vielerlei Hinsicht, was aus Befragungen und anderen Studien bekannt ist: Insgesamt ist derzeit die Akzeptanz der Nanotechnologie in der Bevölkerung hoch. Allerdings zeigt sich, dass in einem beträchtlichen Teil der untersuchten Diskussionsbeiträge die Nanotechnologie oder konkrete Nanoprodukte unter Nutzenaspekten eher negativ bewertet werden. Offenbar stoßen Nanoprodukte der ersten Generation bei der speziellen Gruppe von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die in Internetforen aktiv sind, weniger aufgrund von Risikobefürchtungen als aufgrund von Nutzenerwägungen auf Akzeptanzprobleme. Zugleich zeigt die Betrachtung der Onlinediskussionen im Zeitverlauf, dass sowohl Hinweise auf Risiken als auch negative Einschätzungen der Nanotechnologie oder von Nanoprodukten zunehmen. Auch qualitativ vertiefende Analysen der Diskussionsbeiträge, wie die Analyse der verwendeten sprachlichen Bilder, ergaben Anzeichen dafür, dass hier ein nicht unerhebliches Konfliktpotenzial besteht.

In dem Projekt konnten Erkenntnisse über die Ansichten einer Bevölkerungsgruppe gewonnen werden, die sich bereits für Nanotechnologie interessiert. Zudem konnte das Instrumentarium zur Untersuchung des öffentlichen Bildes der Nanotechnologie - über Umfragen, traditionelle Medienanalysen und deliberative Verfahren (wie Fokus-Gruppen) hinaus - erweitert werden. Im Internet diskutieren frühe Nutzer von Nanoprodukten sowie andere an Nanotechnologie bereits Interessierte über das Forschungsfeld, ohne dabei von Experten angeleitet zu werden und ohne künstliche Befragungssituation. Durch ihre Verfügbarkeit im Internet stellen die Ergebnisse solcher Diskussionen zugleich eine öffentliche Ressource zur Information und Meinungsbildung über Nanotechnologie dar, die in Zukunft weitere Aufmerksamkeit erlangen dürfte.

ITAS übte in dem Projekt die stellvertretende Projektleitung aus und war in allen Phasen des Projekts an den laufenden Arbeiten beteiligt.

Publikationen

Kontakt

Dipl.-Pol. Christopher Coenen
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-24559
E-Mail