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ITAS-Kolloquium 2014

ITAS-Kolloquium 2014
Veranstaltungsart:Vortragsreihe
Tagungsort:

ITAS, Karlstrasse 11, 76133 Karlsruhe, Raum 418

Datum:2014

Montag, 03. Februar 2014, 14:00 Uhr (Gastvortrag)

Dr. Marisa Matias (MEP)

The European Science and Technology Policy from a double perspective

Montag, 24. Februar 2014, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Michael Opielka, Wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des IZT, Berlin und Professor für Sozialpolitik am Fachbereich Sozialwesen der Ernst-Abbe-Fachhochschule in Jena

Probleme des Postwachstumsdiskurses

Im Vortrag wird der Postwachstumsdiskurs aus Sicht der soziologisch fundierten Zukunftsforschung analysiert. Die Postwachstumskritik fordert eine solidarische Gesellschaft im Einklang mit der Natur, menschliche Solidarität soll nicht dadurch ermöglicht werden, dass ihre Kosten in die Umwelt externalisiert werden. Die Idee einer Postwachstumsgesellschaft hat etwas konservatives, die Verlangsamung, das Denken in den Kategorien von Subsistenz und Suffizienz, von Selbstversorgung und Genügsamkeit. Die ökonomische Realität auch in einer globalisierten kapitalistischen Ökonomie ist gemischt, Konsum und Subsistenzproduktion – zumindest in Bezug auf Sorge-Arbeit, Care-Work – existieren nebeneinander, in differenzierten Mischungen. Die Diskussion um alternative Bemessungsverfahren der volkswirtschaftlichen Leistung ist unabgeschlossen, von der noch vom früheren französischen Präsidenten Sarkozy eingesetzten Kommission um Amartya Sen bis hin zur Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“. Eine der wissenschaftlich spannendsten und zugleich kaum bearbeiteten Fragen lautet: führen mehr soziale Gerechtigkeit, weniger Armut und soziale Not zu einem mehr an ökologischer Entwicklung? Globale Gerechtigkeit setzt voraus, dass die elementaren Bedürfnisse der Menschen gedeckt werden, ohne soziale Sicherheit keine Postwachstumsgesellschaft.

Montag, 17. März 2014, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Ulrich Dolata, Universität Stuttgart, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften

Wandel durch Technik. Eine Theorie soziotechnischer Transformation

Neue Kommunikationstechnologien, das Internet und die Gentechnik sind drei Beispiele, die zeigen, dass Technik nicht nur ein konstitutiver Bestandteil moderner Gesellschaften ist, sondern auch zu einem wesentlichen Einflussfaktor ihres Wandels werden kann. Wie lassen sich solche technikinduzierten Wandlungsprozesse soziologisch analysieren und erklären?

Ulrich Dolata hat in den vergangenen Jahren einen techniktheoretischen Rahmen entwickelt, der auf drei aufeinander bezogenen Konzepten beruht. Mit dem ersten Konzept – technologische Eingriffstiefe – werden Antworten auf die Frage gegeben, welche Rolle und Bedeutung neuen Technologien selbst als eigenständigen Einflussfaktoren sozioökonomischen Wandels zukommen kann. Die Kernüberlegung ist, dass grundlegend neue Technologien dort, wo sie entwickelt oder genutzt werden, mit mehr oder minder weitreichenden organisationalen, strukturellen und institutionellen Veränderungen einhergehen (müssen), wenn ihr innovatives Potenzial realisiert werden soll.

Wie dies geschehen und wie der durch neue Technologien angestoßene Restrukturierungsdruck wahrgenommen und verarbeitet werden kann: Das steht im Zentrum des zweiten Konzepts – der sozialen Adaptionsfähigkeit. Dort wird die Frage diskutiert, wie mögliche oder notwendig erscheinende organisationale, strukturelle und institutionelle Effekte durch die beteiligten Akteure und Institutionen antizipiert, aufgegriffen und in konkrete soziotechnische Veränderungen umgesetzt werden (können). Die Adaptionsfähigkeit eines Feldes, Sektors oder Regimes entscheidet maßgeblich darüber, wie Wandel durch Technik konkret von statten geht.

Größere soziotechnische Umbrüche erfolgen nicht in kurzer Frist oder in einem einmaligen Akt, sondern sind das Ergebnis längerer Phasen des Suchens, der Auseinandersetzung und der Diskontinuität, die durch eine Vielzahl aufeinander bezogener Veränderungen geprägt sind. Im dritten Konzept – graduelle Transformation – werden der Gesamtprozess solcher Umbruchperioden und ihre möglichen Verlaufsformen in den Blick genommen und als sukzessive soziotechnische Neuausrichtung analysiert, die sich erst über die Zeit zu substanziellen Veränderungen verdichtet.

Als Summe dieser Forschungsarbeiten ist 2011 die Monographie Wandel durch Technik. Eine Theorie soziotechnischer Transformation in der Reihe des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung im Campus-Verlag veröffentlicht worden. Eine englische Version ist 2013 unter dem Titel „The Transformative Capacity of New Technologies. A Theory of Sociotechnical Change“ bei Routledge erschienen.

Montag, 24. März 2014, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Michael Stauffacher, Natural and Social Science Interface & Transdisciplinarity Lab, ETH Zürich

Reallabore für eine nachhaltige Entwicklung: eine kritische Reflektion aufgrund eigener Erfahrungen

Die Expertengruppe „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ in Baden-Württemberg empfahl 2013 den Aufbau von „Reallaboren“, „deren Aufgabe es ist, Transformationsprozesse zu einer Nachhaltigen Entwicklung gezielt wissenschaftlich anzuregen und zu begleiten.“ (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden Württemberg, 2013, S. 9).

In meinem Beitrag werde ich diese Idee kritisch diskutieren und dabei auf unsere vielfältigen Erfahrungen in der Umsetzung solcher Reallabore zurückgreifen. Exemplarisch präsentiere ich eine kleine Gemeinde in den schweizerischen Voralpen, Urnäsch.

Hier hat die ETH Zürich zwischen 2000 und 2003 in mehreren Fallstudien erfolgreich zu Themen der Landschaftsentwicklung wie den Traditionsbranchen Textil-, Sägerei- und Milchwirtschaft geforscht. So wurden unter anderem eine Familienferiensiedlung, eine neue Milchsammelstelle sowie eine Holzschnitzelheizung durch die Fallstudien angestossen und bzw. kritisch geprüft. 2009 bis 2011 wurde die Gemeinde erneut zum Reallabor, dieses Mal zum Thema der Energiestrategie. Erneut zeigten sich vielschichtige Resultate und viele fruchtbare Diskussionen, wenn auch nur erste Schritte in Richtung Umsetzung sichtbar wurden. Ich präsentiere Ausgangslage, Herausforderungen und konkrete Lehren aus diesen Fallstudien in der Gemeinde Urnäsch und ziehe daraus einige Schlussfolgerungen für die Initiierung und Gestaltung von Reallaboren aus der Sicht der Wissenschaft.

Montag, 28. April 2014, 14:00 Uhr (Gastvortrag)

Bruno Gransche, M.A., Competence Center Foresight, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Vorausschauendes Denken – Philosophie und Zukunftsforschung jenseits von Statistik und Kalkül

Der heutigen Gesellschaft kann eine radikale Umstellung von einem Vergangenheits- auf einen Zukunftsbezug unterstellt werden. Längst geht der zentrale Kampf in den Arenen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft um konkurrierende Zukunftsvorstellungen. Klimakatastrophe, Restrisiko, Geschäftsklimaindex oder Konjunkturprognose – wer seiner Zukunftsauslegung Geltungshoheit verschaffen kann, bestimmt damit auch Gegenwart und Vergangenheit als Weg zu und Vorstufe von dieser einen unter den vielen möglichen Zukünften. Die Deutung der Gesellschaft als Risikogesellschaft etwa ist eine Deutung dieser vom Standpunkt möglicher, entscheidungsabhängiger Schäden.

Geltungsverstärker wie statistikbasierte Prognosen, Modellierung und Wahrscheinlichkeiten sind dabei zwar aktuelle Apotheosen des Zukünftigen, sie missverstehen jedoch Zukunft als errechenbares Noch-Nicht; sie fokussieren auf die Antizipation der zukünftigen Gegenwart und übersehen dabei die fundamentale Rolle aller gegenwärtigen Zukünfte

Die Philosophie hat zum Phänomen Zukunft Erhellendes erarbeitet; etwa die Dreizeitlichkeit von Augustinus als vergangene, gegenwärtige und zukünftige Gegenwart, was bspw. von Luhmann mit der Differenzierung von present futures und future presents weitergeführt wurde. Martin Heidegger hatte bereits in den 1920er Jahren das Zukunftsprimat der Moderne und die dreizeitliche Verschränkung von Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart zu einem Konzept ausgearbeitet, das aktuelle Forderungen der Zukunftsforschung an ein adäquates Zukunftskonzept vorweggenommen hat und somit hochaktuelles Potenzial für unsere Gegenwartsfragen birgt.

Die Gegenwart entspringt der Zukunft – dies ist eine explizite Prämisse der Zukunftsforschung und implizites Merkmal der Moderne. Dennoch werden Erkenntnisse der Philosophie in der Zukunftsforschung kaum rezipiert und Zukunftsforschung agiert an der Schnittstelle zu Politik und Wirtschaft, also zur Zukunftsgestaltung mittels Geld und Gesetz, womit sie eine Brücke darstellt, zwischen den Erkenntnissen der Philosophie und Geltung, Gestaltung und Lösungsansätzen der Gegenwartsfragen.

Vom Verhältnis von Philosophie und Zukunftsforschung, von beider Beitrag zur Erhöhung derzeitiger Lösungskomplexität, von kultur- und technikdiagnostischen Gegenwartsbefunden handelt der Vortrag entlang zentraler Begriffe wie Zukunft, Risiko, Gefahr, Ereignis, Akzidenz, Unfall. Zentrale Fragen sind: Wie wäre die Umstellung von Vergangenheits- auf Zukunftsprimat philosophisch einzuholen? Wie könnte dem kollektiven Gedächtnis ein Konzept der kollektiven Erwartungen an die Seite gestellt werden? Wie wäre ein sozial geteilter Erwartungshorizont, ein gesellschaftlicher Imaginationshaushalt, wie die kollektive Präsumtion als gegenwärtige Zukünfte bei der Beantwortung der Gegenwartsfragen zu berücksichtigen?

Montag, 12. Mai 2014, 14:00 Uhr

Professor Dr. Daniel J. Lang, Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung am Department für Nachhaltigkeitswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg

Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung im Reallabor: zwischen Worthülse und transformativer Forschungspraxis

Gerade im sich entwickelnden Forschungsfeld der Nachhaltigkeitswissenschaft(en) wird seit langem und mit zunehmendem Nachdruck eine problem- und lösungsorientierte Forschungspraxis eingefordert. Diese soll nach Möglichkeit versuchen, zentrale Grundideen von Transdisziplinarität zu verwirklichen, wie beispielsweise das Generieren von sozial robustem Wissen oder das Co-Design von Forschungsprojekten und die Co-Produktion von Wissen mit Praxisakteuren. Daneben wird vermehrt die Idee von Reallaboren, als vielversprechende „Orte“ zur Verwirklichung dieser Forschungspraxis mit einer konkreten transformativen Wirkung diskutiert.

Die steigende Popularität transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in Reallaboren stellt auf der einen Seite eine große Chance dar, diese Forschungspraxis noch stärker zu konsolidieren und konkrete Nachhaltigkeitstransformationen voranzutreiben. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass dieser Ansatz zur Worthülse verkommt und bestehende Forschungsansätze lediglich unter einem neuen Titel verkauft oder weiterhin hauptsächlich unverbundene transdisziplinäre Einzelprojekte ohne Bezug zu substantiierten Qualitätskriterien durchgeführt werden.

Vor diesem Hintergrund umreißt der Vortrag zunächst zentrale Konzepte und Prinzipien einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. Anschließend werden drei aktuelle Forschungsprojekte/-initiativen der Leuphana Universität Lüneburg kurz vorgestellt. Diese sollen Ansatzpunkte aufzeigen wie transdisziplinäre/transformative Nachhaltigkeitsforschung (i) in „Reallabor-Settings“ gestaltet, (ii) langfristig als strukturierende Leitidee einer Fakultät etabliert sowie (iii) aus einer Meta-Perspektive kritisch evaluiert werden kann.

Montag, 23. Juni 2014, 14:00 Uhr

PD Dr. Jürgen Altmann (Arbeitsgruppe Physik und Abrüstung, Experimentelle Physik III, Technische Universität Dortmund) und Dr. Matthias Englert (Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit, Technische Universität Darmstadt)

Neue Technik und internationale Sicherheit – Militärtechnik-Folgenabschätzung und präventive Rüstungskontrolle im Fokus naturwissenschaftlich-technischer Abrüstungs- und Friedensforschung

Naturwissenschaftliche Forschung kann zur Förderung von Abrüstung und Frieden genutzt werden. Ein besonderes Feld ist die vorausschauende Beurteilung neuer Technologien und ihrer möglichen militärischen Nutzung unter Gesichtspunkten von internationaler Sicherheit und Frieden. Im zweiten Schritt müssen dann ggf. Begrenzungsoptionen überlegt und neue Verifikationsmethoden erarbeitet werden.

Technikfolgenabschätzung (TA) und die Regulierung neuer Technik im Militärbereich finden in einem grundsätzlich anderen Rahmen statt als TA im Zivilen, auch gibt es besondere Schwierigkeiten u.a. durch Geheimhaltung. Diese Probleme und Lösungsmöglichkeiten werden an Hand verschiedener Beispiele aus deutscher und internationaler Forschung erläutert.

Manche Themenbereiche bleiben über Jahrzehnte aktuell, etwa Raketenabwehr oder neue Nukleartechnologien. Andere wie Nanotechnik und unbemannte Kampffahrzeuge tauchen neu auf. Dringender Forschungsbedarf besteht in Bezug auf neue biochemische Waffen und Cyberkrieg.

Der Vortrag beleuchtet die internationale und vor allem die deutsche Forschungslandschaft und diskutiert Möglichkeiten, die Arbeit in Deutschland zu verstetigen.

Montag, 14. Juli 2014, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Werner Rammert, Technische Universität Berlin, Fakultät VI: Planen Bauen Umwelt, Institut für Soziologie

Weder soziotechnische Systeme noch Akteur-Netzwerke, sondern komplexe Konstellationen verteilten Handelns

Am Beispiel der Sicherheitstechnik werden die Probleme verschiedener begrifflicher und theoretischer Zugangsweisen zu Phänomenen „gemischter“ oder „großer“ technischer Systeme und Infrastrukturen erläutert. Dabei werden die Schwächen und Missverständnisse rein technologischer und rein soziologischer Systembegriffe sowie auch des gemischten Behelfskonzepts „soziotechnischer Systeme“ diskutiert. Der alternative „Netzwerk“-Begriff und die Akteur-Netzwerk-Methodologie werden ebenfalls auf ihre Stärken und Schwächen geprüft. Der Vortragende schlägt für die Innovations- und Technikanalyse solcher gemischten und komplexen Gebilde den Begriff der Konstellation vor: Mit ihm ließen sich die dem (technologischen) Systembegriff häufig unterstellten normativen Annahmen einer perfekten Kontrollierbarkeit vermeiden und zugleich die in ganzheitlichen Begriffen, z.B. der „Assemblage“, aufgegebenen Unterscheidungen von menschlichen und nicht-menschlichen Elementen sowie deren jeweiligen Aktivitäten und Inter-Aktivitäten für die Analyse unterschiedlicher Arrangements beibehalten.

Montag, 06. Oktober 2014, 14:00 Uhr

Univ.-Prof. Dr. phil. Dipl.-Phys. Wolfgang Neuser, Leiter des Fachgebiets Philosophie, TU Kaiserslautern

Wissen begreifen – vom Cartesischen Ego zum selbstorganisierten Wissen

Im Cartesischen Diktum cogito ergo sum drückt sich der Legitimitätsanspruch des neuzeitlichen Wissenskonzepts aus. Dieses neuzeitliche Wissenskonzept ist durch die subjekttheoretische Wissensbegründung geprägt. Alles, von dem man sagen kann, dass es in irgendeiner Weise dem Wissen zugeordnet werden kann, muss in letzter Konsequenz seine Legitimität dadurch ausweisen, dass es vom Subjekt konstituiert wird. Unbeschadet der Tatsache, dass es für die Interpretation dieses Anspruchs einen Raum gibt, ist die Metaphysik der Neuzeit an die subjekttheoretische Begründung von Wissen gebunden.

Die Wissensgesellschaft der Gegenwart hingegen ist nicht verstehbar, wenn man Wissen als subjektbegründet versteht. Das Subjekt als logisches Konstituens von Wissen hat seine Rolle und seine Existenz verloren. Unter der Nutzung informatischer Techniken hat sich eine Wissenskonstitution entwickelt, die nur ihre Begründung in seiner Selbstkonstitution finden kann. Wissen muss als ein dynamisches System verstanden werden, das sich aus drei Teilsystemen konstituiert, die sich ihrerseits dynamisch selbstorganisieren. Diese Teilsysteme sind: das Begriffsgefüge als Interpretationsbedingung, ein Erfahrungsraum als Ort der Interpretation und ein Handlungsraum als expressiver Ort der Deutungen des Begriffsgefüges. (Wolfgang Neuser: Wissen begreifen, Wiesbaden 2013.)

In diesem Beitrag soll insbesondere die Vorstellung von Handlungen und Handlungsräumen Ge-genstand der Überlegungen sein.

Montag, 24. November 2014, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Ralf Seppelt, Department Computational Landscape Ecology, UFZ – Helmholtz Centre for Environmental Research

Renewable resources: Distribution, Use, and Limitations

Land ist eine begrenzte Ressource. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat der Mensch mehr als 30%-40% der terrestrischen Erdoberfläche überprägt, bebaut, beackert, für die Rohstoffgewinnung erschlossen halt in jeglicher Form in Nutzung genommen.

Zusammen mit den Ressourcen aus dem marinen Bereich sind so eine wenn auch langsam weiter wachsenden Weltbevölkerung mit einem jedoch schneller steigendem Konsum mit Nahrung, Energie aber aus Lebens- und Wohnraum zu versorgen. In einer globalen Betrachtungsweise gibt es viele Empfehlungen, welche Veränderungen geschehen müssen um dies so zu erreichen, dass auch späteren Generationen nicht die ihnen zustehenden Entwicklungsmöglichkeiten genommen werden. Aber wie übersetzt man das auf einzelnen Regionen? Gibt es überhaupt „one size fits all“ Lösungen? Was muss man also wissen, um Lösung in Regionen zu erarbeiten und zu implementieren?

Der Vortrag wird nicht nur diese Fragen diskutieren sondern auch Antworten vorschlagen, die vor allem darauf abzielen, Global Change Forschung mit regionalen Arbeiten systematisch zu verbinden. Denn, dass Land begrenzt ist, ist rasch nachvollziehbar, was aber auch gezeigt werden kann ist, dass auch dessen Produkte limitiert sind.

Montag, 08. Dezember 2014, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Gesine Schwan

Die Energiewende im Zusammenwirken von demokratischen Prozessen und technischer Innovation

Wenn von Energiewende als Gemeinschaftswerk gemäß der Ethikkommission unter Leitung von Professor Klaus Töpfer die Rede ist, dann denken viel Bürgerinnen und Bürger an mehr, als im parteiübergreifenden Beschluss festgehalten wurde. Darin steht nämlich nur der Ausstieg aus der Kernenergie. Alle weiteren Schritte dahin wurden damit noch nicht geklärt. An ihrer Klärung arbeiten wir auch heute noch. Wer soll die Verantwortung für den Ausstiegs- und den Energiewendeprozess tragen? Wie soll dieser Prozess von Statten gehen? Was muss die Öffentlichkeit regeln, was kann dem Markt überlassen werden? Soll der Ausstieg abgestimmt mit den europäischen Nachbarn erfolgen? Kann die Energiewendepolitik zu einem europäischen Integrationsprojekt weiterentwickelt werden? Und vor allem: Reicht für die Energiewende eine intensiv vorangetriebene technologische Forschung mit Umsetzung oder geht es auch um Änderungen im Umgang mit Energie? Welche politischen Weichenstellungen sind mit der Organisation eines neuen Energiemix in Zukunft verbunden? Sollen eher dezentrale Regelungen gefördert werden, womit eine Dezentralisierung politischer Entscheidungsmacht einherginge und Energie als von allen Bürgen zu verantwortete Leistung betrachtet würde? Oder soll hier der Staat einfach liefern ohne verantwortliche Entscheidungen der Bürger? Auf die aufgeworfenen Fragen versucht der Vortrag Antworten zu finden.

Bitte beachten Sie:

  • Eine Anmeldung ist ausnahmsweise erforderlich. Die Anmeldung wird separat bestätigt.
  • Die Veranstaltung wird in Bild und Ton zur späteren Veröffentlichung aufgezeichnet und wird als Livestream auf dem KIT-Intranetporal übertragen.