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Projekt zu In-vitro-Fleisch abgeschlossen

Im Auftrag des BMBF hat sich ein Team des ITAS zwei Jahre lang mit den technischen und gesellschaftlichen Aspekten und Vorstellungen von im Labor produzierten In-vitro-Fleisch beschäftigt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.
Visionen von In-vitro-Fleisch
In-vitro-Fleisch: Mögliche Lösung für ökologische und ethische Probleme des Fleischkonsums (Quelle: David Parry / PA Wire)

Noch wird es aufwendig und in winzigen Mengen im Labor hergestellt. In Zukunft könnte In-vitro-Fleisch jedoch helfen, Probleme zu lösen, die unser Fleischkonsum im Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung, den Klimawandel und Tierschutz bedeutet: Mit der Kultivierung von tierischen Muskelstammzellen in einer Zellkultur wäre es nicht länger nötig, unter enormem Ressourcenaufwand Tiere erst heranzuzüchten und dann zu töten. Expertinnen am ITAS haben im BMBF-Projekt Visionen von In-vitro-Fleisch (VIF) die naturwissenschaftlichen, technischen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Aspekte der Leitbilder und Visionen dieser neuen Technologie analysiert.

Ungeklärte technische und ethische Fragen

Als Innovation hat In-vitro-Fleisch in letzter Zeit eine rasante Entwicklung erlebt und große mediale Aufmerksamkeit erfahren. An der Forschung beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler prognostizieren der Technologie eine baldige Marktreife; allerdings bleiben immer noch einige technische Schwierigkeiten bestehen, wie etwa ein geeignetes und kostengünstiges tierfreies Nährmedium für die Zellkulturen, auch die ökologischen Vorteile von In-vitro-Fleisch sind umstritten. Diskutiert wird ferner über ethische Aspekte, etwa im Hinblick auf einen gerechten Zugang zu dieser Innovation. Die Entwicklung von In-vitro-Fleisch wirft zudem Fragen auf nach dem künftigen Umgang mit Tieren und dem Stellenwert von Fleisch für unsere Ernährung.

Vorstellungen, ob und in welcher Form eine künftige Gesellschaft mit In-vitro-Fleisch wünschenswert wäre, analysierten die Forscherinnen am ITAS anhand der aktuellen Literatur und mit Hilfe von Interviews. Befragt wurden Experten aus der Wissenschaft und der Systemgastronomie genauso wie Vertreterinnen und Vertreter von Umwelt- und Tierrechtsorganisationen sowie ökologischen und konventionellen Anbauverbänden. Zudem hatten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich in partizipative Verfahren – Fokusgruppen und eine Citizens’ Jury – direkt einzubringen.

Diskurs über Fleischkonsum nötig

Die Mehrheit der befragten Personen sehen in In-vitro-Fleisch eine Alternative zur konventionellen Fleischproduktion. Gleichzeitig stößt In-vitro-Fleisch bei denjenigen auf Widerstand, die die Zukunft der Ernährung in einer Reduktion des Fleischkonsums und dem ökologischen Umbau der Landwirtschaft sehen. Gegen das Fleisch aus dem Labor sprechen auch eine mögliche weitere Entfremdung des Menschen vom Tier und die Gefahr einer Monopolisierung der In-vitro-Fleisch-Produktion. Konsens herrscht bei den Gesprächspartnern der Wissenschaftlerinnen darüber, dass die Innovation in einen breiteren Diskurs über ökologische, soziale und ethische Probleme des Fleischkonsums einbezogen werden sollte.

Der überwiegende Teil der Gesellschaft, so die Wissenschaftlerinnen, wünsche sich, dass die Politik Strategien entwickelt, um eine schnelle Reduktion des Fleischkonsums und die nachhaltige Umgestaltung der Landwirtschaft voranzutreiben sowie Forschung und Entwicklung pflanzenbasierter Alternativen zu fördern. (13.10.2017)

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