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Promotionsprojekt zu Energieszenarien abgeschlossen [28.07.2014]

Energieszenario-Studien werden in großer Zahl und Vielfalt veröffentlicht, um politische Entscheidungen und ganz allgemein die gesellschaftliche Diskussion zur Gestaltung des Energiesystems zu unterstützen. Zum einen bleibt in diesen Studien jedoch häufig unklar, was genau mit einem Szenario ausgesagt wird und wie diese Aussagen – insbesondere unter Zuhilfenahme von Computermodellen – begründet werden. Zum anderen bleibt auch der Prozess ihrer Erstellung meist im Dunkeln, so dass insbesondere nicht nachvollziehbar ist, welche Rolle der Auftraggeber der Studien bei deren Erstellung hat.

Diesen Fragestellungen ist Christian Dieckhoff in seiner Dissertation „Modellierte Zukunft – Zur Theorie und Praxis von Energieszenarien im Kontext wissenschaftlicher Politikberatung“ nachgegangen. Am 18. Juni 2014 verteidigte er seine Doktorarbeit erfolgreich an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie.

Die Arbeit basiert auf einer umfassenden empirischen Untersuchung der Praxis der Erstellung von Energieszenarien, in deren Zentrum leitfadenbasierte Interviews mit einschlägigen Modellierern von Energieszenarien standen. Die Ergebnisse wurden dann mit Hilfe theoretischer Konzepte aus der sozialwissenschaftlichen und philosophischen Wissenschaftsforschung interpretiert.

Auf dieser Grundlage rekonstruiert Christian Dieckhoff zwei unterschiedliche Argumente, die nach Ansicht der Interviewten typischerweise in Energieszenario-Studien anzutreffen sind. Das eine zielt auf eine Gegenüberstellung von Möglichkeitsprognosen ab, während mit dem anderen die Effekte energiepolitischer Maßnahmen bestimmt werden sollen. Für beide Argumente wird diskutiert, auf welchen Prämissen sie beruhen und welche Rolle die Argumente in der wissenschaftlichen Politikberatung spielen können. Als eine besonders kritische Prämisse wird der epistemische Status der verwendeten Modelle identifiziert. In manchen Studien werden scheinbar Schlussfolgerungen aus den Modellrechnungen gezogen, die von den Modellen nicht ausreichend gedeckt sind. Darüber hinaus werden drei idealtypische Varianten der Erstellung der Studien rekonstruiert und spezifische Anforderungen hinsichtlich der Transparentmachung dieser Prozesse im Kontext wissenschaftlicher Politikberatung diskutiert.

Mit seiner Arbeit erschließt Christian Dieckhoff nicht nur die bisher weitgehend opake Praxis der Erstellung und Verwendung von Energieszenarien, und macht sie so kritischer Reflexion zugänglich, sondern er legt auch einen Grundstein für eine konstruktive Fortentwicklung und Verbesserung solcher Szenarien.

Die Arbeit wird voraussichtlich Ende 2014 veröffentlicht.

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