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ITAS / DIW - Innovationsanalyse zur Verkehrstelematik abgeschlossen [04.11.2005]

Anhand ausgewählter ausländischer Beispiele wurden die Bedingungen für erfolgreiche Innovationsstrategien im Verkehr, die auf dem Einsatz neuer Techniken und Dienste, der so genannten Verkehrstelematik (VT) beruhen, identifiziert, ihre Wirksamkeit im Hinblick auf eine „nachhaltige Entwicklung“ untersucht und die Erfolgsfaktoren vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen in Deutschland beurteilt. „Nachhaltige Entwicklung“ steht dabei für das Ziel, die Entwicklung des Verkehrs mit ökologischen Anforderungen in Einklang zu bringen, ohne die Mobilität der Verkehrsteilnehmer einzuschränken.

Schwerpunkt der Analysen von ITAS waren dabei vorrangig informatorische und verkehrsorganisatorische Instrumente insbesondere in den USA, Japan, der Schweiz und Österreich. Die Arbeiten des DIW Berlin konzentrierten sich vornehmlich auf preispolitische Instrument ein Schweden, Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden.

Basierend auf der These, dass für eine erfolgreiche Einführung von Innovationen nicht nur primäre Bedingungen, wie der vorhandene wissenschaftliche und technische Entwicklungsstand eines Landes, sondern auch die so genannten sekundären Bedingungen, nämlich die übergeordneten gesellschaftlichen und staatlichen Rahmenbedingungen, von Bedeutung sind, wurden Letztere für die Entwicklung und Einführung neuer Techniken und Dienste im Bereich des Verkehrs, die geeignet erscheinen, eine „nachhaltige Entwicklung“ im Verkehr zu fördern, in verschiedenen Ländern untersucht und die Übertragbarkeit von Erfolgsmodellen und -faktoren für deutsche Umsetzungsbedingungen analysiert. Auch wenn sich diese Untersuchungen auf Anwendungen im Bereich des Verkehrs beziehen, lassen sich jedoch auch grundsätzliche innovationsstrategische Erfahrungen ableiten. Damit werden auch Hinweise für eine Erfolg versprechende Vorgehensweise bei der Entwicklung von Innovationen gegeben, die nach Meinung der Öffentlichkeit und der Politik eine wesentliche Voraussetzung für die Lösung bedeutender gesellschaftlicher Aufgaben darstellen.

Die mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken (IuK-Techniken) möglichen Effizienzverbesserungen im Verkehrssystem sowie der erweiterte Gestaltungsspielraum des Verkehrs- und Mobilitätsmanagements durch die darauf aufbauenden neuen Telematikdienste können grundsätzlich zu einer „nachhaltigen Entwicklung“ beitragen und versprechen darüber hinaus ein erhebliches Marktpotenzial. Auch klassische Lenkungsinstrumente wie preisliche Maßnahmen können mittels IuK-Techniken erheblich flexibler, nutzerfreundlicher und effizienter gestaltet werden, als dies bisher der Fall war. Diese Potentiale wurden jedoch nur im begrenzten Umfang genutzt. Dies erklärt auch den begrenzten bisherigen Erfolg der Verkehrstelematik. Viele potentielle Nutzer sind zurückhaltend wegen der komplizierten Anwendungen, des eingeschränkten Einsatzbereichs und der kurzen „Innovationszyklen“ bei den Telematikanwendungen. Es besteht die Furcht vor so genannten Insellösungen, die bereits nach kurzer Zeit nicht mehr „Stand der Technik“ sind.

Die Untersuchungen zeigten erhebliche Unterschiede in den rechtlichen, institutionellen und organisatorischen Rahmenbedingungen der untersuchten Länder. So werden in den USA und Japan verkehrspolitische Rahmenbedingungen und Strategien insbesondere für die Entwicklung und Umsetzung neuer Techniken und Dienste in konkreten Gesetzesinitiativen festgelegt. Diese Gesetze konkretisieren die verkehrspolitischen Strategien für die Umsetzung der neuen Techniken und Dienste und regeln darüber hinaus auch eine regelmäßige Berichterstattung in Form von „nationalen Programmen“ sowie die Entwicklung von „nationalen Architekturen“, die als Orientierungsrahmen für die Umsetzung strategischer Zielvorgaben auf die verschiedenen staatlichen Handlungsebenen zu verstehen sind.

Auch in Europa praktizieren einige Länder ein systematisches verkehrsstrategisches Vorgehen, so wurden in Großbritannien weitgehende verkehrspolitische Initiativen gestartet, die preispolitische Instrumente mit einbeziehen, in Österreich wurde ein Telematikrahmenplan mit zugehörigen Umsetzungsmaßnahmen erstellt. Andere Länder dagegen verzichten weitgehend auf staatliches Engagement und sehen die Konzeptentwicklung und Einführung der neuen Techniken und Dienste vornehmlich als Aufgabe der Industrie an.

Bemerkenswert ist, dass die innovationsstrategisch besonders aktiven Länder sich nicht nur auf neue technische Konzepte beschränken, sondern insbesondere auch innovative organisatorische Lösungen unter Einbeziehung preispolitischer Maßnahmen verfolgen. Die verschiedenen organisatorischen Ausprägungen dieser innovativen Konzepte gestatten frühzeitige Lernerfahrungen der Nutzer und sind damit Grundlage für einen frühzeitigen Diskurs über die Gestaltung von Innovationen. Sie können somit auch zur Akzeptanz in der Bevölkerung beitragen und stellen darüber hinaus ein wesentliches praktisches Element der oft geforderten „political governance“ dar.

Bibliografische Angaben:
Halbritter G.; Fleischer, T.; Kupsch, Chr.; Kloas, J.; Voigt, U.;
unter Mitarbeit von Fulda, E. und Gödel, J.:

Nationale Innovationsstrategien für neue Techniken und Dienste zur Erreichung einer „nachhaltigen Entwicklung“ im Verkehr. Karlsruhe: Forschungszentrum Karlsruhe 2005 (Wissenschaftliche Berichte, FZKA 7157), 434 Seiten

Weiterführende Links:

  • Die Kurzbeschreibung des Projekts bei ITAS hier
  • Die Homepage von Günter Halbritter Torsten Fleischer Christel Kupsch