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ITAS-Kolloquium 2012

ITAS-Kolloquium 2012
Veranstaltungsart:

Vortragsreihe

Tagungsort:

ITAS, Karlstrasse 11, 76133 Karlsruhe, Raum-Nr. 418

Datum:

2012

Montag, 02. April 2012, 14.00 Uhr

Dr. Gregor Wolbring, University of Calgary, Dept. of Community Health Sciences, Prog. Community Rehabilitation and Disability Studies

Wird der menschliche Körper zum Auslaufmodell? Human Enhancement und einige mögliche Folgen

Eine der potenziell folgenreichsten Aspekte naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts ist die zunehmende Verfügbarkeit und Entwicklung von Produkten, die der Steigerung und Ausweitung der Fähigkeiten des Menschen („Human Enhancement“) dienen sollen. Angesichts der Vielfalt solcher neuer oder emergierender Human-Enhancement-Technologien (HET) ist eine Kultur der Verbesserung und Modifikation des menschlichen Körpers (seiner Struktur, Funktionen und Fähigkeiten) im Entstehen befindlich, mit einer entsprechenden Nachfrage und gesellschaftlichen Akzeptanz. Die Modifikationen zielen ab auf eine Verbesserung physischer und kognitiver Fähigkeiten über die gattungstypischen Grenzen hinaus. Die Bevorzugung bestimmter Fähigkeiten und die umfassende Ideologie des Ableismus („ableism“) bedingen zwei gesellschaftliche Dynamiken, durch die Bedarfe für HET erzeugt werden. Oft wird im Diskurs über Human Enhancement ausgeblendet, dass es in diesem letztlich um das Obsoletwerden des menschlichen Körpers geht. Vielen erscheint er als ein Auslaufmodell, das dringend erheblicher Verbesserungen bedarf. Vor diesem Hintergrund stellen sich in in Bezug auf HET einige klassische Fragen auch der Technikfolgenabschätzung, wie beispielsweise (a) wer Zugang („access“) zu HET hat und haben wird, (b) ob 'upgrades' des eigenen Körpers auf Dauer verweigert werden können oder ob ein Zwang zum Enhancement bestehen wird, (c) inwieweit Enhancement-Eingriffe reversibel sein werden und (d) wie sich zentrale Begriffe im Gesundheitsbereich (und über diesen hinaus) unter dem Einfluss einer zunehmenden Verbreitung von HET verändern werden.

Donnerstag, 26. April 2012, 16:30 Uhr (Gastkolloquium)

Im Anschluss an die IANET-Mitgliederversammlung findet ein Kolloquium zum Thema: „Politische, wissenschaftliche und ökonomische Lage Russlands nach der Präsidentschaftswahl im März 2012“ statt.

Folgende Vorträge werden gehalten:

  1. Wissenschafts- und Forschungspolitik in Russland
    Prof. Dr. Vjatcheslav Stepin, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau
     
  2. Ausbildungsreform im Hochschulbereich in der Russischen Föderation
    Prof. Dr. Vladimir Mironow, Moskauer Staatlichen Lomonossow Universität; Moskau
     
  3. Innovationspolitik und Wirtschaftsentwicklung in Russland
    Andrey Spartak, Direktor des All-Russian Market Research Instituts; Moskau
     
  4. Die neuen sozialen Bewegungen in Russland
    Anastasia Gorokhova, freie Journalistin, Moskau - Weingarten

Montag, 14. Mai 2012, 14.00 Uhr

Dr. Pierre Delvenne, Chargé de recherches FNRS, SPIRAL, STS Unit, Université de Liège

Parliamentary Technology Assessment institutions challenged by reflexive modernization in action

The emergence and evolutions of Parliamentary Technology Assessment offices (PTAs) are an indication of our Western modernity becoming more reflexive. This perspective sheds light on recent evolution of PTAs, but also contributes to the discussion of reflexive modernization generally. Ulrich Beck’s diagnosis of reflexive modernization, undermining high modernity since the 1980s, has been widely discussed, but there have been few attempts to map and analyze these complex processes empirically in order to show reflexive modernization in action. From that perspective, reflexive modernization is seen as a challenge for the institutions of modernity. PTAs are recent institutions that had to span boundaries from the beginning, and might thus have more incentives to follow reflexive modernization while at the same time their progression will be bounded by strong modernist institutional patterns or elements of political culture.

We offer case studies of two European PTAs, STOA (TA at the European Parliament) and TAB (TA at the German Bundestag), based on literature research, participatory observation, official document analysis and qualitative data collection (through semi-structured interviews with academics and TA practitioners). We are particularly interested in how much reflexivity is visible in their institutional path. After formulating two main dimensions of reflexive modernization, openness to plurality and blurring of boundaries, we map the paths of these institutions over time along these two dimensions.

There appears to be an overall reflexivity pathway, on which some PTAs have moved farther than others, but their progress is fractured by the resilience of modern institutions. This is due to various institutional factors — like the link with a Parliament — and external factors — like the dynamics of institutionalization, the cultural meanings and traditions, the historical processes or the structure and the state of the innovation regime — all of which affect the way institutionalized TA embraces a more or less reflexive approach. The identification of an overall reflexivity pathway allows us to highlight new trends in (parliamentary) Technology Assessment as not just interesting ad-hoc novel approaches, but as indications of a new and broader generation of TA.

Dienstag, 29. Mai 2012, 19 Uhr (Gastkolloquium)

Prof. Konrad Ott, Universität Greifswald

Domains of Climate Ethics

Die Klimaethik ist ein aufstrebendes Feld der angewandten Ethik geworden. Dabei ist sie nicht einfach ein Teilgebiet der Umweltethik, sondern besitzt ein eigenes moralisches und ethisches Profil. Gleichsam befasst sich die Klimaethik nicht nur mit Vermeidungsansätzen. Stattdessen werden zunehmend auch Fragen der Anpassung an den Klimawandel, des Climate Engineering, der Allokation von Lasten und der Verteilungsgerechtigkeit behandelt.

Dieser Vortrag fasst die jüngsten Entwicklungen in der klimaethischen Diskussion zusammen und entwickelt ein kohärentes Set von Maßstäben, die der Orientierung in den diversen Themenfeldern der Klimaethik dienen können.

Montag, 11. Juni 2012, 14.00 Uhr

Prof. Dr. Johannes Weyer, Lehrstuhl für Techniksoziologie an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der TU Dortmund

"artificial companions" für die Science, Technology & Innovation Studies

Hybride Interaktion von Mensch und Technik

Der Vortrag ist ein Werkstattbericht aus mehreren Projekten, die im Fachgebiet Techniksoziologie der TU Dortmund durchgeführt wurden (bzw. werden). Er befasst sich mit den theoretisch-konzeptionellen Grundlagen der hybriden Interaktion von „humans“ und „non-humans“ und präsentiert mit dem „Modell soziologischer Erklärung hybrider Interaktion“ (HMSE) ein genuin soziologisches, handlungstheoretisches Konzept, das die empirische Erforschung der Mensch-Maschine-Interaktion ermöglicht.

Der empirische Teil umfasst Ergebnisse von Laborexperimenten, die mithilfe der Methode der Computersimu-lation durchgeführt wurden; er präsentiert zudem die Ergebnisse zweier Befragungen von Autofahrern und Piloten, in denen es u.a. um die Frage des Kontrollverlustes ging. Darüber hinaus wird ein kurzer Ausblick in ein laufendes Projekt zur Steuerung komplexer Systeme gegeben.

Montag, 24. September 2012, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Nina Janich, Professorin für Germanistische Linguistik an der Technischen Universität Darmstadt

Konzeptualisierungen von Nichtwissen im Konflikt. Eine Fallstudie zur Wissenschaftskom-munikation

Der Vortrag behandelt im Kern die sprachwissenschaftliche Frage, ob es so etwas wie eine „Sprache des Nichtwissens&ldquot; gibt. Zu diesem Zweck wird eine Fallstudie aus der Klimaforschung gewählt und geprüft, wie in dem öffentlich ausgetragenen Konflikt um das Meeresdüngungsexperiment LOHAFEX von Wissenschaft, Politik und Medien Nichtwissen unterschiedlich thematisiert und konzeptualisiert wird. Dies hat Auswirkungen auf die Bewertung des Konflikts, der sich nicht nur als einer der Sache nach, sondern auch als ein prototypischer Kommunikationskonflikt zwischen Akteuren unterschiedlicher Diskursgemeinschaften darstellt.

Montag, 08. Oktober 2012, 14:00 Uhr

Prof. Dr. Ekkehard Felder, Lehrstuhl für Germanistische Linguistik an dem Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg

„Helfen“ oder „Töten“? Theorie, Methode und Erkenntnisanspruch der Linguistischen Diskursanalyse (LDA) am Beispiel der Sterbehilfedebatte

Die Diskussion um die sog. Sterbehilfe und palliativmedizinischen Gestaltungsmöglichkeiten am Lebensende wird von den Medien mitbestimmt. Was der Staatsbürger als relativer Laie weiß, das erfährt er im Wesentlichen über sprachlich gebundene und medial verbreitete Wissensformationen.

Linguistische Diskursanalysen nehmen gesellschaftsrelevante Kontroversen als Ausgangspunkt, um sprachlich gefasstes Wissen zu untersuchen. Dabei liegt das Interesse auf den durch Sprache vorbestimmten Sichtweisen. Wer die sprachliche Prägung eines Sachverhalts im Diskurs durchzusetzen vermag, der hat die Macht der Deutungshoheit. Ziel linguistischer Diskursanalysen ist, diese sprachlich perspektivierten Sachverhalte offen zu legen.

In respektvoller Abgrenzung und konstruktiver Einbeziehung diskursanalytischer Ansätze der Nachbardisziplinen (z.B. Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie) setzen linguistische Analysen konsequent an der Textoberfläche an, lassen diese gewissermaßen „zu Wort kommen“ und zeigen, wie die sprachliche Ordnung die Wahrnehmungsperspektiven prädisponiert.

In dem Vortrag wird am Beispiel der sog. Sterbehilfedebatte eine linguistische Methode vorgestellt, die große Textmengen zu einem gesellschaftlich einschlägigen Thema im Hinblick auf die (zum Teil verborgenen) umstrittenen Konzepte analysiert. Durch diese Methode und bereits zahlreich durchgeführte empirische Untersuchungen könnten in Zukunft unter Umständen bestimmte Diskursverläufe (z.B. sog. Diskursverhärtungen) antizipiert werden.

Mittwoch, 21. November 2012, 15:30 Uhr (Gastvortrag)

Dr. Pius Krütli, Institute for Environmental Decisions der ETH Zürich

Zum Standortsuchverfahren für die geologische Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle in der Schweiz: ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz an der ETH Zürich

Die geologische Tiefenlagerung (gTL) von radioaktiven Abfällen ist weit mehr als ein Problem der Geologie, der Ingenieurskunst und der Bautechnik. Die gesellschaftlichen Akteure, deren Entscheidungsvorgänge, Wahrnehmung und Werthaltungen, energiepolitische Rahmenbedingungen, etc. sowie das Zusammenspiel von technischer Expertise und gesellschaftlichem Input sind nicht weniger komplexe Felder. Der Lehrstuhl NSSI (Natural and Social Science Interface) verfolgt hier einen multiperspektivischen, multimethodischen inter- und transdisziplinären Ansatz. Alle wichtigen Akteursgruppen werden in die Forschungsaktivitäten einbezogen. Die Präsentation hat drei Schwerpunkte: (1) Es wird die transdisziplinäre Herangehensweise, Rahmenbedingungen, Inhalt und Effekte an zwei Beispielen aus dem Nuklearabfallbereich gezeigt. (2) Inhaltlicher Fokus wird das Standortsuchverfahren gTL und die Bedeutung eines fairen Verfahrens sein. (3) Die Präsentation vermittelt einen Überblick zum laufenden Sachplanverfahren gTL.

Der Vortrag (PDF) ist in deutscher Sprache.

Montag, 10. Dezember 2012, 14:00 Uhr

Dr. Kai Spiekermann, Lecturer in Political Philosophy (London School of Economics)

The Precautionary Principle Reconceptualized

It is often argued that in decisions where the stakes are high and the risks not fully known, we should adopt a precautionary principle. Unfortunately, many renderings of the precautionary principle are rather vague, and one may wonder whether such notions of precaution refer to a well-defined principle or are just a nice-sounding piece of political rhetoric. In other instances, the precautionary principle is presented as a rival to classical approaches to decision making under risk or uncertainty, such as expected-utility maximization or cost-benefit analysis. By contrast, we argue that precaution should not in the first line apply to the standard decision principles, but to the process of prior model specification, in which much more important mistakes are often made. The real challenge is meta-uncertainty, i.e. uncertainty not within the model, but about the entire model. Therefore, the debate about how the precautionary principle can be used as a first-order decision principle is misguided. Instead, the precautionary principle is best conceptualized as a second-order principle of model-building.

Hinweis

Die Veranstaltungen des ITAS-Kolloquiums finden im Kolloquiumsraum (Raum 418) an unserer neuen Adresse (Karlstrasse 11, 76133 Karlsruhe) statt.