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Models and narratives in the assessment of unproven technology

Models and narratives in the assessment of unproven technology
Projektteam:

Roßmann, Maximilian (Dissertation)

Förderung:

Kooperatives Promotionskolleg ENRES

Starttermin:

2017

Endtermin:

2020

Forschungsgruppe:

Soziotechnische Zukünfte und Policies

Projektbeschreibung

Imaginäre Zukünfte gelten als treibende Kraft der Gegenwart. Politiker, Wissenschaftler, Ingenieure und Ökonomen sind gleichermaßen auf nützliche Spekulationen angewiesen, wenn sie ihre gegenwärtigen Entscheidungen und Handlungen in vielversprechenden, sich entfaltenden Zukunftsvorstellungen umreißen und begründen. Zwar kann man die Zukunft nicht vorhersagen (Immanenz der Gegenwart), jedoch lässt sich empirisch beobachten, wie das Imaginieren und Streiten über Zukunftsvorstellungen an verschiedenen Orten, in verschiedenen Kontexten und zu verschiedenen Zeiten stattfindet. An diesen Orten der Hyperprojektivität entstehen die Rahmen für die Vorstellung unbewiesener Technologien und manifestieren sich in der Bezugnahme auf Modelle und Narrative. Deshalb sind Modelle und Narrative in dieser Thesis der Dreh- und Angelpunkt für die Analyse und Unterscheidung imaginierter Zukünfte sowie für eine Diskussion von Implikationen für die Technikfolgenabschätzung.

Der konzeptionelle Ansatz begründet sich in zwei eher voneinander losgelösten Debatten im Umfeld der TA, nämlich in den Soziologien der Erwartungen und der Philosophie der Imagination und Modellierung. Während die soziologische Debatte die Reichweite und Bedeutung antizipierender Praktiken für neue und aufkommende Technologien aufzeigt, diskutiert die Philosophie Voraussetzungen, um in der Fiktion neue Überzeugungen und Motivation zu erlangen. Die Debatten treffen sich im Verständnis von Modellen und Narrativen als sozial autorisierte Anweisungen für die Imagination. Während Narrative die zeitliche Kohärenz heterogener Elemente in hypothetischen Handlungspfaden darstellen (von A nach B via C), bilden Modelle der Wechselbeziehungen berücksichtigter Faktoren die Grundlage sozio-epistemischer Reflexion. Da beides für die Gestaltung der Zukunft von zentraler Bedeutung ist, gilt es die gegenseitige Beeinflussung herauszuarbeiten. Dazu dient die empirische Anwendung dieser analytischen Perspektive in der integrierten Begleitforschung zu "Visionen der Ernährung mit Mikroalgen". Auf der Grundlage der empirischen Beobachtungen zeigt und diskutiert die Doktorarbeit, wie Zukunftsnarrative kollektive Akteure und Expertisen je anders arrangieren und dabei neue, motivierende Überzeugungen hervorbringen im Verweis auf Modelle, Prototypen und weitere Repräsentationen. Sie kommt zu dem Schluss, dass die zentrale Rolle von Modellen und Narrativen als Boundary Objects und Requisiten der Technikfolgenabschätzung mehr Aufmerksamkeit verdient, um die Zusammenhänge ihrer wissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Einbettung besser zu verstehen.

Die Artikel der kumulativen Arbeit ergänzen sich in ihrer Frage nach der Rolle umstrittener Repräsentationen, wie Modelle und Erzählungen, in der Bewertung unbewiesener und neu entstehender Technologien. Der erste Artikel erörtert aus Sicht der Systemtheorie die Rolle von Narrativen für die Erzeugung von Handlungsfähigkeit sowie für die perspektivische Bewertung von Wissen. Der zweite Artikel zeigt, wie gesellschaftliche Zukünfte mit Delphi-Methoden empirisch erforscht werden und generalisierte Schlüsselnarrative es ermöglichen, diese zu unterscheiden und in transdisziplinären Kontexten zu kommunizieren. Der dritte Artikel überträgt Kendall Waltons Theorie des "make-believe" aus den Debatten repräsentierender Kunst und wissenschaftlicher Modellierung auf die empirische Untersuchung von Visionen, um am Beispiel eines Stakeholder-Workshops die Ambiguität imaginierter Grenzen in der Abschätzung einer Zukunftstechnologie offenzulegen. Der vierte Artikel greift die systemanalytischen Erkenntnisse des Fallbeispiels auf und führt sie in einem Opinion Paper über Zukünfte der Mikroalgenernährung zusammen. Der fünfte Artikel diskutiert Möglichkeiten, politische und wirtschaftliche Perspektiven der Ökobilanz (LCA) bereits im Studiendesign zu antizipieren unter den Prämissen von Vergleichbarkeit und methodischer Standardisierung. Zusammengefasst gibt die Arbeit den Modellen und Narrativen neu entstehender Technologien eine neue Relevanz in den gegenwärtigen Debatten der TA und ihres wissenschaftlichen Umfelds.

Administrative Daten

Referent: Prof. Dr. Armin Grunwald
Koreferent: N.N.
Doktoranden bei ITAS: siehe Promovieren am ITAS

Kontakt

Maximilian Roßmann, M.A.
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe
Tel.: 0721 608-28057
E-Mail