Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

Linguistische Modellierung am Beispiel der Energiemodelle

  • Projektteam:

    Grunwald, Armin (Projektleitung)

  • Förderung:

    VolkswagenStiftung

  • Starttermin:

    2017

  • Endtermin:

    2021

  • Projektpartner:

    Universität Münster (Prof. Achermann, Prof. Stierstorfer), KIT (Prof. Langemeyer, Prof. Hagenmeyer)

Projektbeschreibung

Modelle gehören zu den grundlegenden Strategien menschlicher Orientierung und Identitätsfindung. Globale Herausforderungen wie Klimaerwärmung, Massenmigration oder der sich beschleunigende Technologiewandel verlangen mehr denn je verlässliche Modellierungen als Grundlage für gesellschaftliche und politische Entscheidungen. Trotz dieser Dringlichkeit und trotz Modellforschung in vielen Disziplinen fehlt eine gemeinsame sprachwissenschaftlich und philosophisch abgesicherte Plattform für eine konzertierte, interdisziplinäre Modellierung und deren erfolgreicher Kommunikation. Das Projekt möchte diese Lücke mit einer allgemeinen Modelltheorie schließen und gleichzeitig ein Werkzeug für konstruktive Modellkritik und die Modellnutzung bereitstellen. Dadurch soll in innovativer Weise die Kluft zwischen den Geistes- und den Natur- bzw. Technikwissenschaften überwunden werden. Die Untersuchungen werden anhand des Fallbeispiels der Energiemodellierung generell und konkret am Energy Lab 2.0 des Karlsruher Instituts für Technologie durchgeführt.

Das ITAS-Teilprojekt ist dem Verständnis der Rolle der Modellierung in Energiepolitik und Technikfolgenabschätzung zur Energiewende gewidmet. Zukünfte und Zukunftswissen spielen in jeglicher Technikfolgenabschätzung für die Energiewende wie auch in anderen Formen der Suche nach belastbarer Orientierung eine erhebliche Rolle. Modellbasierte Energieprognosen und Energieszenarien gehören zu den zentralen Elementen. Viele Entscheidungen in Energiepolitik und Energieforschung im Hinblick auf Technologien und Infrastrukturen für Energiebereitstellung und Energieumwandlung werden auf Basis von Zukunftswissen, z. B. zum prognostizierten Bedarf, getroffen. Immer wieder wird sogar formuliert, dass Entscheidungen durch Energieszenarien nicht nur orientiert, sondern durch sie auch optimiert werden sollen. Energieszenarien, die auf diese Weise in Entscheidungsprozesse eingehen, haben faktisch dann oft großen Einfluss auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen mit teils Jahrzehnte in die Zukunft reichenden Folgen und entsprechenden Pfadabhängigkeiten. Dennoch sind sie häufig nicht transparent in Bezug auf die zugrundeliegenden Modellierungen und deren Basisannahmen. Divergierende Energiezukünfte sind häufig kontrovers, ohne dass Klarheit über die Quellen der Divergenz bestünde und darüber, wie mit ihr konstruktiv umgegangen werden kann. Energieszenarien scheinen damit, so könnte ein radikaler Schluss lauten, der Ideologie oder der Beliebigkeit ausgesetzt zu sein. Entsprechend wird immer wieder der Verdacht geäußert, dass nicht unabhängig erzeugte Energiezukünfte die Entscheidungen orientieren, sondern dass Energiezukünfte passend zu schon vorher getroffenen Entscheidungen gesucht werden.

Vor diesem Hintergrund wird der Ansatz der hermeneutischen Technikfolgenabschätzung auf das Feld der Orientierung von Energiepolitik durch modellgestützte Energiezukünfte übertragen. Modellieren und die Nutzung der Modelle für Szenarien und Entscheidungsfindungen werden in der Immanenz der Gegenwart thematisiert, um Aufklärungsarbeit im Hinblick auf das Zustandekommen energiepolitischer Orientierung zu leisten.

Kontakt

Prof. Dr. Armin Grunwald
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-22500
E-Mail