Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

Solarenergie für die Ernährungssouveränität von Familien am Flussufer

  • Projektteam:

    François, Davi Ezequiel (Projektleiter); Witold-Roger Poganietz

  • Förderung:

    Honnold Foundation

  • Starttermin:

    2020

  • Endtermin:

    2022

  • Projektpartner:

    Associação dos Trabalhadores Agroextrativistas da Ilha das Cinzas (Brazil); Embrapa Amapá (Brazil); Laboratório de Energias Renováveis da Universidade Federal do Amapá (Brazil); Center for Energy and Society at Arizona State University (USA)

  • Forschungsgruppe:

    Soziotechnische Energiezukünfte

Projektbeschreibung

Dieses angewandte Forschungsprojekt verfolgt einen partizipativen und integrativen Ansatz, in dem die Mitglieder einer Kommune die Hauptakteure sind. Das Projekt verfolgt drei Hauptziele. Erstens, die Förderung der Solarenergienutzung und der sanitären Grundversorgung für 50 ländliche Familien, die in der Gemeinde Ilha das Cinzas im brasilianischen Amazonasgebiet im Bundesstaat Pará leben. Zweitens, die erfolgreiche Übertragung des Projektmanagements und des Betriebs der Anlagen auf die Lokalverwaltung. Drittens, die Weiterentwicklung des Konzepts des sozialen Werts von Energie („Social Value of Energy“) mit dem Ziel, den sozioökonomischen Nutzen zu maximieren und gleichzeitig die Risiken und Belastungen lokaler Familien durch den Zugang zu Strom zu verringern.

Die Familien der Gemeinde Ilha das Cinzas leben seit Generationen am Ufer des Amazonasflusses in Stelzenhäusern und ernähren sich vom Fischfang und Früchten aus dem Wald. Das Fruchtfleisch der Açaí-Beere bildet die Nahrungsgrundlage der Familien.

Die Kommune hat keinen Zugang zum Stromnetz und nur begrenzten Zugang zu anderen grundlegenden Dienstleistungen wie Trinkwasser, sanitäre Grundversorgung und Abwasserbehandlung. Um Zugang zu Elektrizität zu erhalten, sind die meisten Familien auf Dieselgeneratoren angewiesen, die hohe Betriebskosten verursachen. Im Durchschnitt liefern die Generatoren pro Familie drei Stunden Strom pro Tag.

Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen des Projekts Solarenergieanlagen und Produktionsketten installiert, die zur Sicherung der menschlichen Grundbedürfnisse (Beleuchtung, Kühlung, Kommunikation etc.), zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung (solarunterstützte Bewässerung, Düngung und Bewirtschaftung der einheimischen Açaí-Palmen) und zur Ernährungssicherheit (Kühlung und Verarbeitung von Fisch und Açaí-Beeren für den lokalen Verbrauch und Verkauf der Überschüsse) beitragen.

Darüber hinaus soll das Projekt die Mitglieder der Gemeinschaft, insbesondere Frauen und junge Menschen, in die Lage versetzen, die Solarsysteme zu installieren, zu betreiben und zu warten. Zusätzlich werden sanitäre Einrichtungen in der Kommune installiert, um die sanitäre Grundversorgung zu verbessern und die Açaí-Palmen mit Biodünger zu versorgen. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Gemeinden soll gefördert werden.

Ein innovativer Aspekt in diesem partizipatorischen und integrativen Projekt ist, dass das Projekt von der Kommune selbst geleitet und verwaltet wird, in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern von Embrapa und der Universidade Federal do Amapá sowie internationalen Partnern vom Center for Energy and Society der Arizona State University (ASU) und dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Die Forschungsteams von ASU und KIT werden sich in diesem Projekt mit dem sozialen Wert von Energie in der Kommune befassen. Im ständigen Dialog mit den Gemeinschaftsmitgliedern und lokalen Partnern werden sie eine systematische Betrachtung des Energiezugangs vornehmen, indem sie Energie und lokale Herausforderungen unterschiedlicher Art (z. B. soziokulturelle, politische, wirtschaftliche und ökologische) miteinander in Beziehung setzen.

Kontakt

Davi Ezequiel François
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Postfach 3640
76021 Karlsruhe

Tel.: 0721 608-24675
E-Mail