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Hybride Wissensregime. Skizze einer soziologischen Feldtheorie

Der ITAS-Wissenschaftler Stefan Böschen beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit dem Wandel von Wissensverhältnissen. Er empfiehlt die Einführung neuer analytischer Werkzeuge, um die sich verändernden Strukturen zu erfassen.
Stefan Böschen, ITAS, Hybride Wissensregime
(Quelle: Nomos)

Gegenwärtig erodieren etablierte Ordnungen des Wissens und es entstehen neue Zonen der Uneindeutigkeit. Diese Prozesse zeigen sich etwa in der verteilten Produktion von Wissen, im Aufkommen von Citizen Science oder der Transformativen Wissenschaft. Bei allen Unterschieden, so der Soziologe Stefan Böschen in seinem neuen Buch, liege diesen Phänomenen jedoch etwas gemeinsam zu Grunde: Die Welt der hierarchischen Wissensordnung mit der Wissenschaft als unwidersprochenem Zentrum gilt nicht mehr voraussetzungslos. Zugleich aber wächst die Bedeutung von Wissenschaft für gesellschaftliches Problemlösen. Um die paradoxen Formen der Strukturauflösung und -neubildung von Wissensverhältnissen erfassen zu können bedarf es nach dem Autor neue analytische Werkzeuge.

Im ersten Teil seines Buchs schlüsselt Böschen die Wissensverhältnisse als Figurationen von Wissensregimen auf, die er als soziale Räume problemzentrierter Wissensproduktion versteht. Die fortlaufende Artikulation, Definition und Lösung von Problemen, welche die Entwicklung von Wissensregimen vorantreibt, illustriert Böschen an zwei Beispielen: Dem Chemie-Regime und dem Biopatent-Regime, die jeweils von ihren historischen Wurzeln bis in die Gegenwart analysiert werden.

Um nicht nur die Formierung von Wissensregimen zu verstehen, sondern die übergreifende Entwicklung des Wandels von Wissensverhältnissen rekonstruieren zu können, skizziert Stefan Böschen im zweiten Teil der Monografie eine soziologische Feldtheorie. Diese sieht entscheidende Weichenstellungen darin, zum einen den Wandel von Strukturen als kontinuierlicher Wandel von Rahmenbedingungen gesellschaftlicher Problemlösung erfassbar zu machen, zum anderen die Rolle von Akteuren und Strukturen bei solchen Formierungen ausgeglichener zu betrachten.

Den Band abschließend werden drei zentrale künftige Forschungsvorhaben umrissen, welche für die weitere Entwicklung dieser Feldtheorie von hoher Relevanz sind: die Analyse von Reallaboren, die Untersuchung epistemischer Regime sowie die Rekonstruktion ausgesuchter wissensgesellschaftlicher Konstellationen. (24.10.2016)

Bibliographische Informationen

Böschen, Stefan
Hybride Wissensregime. Skizze einer soziologischen Feldtheorie, Baden-Baden: Nomos 2016 (Wissenschafts- und Technikforschung, Band 13)
Verlagsinformationen