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Jahrestreffen des NTA

Am 26. und 27. November 2015 trafen sich die Mitglieder des Netzwerks Technikfolgenabschätzung (NTA) in Karlsruhe. Es war das elfte Jahrestreffen seit Bestehen des Netzwerks. Flankiert wurde dieses Treffen von verschiedenen Workshops.
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Am Vormittag des 26. November trafen sich die Mitglieder der NTA-Arbeitsgruppe „Information und Kommunikation“ (AG IuK) sowie weitere interessierte Kolleginnen und Kollegen. Im Mittelpunkt dieser öffentlichen Sitzung stand die aktive Beteiligung des NTA am DFG-Projekt „Fachportal openTA“. Der aktuelle Stand des in der ersten Förderperiode aufgebauten und unter der Adresse www.openta.net erreichbaren Fachportals wurde erläutert. Anschließend stellte Ulrich Riehm, openTA-Projektkoordinator und Sprecher der AG IuK, den im November 2015 eingereichten Fortsetzungsantrag vor. Mit der Unterzeichnung einer Erklärung zum Fortsetzungsantrag durch die anwesenden Leiterinnen und Leiter der institutionellen Mitglieder sowie die anwesenden Mitglieder des Koordinationsteams des NTA wurde der Antrag nachdrücklich unterstützt.

Auf dem sich am Nachmittag anschließenden Jahrestreffen gab Michael Decker, Sprecher des Koordinationsteams, einen Überblick über die bisherigen NTA-Konferenzen, deren Beiträge in entsprechenden Tagungsbänden veröffentlicht sind. Ausdrücklich begrüßt wurde die Bereitschaft der „EA European Academy of Technology and Innovation Assessment“, die nächste Konferenz – NTA7 – 2016 in Bonn auszurichten (Call). Es folgte ein Workshop mit dem Titel „Institutionalisierte TA“, in dem es um die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen institutionellen Einbettungen der NTA-Einrichtungen ging. Nach der Vorstellung einiger Varianten entspann sich eine offene und lebhafte Diskussion über Probleme und Chancen, die die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten der institutionellen Settings mit sich bringen.

Am 27. November fand der englischsprachige Workshop zum Themenkomplex „Technology and Work from a TA Perspective“ statt, der von Bettina-Johanna Krings, Linda Nierling und Antonio Moniz konzipiert worden war. Welche Auswirkungen Robotik und Industrie 4.0 auf die Gesellschaft haben, ist sowohl auf der Forschungs- als auch auf der politischen Agenda von zunehmender Bedeutung. Der Workshop bot hierbei den Rahmen, um TA-Studien zum Thema vorzustellen und zu diskutieren. Eingeleitet wurde der Workshop von konzeptionellen Überlegungen von Bettina-Johanna Krings, die den Stand der Diskussionen des Teams im ITAS vorstellte. Sie arbeitete die These aus, dass die Zusammenhänge zwischen technologischen Innovationen und Auswirkungen auf Arbeitsstrukturen zu wenig beachtet werden. Das gelte auch für die Prozesse der Informatisierung von Arbeit, die gerade stattfinden.

Rinie van Est vom Rathenau-Institut in den Niederlanden stellte die Ergebnisse der Studie „Working on the Robot Society“ vor, die u. a. zwei in der Gesellschaft vorherrschende Visionen des Zusammenhangs von technologischer Innovation und Arbeit beinhaltet: Führt sie zu mehr oder weniger Jobs in der Zukunft? Ein Technisierungsschub, so die These, wird mit der Ausbreitung von Robotertechnologien stattfinden. Wichtig ist aus der Perspektive der TA im Hinblick auf Design und Implementierung der Robotertechnologien, dass die Prozesse unter aktiver Beteiligung von Bürgern und Stakeholdern vonstattengehen. Nur so könnten negative Effekte langfristig vermieden werden.

Georg Aichholzer vom Institut für Technikfolgenabschätzung in Wien vermutete in seinem Vortrag „Industry 4.0: New Challenges for Work and Qualification“, dass durch allmähliche Veränderungen der Qualifikationsprofile sich mögliche Jobverluste vielleicht langfristig kompensieren ließen. Diese Vermutung könne aus vergangenen, ähnlichen Prozessen abgeleitet werden. Gleichzeitig macht er jedoch auch auf Globalisierungsprozesse, neue Formen der Arbeitsteilung und neue Formen der Arbeitsprekarität aufmerksam, die im Zuge der Technisierungsschübe entstehen können. Hier müsste politisch aktiv entgegengesteuert werden.

Sergio Belluci von der TA Swiss in Bern stellte die Ergebnisse der Studie „Robotics and Autonomous Devices in Social and Health Care“ vor. Hierbei wurde u. a. auch der Einsatz der Robbe „Paro“ (Companion) untersucht und ihre funktionale Bedeutung für die Pflegearbeit eingeschätzt. Es wurde betont, dass es sich lediglich um assistive Technologien handele, die keine Aufgaben autonom übernähmen, sondern nur unterstützend eingesetzt werden können. Im Falle von „Paro“ könnten hier lediglich kommunikative und interaktive Effekte in der Wechselbeziehung Patient und Pflegerin erzeugt werden.

Last but not least präsentierte Linda Nierling vorläufige Ergebnisse aus dem Projekt „Digitalisation of Work: Visions versus Empirical Evidence“, das derzeit im Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag durchgeführt wird. Sie stellte die These auf, dass die Befürchtungen, die in der Öffentlichkeit mit der Digitalisierung verbunden sind, nicht den empirischen Befunden entsprechen. Fundamentale Veränderungen der Arbeitsstrukturen sind bisher noch nicht nachzuweisen. Allerdings weisen neue Arbeitsmodelle auf neue Arbeitsformen hin, die von institutionell eingebetteter Erwerbsarbeit signifikant abweichen. Hier ist die TA aufgefordert, diese neuen Entwicklungen aufzuarbeiten und einzuschätzen.

An die Präsentationen schloss sich eine Gesamtdiskussion unter der Leitung von António Moniz an, in der es vor allem um die „neuen Herausforderungen“ für die TA ging. (15.01.2016)

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