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ITAS-Hypertext als Exponat im ZKM

Der am ITAS entwickelte „Flusser-Hypertext“ ist derzeit in der Ausstellung „Bodenlos. Flusser und die Künste“ im Karlsruher ZKM zu sehen, die dem Leben und dem Wirken des Medienphilosophen und Kommunikationswissenschaftlers Vilém Flusser gewidmet ist.
ITAS-Hypertext zu Vilém Flusser im ZKM
ITAS-Hypertext zu Vilém Flusser im ZKM
Noch bis Mitte Oktober 2015 im ZKM: Der Computer mit dem Hypertext über Vilém Flusser. (Fotos: Tanja Meißner/KIT)

Bereits in den späten 1980er Jahren wurden am ITAS Forschungen zur Entwicklung des Publizierens und neuer Medienformate angesichts von Computerisierung und Digitalisierung durchgeführt. In diesem Zusammenhang hielt Vilém Flusser am 2. März 1989 im öffentlichen Kolloquium des Instituts einen Vortrag zum Thema: „Schreiben für Publizieren“. Daraus entstand die Idee, diesen Vortrag zum Zentrum eines multimedialen elektronischen Buchs („Hypertext“) zu machen, der drei Nutzungsweisen kombiniert: den lebendigen Vortrag hören, das Transkript lesen und den vielen im Vortrag genannten Personen, Konzepten und Flusserschen Wortschöpfungen (Kant, Cézanne, Code, Bild, „Divulgation“, Burnüsse usw.) in einem umfangreichen Erläuterungsapparat nachgehen.

Der „Flusser-Hypertext“ war einer von drei Anwendungsfällen in einem Forschungsprojekt, in dem innovative Präsentationsformen für wissenschaftliche Inhalte prototypisch entwickelt werden sollten – ausgehend von der Metapher des „elektronischen Buchs“. Die Eigenerfahrungen bei der Entwicklung der Prototypen dienten nicht nur der Reflexion über neue Medien im Rahmen einer Technikfolgenabschätzung; die entwickelten Prototypen erleichterten auch den Zugang zu Medienkünstlern und Technikentwicklern.

Restaurierung und Emulation

Im Jahre 2007 wurde der Flusser-Hypertext samt Gerät dem Flusser-Archiv übergeben, das bei Prof. Siegfried Zielinksi in Berlin, an der Universität der Künste, angesiedelt ist. Es zeigte sich dabei paradigmatisch, worauf in der ITAS-Forschung der 1980er und 1990er schon hingewiesen wurde: Die elektronische Publikation altert schneller als diejenige auf Papier. Dank der intensiven Restaurierungsarbeit des Flusser-Archivs und eines Emulationsprojektes am Freiburger Institut für Informatik, das diesen Prototypen als ein Anwendungsbeispiel dankenswerterweise aufgegriffen hat, gibt es heute eine „museums-stabile“ Version, die vielleicht die Chance hat, der drohenden „digital darkness“ der neuen Medien zu entgehen. Anlässlich der Ausstellung macht das Institut die Freiburger Emulation des Flusser-Hypertextes und eine QuickTime-basierte Einführung in den Hypertext wieder zugänglich. Ebenso ist der Volltext der damaligen Monographie zum Projekt wieder verfügbar (Böhle, Riehm, Wingert 1997: Vom allmählichen Verfertigen elektronischer Bücher).

Die Ausstellung mit zahlreichen Exponaten (Bücher, Briefwechsel, Videos, Zeichnungen usw.) wird noch bis 18. Oktober 2015 im Karlsruher ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie gezeigt, danach in Berlin, Prag und São Paulo.

Über Vilém Flusser

Vilém Flusser wurde 1920 in Prag geboren, floh 1939 vor den Nazis und emigrierte nach São Paulo (Brasilien), wo er bis 1972 lebte. Aufgrund von Konflikten mit der Militärdiktatur verließ er Brasilien und siedelte nach Europa um, wo er noch eine außergewöhnliche Prominenz als Medienphilosoph und Kommunikationswissenschaftler erlangte. Flusser war auch einer der Vordenker des ZKM und an den Workshops zur Vorbereitung der Gründung beteiligt. Er starb 1991 an den Folgen eines Autounfalls. (14.09.2015)

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