Zukunftsvisionen einer Biologie als voll ausgebildeter Ingenieurswissenschaft und einer Erschaffung neuer Lebewesen im Labor ("vom Reißbrett") werden in den letzten Jahren immer häufiger als realistisch angesehen. Der Begriff "Synthetische Biologie" (SynBio) ist auf dem Weg, sich als Bezeichnung der dabei angesprochenen Fortschritte in Biologie und Gentechnik zu etablieren. In einem umfassenderen Sinn wird als Ziel der SynBio die Verwandlung von Leben in Technologie postuliert. Kritische Stimmen warnen vor den Risiken dieser neuen Entwicklungen oder hegen sogar grundlegende Bedenken hinsichtlich der Idee, künstliches Leben mit völlig neuen Eigenschaften zu erschaffen, selbst wenn es sich beispielweise nur um Bakterien handelt. Aus Teilen der Forschung und Politik wird hingegen verstärkt auf die großen Chancen hingewiesen, die das Feld für die Lösung zentraler Probleme in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Umwelt biete. Hoffnungen und Bedenken konvergieren in Aktivitäten, die darauf abzielen, verantwortungsvolle Innovation zu ermöglichen. Zugleich und damit zusammenhängend erleben wir national wie international vermehrt akademische und öffentliche Diskussionen zu ethischen und gesellschaftlichen Aspekten der SynBio. Auch in der Kunst findet das Thema zunehmend Beachtung. Schließlich ist eine Ausweitung des Begriffs der SynBio festzustellen, bei der immer mehr Elemente herkömmlicher Biotechnologie zu dieser gezählt werden, wohl auch mit dem Ziel, das Feld zu einem bedeutenden Bereich der Forschungsförderung zu machen.
Die ITAS-Arbeitsgruppe Governance der Synthetischen Biologie (ITAS SynBio) hat sich vor diesem Hintergrund anlässlich des Umstands gebildet, dass das ITAS an drei Projekten zur SynBio maßgeblich beteiligt ist: dem Projekt SYNTH-ETHICS (EU, FP 7, bis 2011), dem Projekt Engineering Life (BMBF, ELSA, bis 2013) und dem Projekt Synthetische Biologie (TAB, bis 2012). Mitglieder der Gruppe sind Mitarbeiter des ITAS und anderer Institute des KIT, die an diesen Projekten beteiligt sind, sowie weitere ITAS-Kolleginnen und -Kollegen, die sich in anderen Zusammenhängen mit dem Thema SynBio oder mit eng verwandten Themen befassen. Bei ihrer Arbeit geht die Gruppe von einem weiten Governance-Begriff aus, der beispielsweise auch die Analyse und Mitgestaltung des öffentlichen Diskurses und die Analyse kultureller Aspekte des Themas einschließt. Aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten im Bereich der wissenschaftlichen Politikberatung und Technikfolgenabschätzung fokussiert das ITAS bei der Analyse der mannigfaltigen Aspekte des Themas deren politisch-gesellschaftliche und öffentliche Relevanz.



