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„Präzise“ Medizin mit Nebenwirkungen

Die Verbindung von Künstlicher Intelligenz, moderner Humangenomik und Genom-Editierung könnte neue Therapien für Krankheiten ebenso ermöglichen wie nichtmedizinische „Erbgut-Verbesserungen“. Das ITAS analysiert die Folgen und entwirft Handlungsoptionen.
DNA Doppelhelix
Krankheiten behandeln, das Erbgut „verbessern“: Was KI hier beitragen kann und welche ethischen Fragen das aufwirft, untersuchen Forschende des ITAS. (Abbildung: Pixabay)

Der Einsatz fortgeschrittener Formen maschinellen Lernens verspricht große Fortschritte für die Forschung am menschlichen Genom. „Insbesondere das sogenannte Deep Learning könnte es ermöglichen, unser Erbgut nicht nur wie bisher zu ‚lesen‘, sondern die komplexen biophysikalischen Zusammenhänge und Mechanismen zu verstehen, die dafür sorgen, aus genetischen Anlagen körperliche Merkmale hervorzubringen“, so Harald König, der am ITAS das neue Projekt „Deepen Genomics“ leitet.

Neue Therapieformen und ethische Herausforderungen

Das Forschungsteam, an dem neben dem ITAS auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI beteiligt ist, will analysieren, welche Anwendungen entstehen könnten, wenn Künstliche Intelligenz (KI) mit Techniken der Genomanalyse und automatisierten Laborplattformen kombiniert werden. Weit verbreitet ist beispielsweise die Hoffnung, mit einer maßgeschneiderten „precision medicine“ Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz effektiver behandeln zu können.

Gleichzeitig liegt der Fokus des Projekts auf den vielfältigen gesellschaftlichen und politischen Implikationen etwa im Hinblick auf Fragen nach der Finanzierung von Forschung oder der Zugänglichkeit neuer Therapien für Patienten. Auch ethische Fragen wollen die Forschenden prüfen. Denkbar wäre zum Beispiel ein Trend dazu, häufige Leiden wie Brustkrebs oder Diabetes durch eine „präventive Korrektur“ von Risikogenen in der Keimbahn menschlicher Embryonen zu verhindern. „Im Extremfall“, erklärt Harald König, „könnte es eine wachsende Akzeptanz dafür geben, das menschliche Genom mit nichtmedizinischen Eingriffen zu ‚verbessern‘“.

Optionen für politische Entscheidungsträger

Aufbauend auf ihrer Technikfolgenabschätzung wollen die Forschenden Optionen für die Forschungs- und Innovationspolitik erarbeiten sowie Wege für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser durch KI und Genomik getriebenen Technologie eröffnen.

Das Projekt „Deepen Genomics – Chancen und Herausforderungen der Konvergenz von künstlicher Intelligenz, moderner Humangenomik und Genom-Editierung” ist Teil der Innovations- und Technikanalyse (ITA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). (20.02.2019)

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